ARD, ZDF und Deutschlandradio: Insgesamt rund 9 Mrd Euro Ausgaben im Jahr 2015

13.09.2015 •

Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen auch in diesem Jahr insgesamt rund 9 Mrd Euro ausgeben. Die Gesamtkosten von exakt 8,98 Mrd Euro ergeben sich, wenn man die geplanten Ausgaben der neun ARD-Anstalten, des ZDF und des Deutschlandradios anhand ihrer Betriebshaushaltspläne für das Jahr 2015 addiert (siehe das Foto mit der Grafik; Desktop: rechts; mobile Darstellung: nach unten scrollen). Für 2014 hatten die Sender zusammen mit Ausgaben von genau 9,0 Mrd Euro kalkuliert. Wie hoch im vorigen Jahr die Aufwendungen der Anstalten tatsächlich ausgefallen sind, steht erst fest, wenn alle Jahresabschlüsse 2014 von den Gremien genehmigt und veröffentlicht wurden. Das dürfte voraussichtlich bis zum kommenden September geschehen sein.

Das ZDF rechnet 2015 mit Ausgaben von 2,12 Mrd Euro und bleibt damit der öffentlich-rechtliche Sender mit dem höchsten Einzelbudget. Die neun ARD-Anstalten kalkulieren mit Aufwendungen von zusammen rund 6,62 Mrd Euro. Innerhalb des Senderverbunds liegt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) – die größte ARD-Landesrundfunkanstalt – mit prognostizierten Ausgaben von 1,39 Mrd Euro an der Spitze. Dahinter folgen drei Anstalten, die ebenfalls mit Ausgaben oberhalb der Milliardengrenze rechnen: Beim Südwestrundfunk (SWR) sind es zirka 1,18 Mrd Euro, beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) 1,08 Mrd Euro und beim Bayerischen Rundfunk (BR) 1,02 Mrd Euro. Das Deutschlandradio kalkuliert mit Kosten von 242 Mio Euro.

Beitragsmehrerträge und Rücklage

Von den elf Sendern erwarten fünf Anstalten in diesem Jahr im Vergleich zu den Planzahlen für 2014 höhere Ausgaben. Dabei handelt es sich um den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), den Hessischen Rundfunk (HR), den Saarländischen Rundfunk (SR) und Radio Bremen sowie um das Deutschlandradio. Fünf Anstalten – der WDR, der SWR, der NDR, der BR und das ZDF – kalkulieren mit sinkenden Aufwendungen. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sollen die Ausgaben in diesem Jahr nahezu denen des Vorjahres entsprechen. Wie viel Geld die elf Sender in diesem Jahr zusammen tatsächlich ausgegeben haben werden, wird erst im Spätsommer 2016 feststehen, wenn alle Jahresabschlüsse 2015 vorliegen.

Ihre Gesamterträge – also inklusive Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag und aus der Vermarktung von Werbezeiten und Sponsoring sowie sonstiger Erlöse – taxieren die elf Anstalten in diesem Jahr auf 8,83 Mrd Euro. Die Ausgaben werden auf die besagten 8,98 Mrd Euro prognostiziert, so dass sich ein Defizit von 150 Mio Euro ergibt. Die Sender beziffern für dieses Jahr die Einnahmen, die aus dem Rundfunkbeitrag stammen, in ihren Ende 2014 verabschiedeten Betriebshaushaltsplänen auf 7,53 Mrd Euro. Darin einbezogen ist, dass der Rundfunkbeitrag zum 1. April 2015 von zuvor monatlich 17,98 Euro pro Wohnung auf monatlich 17,50 Euro gesunken ist.

Trotz dieser Absenkung dürften die Erträge der Anstalten aus dem Rundfunkbeitrag höher ausfallen, als sie von den Sendern beziffert wurden. Seit der Aufstellung der Betriebshaushaltspläne für 2015 hat sich gezeigt, dass aus dem Rundfunkbeitrag noch mehr Geld eingenommen wird, als zuvor schon erwartet wurde. Wie hoch die Beitragserträge der Anstalten in 2015 ausgefallen sind, wird dürfte im Frühjahr 2016 bekannt werden, wenn die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) ihren 20. Bericht veröffentlicht. Die Mehrerträge, die die Anstalten aus dem Rundfunkbeitrag erhalten – die also oberhalb ihres genehmigten Finanzbedarfs liegen –, müssen die Sender jeweils in einer gesonderten Rücklage anlegen („Beitragsrücklage“). Nach den Planzahlen für 2015 wollen die elf Anstalten in diesem Jahr zusammen 164,5 Mio Euro zurücklegen.

Insgesamt 24.969 Planstellen

In den Gesamterträgen für 2015 sind bei allen Anstalten auch die Beitragseinnahmen enthalten, die sie nicht ausgeben dürfen. Das heißt, alle Sender haben ihre Betriebshaushaltspläne nach einer Brutto-Rechnung aufgestellt. Das hat zur Folge, dass auch die prognostizierten Jahresergebnisse einem Brutto-Wert entsprechen. Nach dieser Berechnung plant im Jahr 2015 von den elf Sendern nur der Bayerische Rundfunk mit einem Überschuss (plus 4,2 Mio Euro). Die übrigen Anstalten planen brutto mit Defiziten, wobei bei mehreren Sendern die Fehlbeträge sehr gering ausfallen sollen, so dass hier auch von ausgeglichenen Haushalten gesprochen werden kann. Die beiden höchsten Defizite für 2015 erwarten der HR (minus 51,4 Mio Euro) und der NDR (minus 48,5 Mio Euro). Berücksichtigt man, dass die Beitragsmehrerträge nicht verwendet dürfen, erwarten alle elf Sender Defizite.

Die elf öffentlich-rechtlichen Sender haben in diesem Jahr insgesamt 24.969 Planstellen – das sind 76 weniger als in 2014. In der aktuellen Gesamtzahl sind nicht die Stellen enthalten, die es noch bei Tochterfirmen der Sender gibt (Werbe- und Produktionsgesellschaften). In den Stellenplänen der ARD-Anstalten werden ausgegliederte Gemeinschaftseinrichtungen wie etwa ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“) ebenfalls nicht erfasst. Auch die von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Spartensender Kinderkanal (Kika) und Phoenix haben eigene Stellenpläne. Über die meisten Planstellen verfügt auch in diesem Jahr mit 4411 Stellen wieder der WDR. Beim ZDF sind es 3630,5 Positionen und beim SWR 3619. Bei zehn der elf Anstalten sind aber nicht alle ausgewiesenen Planstellen auch tatsächlich besetzt. Dies ist nur beim MDR der Fall. Die geringste Stellenbesetzungsquote weist 2015 der HR mit 88,0 Prozent auf.

13.09.2015 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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