WDR-Haushaltsplan 2015 im Zeichen des Sparkurses

06.02.2015 •

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in Köln plant in diesem Jahr mit einem nahezu ausgeglichenen Betriebshaushalt. Laut seinem Wirtschaftsplan für 2015 erwartet der WDR Einnahmen von insgesamt 1,390 Mrd Euro. Die Ausgaben taxiert der öffentlich-rechtliche Sender auf 1,393 Mrd Euro. Somit rechnet die größte ARD-Landesrundfunkanstalt mit einem geringen Fehlbetrag von 3 Mio Euro, der durch Geld aus Rücklagen ausgeglichen werden soll. Der Wirtschaftsplan für 2015 war vom WDR-Rundfunkrat im Dezember vorigen Jahres verabschiedet worden.

In den für 2015 veranschlagten Gesamteinnahmen sollen sich die Erträge aus dem Rundfunkbeitrag auf 1,160 Mrd Euro belaufen. Das entspräche einem Anteil von 84 Prozent. Weitere Erlöse erzielt der WDR aus dem Verkauf von Werbezeiten, der Verwertung von Programmrechten und aus Kapitalanlagen. Der WDR erhält – wie alle anderen öffentlich-rechtlichen Sender – wie schon in den beiden Vorjahren auch 2015 mehr Geld aus dem Rundfunkbeitrag als er benötigt, um seinen von der Expertenkommission KEF genehmigten Finanzbedarf zu decken. Diese Mehrerträge dürfen alle Anstalten nicht ausgeben, die Gelder sind in eine gesonderte Rücklage zu transferieren. Die Bundesländer müssen im Rahmen der in den kommenden Monaten stattfindenden Evaluation des allgemeinen Rundfunkbeitrags, der Anfang 2013 die bisherige gerätebezogene Rundfunkgebühr abgelöst hatte, entscheiden, wofür diese Mehrerträge verwendet werden sollen.

Kosten sinken um 36 Mio Euro

Der WDR geht davon aus, in diesem Jahr rund 25 Mio Euro in diese Beitragsrücklage einzustellen. Dieses Geld kann der Sender also nicht dafür einsetzen, um seine laufenden Kosten zu finanzieren, auch wenn es im aktuellen Etat als Einnahme verbucht wird. Der Haushalt 2015 wurde nach einer Brutto-Rechnung erstellt, netto hat der WDR rund 25 Mio Euro weniger an Rundfunkbeitragsgeldern zur Verfügung, also insgesamt rund 1,135 Mrd Euro. Das bedeutet in der Folge, dass der WDR netto in seinem Betriebshaushalt 2015 ein Defizit von zirka 28 Mio Euro erwartet.

Der WDR will in diesem Jahr seine Ausgaben im Vergleich zu den Planzahlen von 2014 um rund 36 Mio Euro reduzieren. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass es 2015 – im Gegensatz zum Vorjahr – keine großen und teuren Sportereignisse gibt, über die die ARD berichten würde, so dass für den WDR diesbezüglich keine anteiligen Rechte- und Produktionskosten anfallen. Bemerkbar machen sich ferner strukturelle Sparmaßnahmen des Senders.

Im Juni vorigen Jahres hatte WDR-Intendant Tom Buhrow angekündigt, angesichts stagnierender Einnahmen in den kommenden Jahren seien massive Sparmaßnahmen nötig, da dem Sender ab 2016 im Schnitt 100 Mio Euro jährlich im Etat fehlen würden (vgl. FK 27/14). Teil des damals bekannt gegebenen Sparpakets sind beispielsweise der Abbau von 500 Planstellen bis 2020 und die Einstellung mehrerer Fernsehsendungen. Seit Ende Dezember 2014 strahlt der WDR etwa samstags in der Zeit von 19.30 bis 20.00 Uhr nur noch ein übergeordnetes landesweites Regionalmagazin aus anstelle der bis dato auf diesem Programmplatz gesendeten elf verschiedenen „Lokalzeit“-Ausgaben (unter anderem für Köln, Dortmund oder das Münsterland).

Mit dem Haushaltsplan für 2015 sieht Buhrow den WDR „auf dem richtigen Weg“. Im Dezember 2013 habe man erste strategische Weichen gestellt, um die Finanzen des Senders „langfristig in den Griff zu bekommen“. Positive Auswirkungen seien bereits sichtbar, so Buhrow. Er verwies darauf, dass alle WDR-Mitarbeiter „mit ihrem Kostenbewusstsein ein großes Verantwortungsgefühl für die Zukunft des Unternehmens“ zeigten. Buhrow weiter: „Mit dieser Haltung müssen wir unseren Kurs konsequent fortsetzen. Denn die finanzielle Situation der kommenden Jahre ist und bleibt sehr schwierig.“

Abbau von 50 Planstellen

Unterstützung für den Sparkurs hat der Sender vom WDR-Rundfunkrat. Dessen Vorsitzende Ruth Hieronymi erklärte anlässlich der Verabschiedung des Etats für 2015: „Wegen der ungedeckten Finanzlücke ist der strukturelle Umbau im Sender unumgänglich. Allen ist klar, dass die für die nächsten Jahre angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Wir werden Intendant Tom Buhrow darin unterstützen. Oberste Priorität muss dabei der Erhalt der hohen Programmqualität des WDR haben. Daran müssen sich alle Anstrengungen messen lassen.“

Für die Inhalteproduktion im Fernsehen, Radio und Internet will der WDR in diesem Jahr insgesamt 472,8 Mio Euro ausgeben. Fürs Fernsehen stehen 385,5 Mio Euro zur Verfügung und damit 46 Mio Euro weniger als nach den Planzahlen für 2014. Der Hörfunketat des WDR beläuft sich 2015 auf 80,1 Mio Euro (minus 6 Mio). Für den Internet-Bereich sind 7,2 Mio Euro vorgesehen (minus 0,4 Mio). Die Personalausgaben inklusive der Altersversorgung beziffert der Sender für 2015 auf 447,8 Mio Euro (2014: 437,7 Mio). Beim WDR gibt es in diesem Jahr insgesamt 441d1 Planstellen – 50 weniger als 2014. Von den 4411 Stellen sollen in diesem Jahr 4235 besetzt sein (96 Prozent).

06.02.2015 – vn/MK