WDR-Rundfunkrat billigt Programmreformen für Fernsehen und Hörfunk

Beim Westdeutschen Rundfunk tritt Anfang 2016 eine Reform beim Dritten Programm WDR Fernsehen in Kraft. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch jeweils das Sendeschema der Hörfunkwellen WDR 3 und WDR 5 verändert. Die Programmreformen, die von Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und Hörfunkdirektorin Valerie Weber in die Wege geleitet wurden, billigte der WDR-Rundfunkrat auf seiner Sitzung am 23. September in Köln. Durch die Veränderungen im WDR Fernsehen und bei den beiden Hörfunkprogrammen würden „klare Strukturen geschaffen, die den Fernsehzuschauern und Radiohörern die Orientierung in den WDR-Programmen erleichtern“, erklärte WDR-Intendant Tom Buhrow.

Gleichzeitig werde durch die Veränderungen „die inhaltliche Qualität gesichert und Spielraum für Innovationen geschaffen“, versprach Buhrow: „Mit diesen Reformen hat die WDR-Geschäftsleitung ihren Kurs fortgesetzt, einerseits den WDR wieder auf eine finanziell solide Grundlage zu stellen und gleichzeitig das Programm konsequent weiterzuentwickeln“, so der Intendant. Im Juni 2014 hatte Buhrow erklärt, der WDR müsse aus finanziellen Gründen seine Kosten senken und bis zum Jahr 2020 insgesamt 500 Planstellen abbauen (vgl. FK 25/14). Die nun beschlossenen Reformen haben dementsprechend auch zum Ziel, in bestimmten Bereichen die Kosten zu senken.

Mehr jüngere Zuschauer erreichen

Der Rundfunkrat unterstütze mit großer Mehrheit die Reformen des WDR in Hörfunk und Fernsehen, erklärte dessen Vorsitzende Ruth Hieronymi. Dadurch werde ein geeigneter Rahmen geschaffen, „um den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag auch künftig zu erfüllen und möglichst weiter zu schärfen“. Der Rundfunkrat begrüßte, dass beim WDR Fernsehen insbesondere die Integrationsberichterstattung ausgebaut werden solle. Der WDR wird allerdings das sonntägliche Magazin „Cosmo TV“ einstellen, jedoch bleibt die Fachredaktion erhalten. Sie soll künftig etwa Berichte für die Nachrichtensendungen zuliefern und Reportagen herstellen.

Ruth Hieronymi sagte weiter, der Rundfunkrat befürworte es, im Radiobereich „die Wellen stärker voneinander unterscheidbar zu machen“. Ein wichtiger Aspekt für den Rundfunkrat sei außerdem gewesen, dass „sowohl die regionale als auch die landespolitische Berichterstattung in der Quantität ausgebaut werden und in der Qualität weiterhin Bestand haben sollen“, so die Vorsitzende des Gremiums.

Die Reformen beim WDR Fernsehen sind, wie die Fernsehdirektion in einem im Juni bekannt gewordenen Papier festhielt, „die umfassendsten Änderungen […] seit 1996“. Als zentrales Ziel der Programmreform wurde in dem Papier ausgegeben, mehr jüngere Zuschauer zu erreichen. Die Generation der 35- bis 55-Jährigen wurde als „zentrale Eroberungsgruppe“ benannt. Fernsehdirektor Schönenborn will mit den Änderungen auch zeigen, „dass das WDR Fernsehen Platz hat für neue und überraschende Ideen, gerade auch in der Unterhaltung. Das“, so Schönenborn, „erwarten die jüngeren Zuschauergruppen von uns, die wir für unser Programm zurückgewinnen wollen.“ Die Zuschauer des WDR Fernsehen sind derzeit im Schnitt 64 Jahre alt und damit laut WDR „so alt wie nie zu vor“. Das Durchschnittsalter der Fernsehzuschauer in Nordrhein-Westfalen liegt aktuell bei 52 Jahren.

Ausbau der Fernsehnachrichten

Beim WDR Fernsehen wird ab Januar 2016 auf dem Sendeplatz von montags bis freitags um 18.00 Uhr eine neue 15-minütige Ausgabe der Nachrichtensendung „WDR aktuell“ eingeführt. Darin enthalten sind dann auch fünf Minuten mit „Lokalzeit“-Nachrichten aus den elf WDR-Landesstudios. Bis Ende 2015 gibt es von 18.00 bis 18.05 Uhr weiter die „Lokalzeit“-Nachrichten aus den einzelnen Studios. Anschließend ist derzeit eine 15-minütige Ausgabe der Kurzreportage-Reihe „Hier und Heute“ zu sehen, die Anfang 2016 gestrichen wird. Ab 18.15 Uhr läuft dann die halbstündige „Servicezeit“ (derzeit: 18.20 Uhr). Im Anschluss daran startet um 18.45 Uhr die „Aktuelle Stunde“ (bis 19.30 Uhr). Der Sendebeginn des Regionalmagazins wird um fünf Minuten vorgezogen und entsprechend verlängert.

Die Reihe „Hier und Heute“ wird nun aber nicht komplett eingestellt, wie dies noch die ersten Reformpläne vorsahen, was auf deutliche Kritik aus der Mitarbeiterschaft gestoßen war (vgl. MK 13/15). Künftig erhält „Hier und Heute“ am Montagabend im WDR Fernsehen einen halbstündigen Sendetermin (22.10 bis 22.40 Uhr). Anschließend gibt es ab 2016 dem WDR zufolge „ein neues Format für Kultur aus dem Westen, das aktuelle Themen und Hintergrund verknüpft“.

Im werktäglichen Abendprogramm des WDR Fernsehens wird ab Januar 2016 außerdem die um 21.45 Uhr gesendete Ausgabe von „WDR aktuell“ um zehn Minuten verlängert. Sie endet damit künftig um 22.10 Uhr. Der Mittwochabend wird im WDR Fernsehen ab 2016 ganz im Zeichen der Information stehen, wie der Sender mitteilte. Nach dem Verbrauchermagazin „Markt“ (ab 20.15 Uhr) und Service- und Verbraucherreportagen (ab 21.00 Uhr) werden an diesem Wochentag ab 22.10 Uhr Ausgaben der Reihen „Die Story“ und „WDR weltweit“ ausgestrahlt, bevor dann Dokumentationen bzw. Dokumentarfilme zu sehen sind.

Bei den beiden Radioprogrammen WDR 3 und WDR 5 begründet die Rundfunkanstalt die Reformen vor allem mit veränderten Nutzungsgewohnheiten der Hörer: „Auch anspruchsvolle Wort- und Kulturprogramme wie WDR 3 und WDR 5 werden immer häufiger nicht mehr nur zu speziellen Sendungen eingeschaltet, sondern nach ihrer Kernkompetenz.“ Mit den beiden neuen Sendeschemata setze man „auf klare Strukturen in der Woche“, erklärte Hörfunkdirektorin Valerie Weber. Beim Kulturprogramm WDR 3 sollen klassische Musiksendungen, Lesungen und Hörspiele ausgebaut werden. Ab 2016 wird es bei WDR 3 täglich ab 19.00 Uhr einen festen Sendetermin für Hörspiele geben.

Das Ende für „SpielArt“ als Regelformat

Bei WDR 5 werden ab Januar 2016 die Informationssendungen und die Wissenschaftsformate ausgebaut. Die Frühsendereihe „Morgenecho“ wird um eine Stunde bis 10.00 Uhr verlängert. In diese zusätzliche Sendestunde wird eine weitere Ausgabe des landespolitischen Magazins „Westblick“ integriert. Bisher gibt es „Westblick“ nur mit einer Ausgabe am späten Nachmittag, die künftig aufgrund der neuen Vormittagssendung gekürzt wird. Die Sendezeit des werktäglichen Wissensmagazins „Leonardo“ wird auf zwei Stunden verdoppelt. Das Meinungsmagazin „Politikum“ wird verkürzt, dann aber jeden Werktag gesendet (bisher nur montags bis donnerstags, 19.05 bis 19.30 Uhr).

Eingestellt wird bei WDR 5 ab 2016 als Regelformat die literarische Sendereihe „SpielArt“. Entsprechende Pläne waren unter anderem von Ensemble-Mitgliedern des Schauspiels Köln kritisiert worden (vgl. MK 17/15). Künftig wird es „SpielArt“ – bisher sonntags 16.05 bis 17.55 Uhr – nur noch an Feiertagen geben. „SpielArt“, eine der teuersten Sendungen bei WDR 5, fällt der Programmreform im Hörfunk zum Opfer, weil Hörfunkdirektorin Weber bei WDR 3 und WDR 5 zusammen rund 1,5 Mio Euro einsparen muss.

20.10.2015 – MK

Print-Ausgabe 25-26/2017

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