ARD veröffentlicht erstmals einen Produzentenbericht

02.10.2015 •

02.10.2015 • Die ARD hat im Jahr 2014 insgesamt 707,1 Mio Euro an Firmen für die Herstellung von Fernsehproduktionen gezahlt. Mehr als zwei Drittel des Gesamtbetrags hätten Unternehmen erhalten, die nicht mit der ARD verbunden seien, erklärte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor am 23. September in Stuttgart. Er äußerte sich im Anschluss an die dortige Sitzung der ARD-Intendanten, die am 21. und 22. September stattfand und in der sich die Senderchefs schwerpunktmäßig mit dem Produzentenbericht für 2014 befassten.

Erstmals legte der Senderverbund nun einen solchen Bericht vor. Darin wird die Vergabe von Produktionsaufträgen der neun ARD-Landesrundfunkanstalten und der ARD-Filmfirma Degeto dargestellt. Im Jahr 2013 hatte sich die ARD mit der Produzentenallianz darauf verständigt, künftig nach einheitlichen und mit den Produzenten abgestimmten Kriterien über die Auftragsvergabe zu informieren. Die Forderung, dass Sender Produzentenberichte erstellen und veröffentlichen sollten, war erstmals 2001 als Resultat einer Studie der Medienberatung HMR International zum „Fernsehmarkt Deutschland“ erhoben worden (vgl. FK-Meldung).

Aufträge an Firmen ohne ARD-Beteiligung

Der aktuelle Bericht, der insgesamt 137 Seiten umfasst, wurde am 23. September im Internet veröffentlicht. Federführend zuständig für die Erstellung war der MDR, der innerhalb der ARD die Filmangelegenheiten koordiniert und Ansprechpartner der Produzentenallianz ist, in der sich rund 230 Unternehmen zusammengeschlossen haben. Den Bericht erhält zur Information auch die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Die Produzentenallianz begrüßte es, dass nun erstmals Basisdaten dazu vorlägen, welche Firmen von den ARD-Anstalten und der Degeto Produktionsaufträge erhalten hätten.

Lutz Marmor verwies in Stuttgart darauf, dass der ARD-Verbund insgesamt der größte Auftraggeber der hiesigen Fernsehproduzenten sei. Größter Einzelauftraggeber ist aber weiterhin das ZDF, das 2013 insgesamt 575 Mio Euro für Aufträge an die Produktionsunternehmen vergab (die ZDF-Zahlen für 2014 sind noch nicht bekannt). Die Veröffentlichung des ARD-Produzentenberichts sei „ein wichtiger Schritt voran in Richtung Transparenz“, erklärte Lutz Marmor weiter. Künftig werde es einen solchen Bericht jährlich geben. Da die Aufträge ausweislich des vorgelegten Berichts überwiegend an nicht mit der ARD verbundene Unternehmen gingen, hoffe er, dass dieses Ergebnis „zur Versachlichung der Diskussion um die deutsche Produzentenlandschaft“ beitrage. Marmor spielte damit auf stetig geäußerte Vorwürfe an, die ARD bevorzuge bei der Vergabe von Produktionsaufträgen ihre Tochterunternehmen.

Das öffentlich-rechtliche Programmangebot lebe „von der Kreativität vieler, vieler Produktionsfirmen“, so Marmor auf der Pressekonferenz: „Unsere Programme können nur funktionieren mit einer solch funktionierenden Produzentenlandschaft. Allerdings finden wir auch nach wie vor gut und wichtig, dass wir eigene Töchter haben, die sich auch dem Wettbewerb stellen und dem Wettbewerb stellen müssen.“ Er glaube, dass „diese Mischung stimmt“, sagte der ARD-Vorsitzende.

Degeto: 304 Mio Euro für TV-Produktionen

Von den insgesamt 707,1 Mio Euro, die die ARD 2014 an Produzenten zahlte, flossen konkret 493,5 Mio Euro an Unternehmen, bei denen weder eine ARD-Anstalt noch die Degeto direkt bzw. indirekt beteiligt ist. Das entspricht einem Anteil von 69,8 Prozent. Die restlichen 213,6 Mio Euro erhielten Firmen mit ARD-Beteiligung (30,2 Prozent). Zum Großteil erstellten die Produzenten im vorigen Jahr Auftragsproduktionen. Hierfür zahlten die ARD-Anstalten und die Degeto zusammen 472,5 Mio Euro (66,8 Prozent). Für Koproduktionen betrugen die Ausgaben 184,7 Mio Euro (26,1 Prozent), für Mischproduktionen 49,9 Mio (7,1  Prozent).

Die ARD-Anstalten und die Degeto vergaben im Jahr 2014 die Aufträge an Produzenten zu 70,7 Prozent in drei Genres: für Film 303,3 Mio Euro (42,9 Prozent), für Unterhaltung 99 Mio (14,0 Prozent) und für Familienprogramme 97,7 Mio (13,8 Prozent). Dokumentationen in den Bereichen „Politik/Gesellschaft“ und „Kultur/Wissenschaft“ kamen 2014 insgesamt auf einen Anteil von 6,3 Prozent, was laut dem Produzentenbericht 2014 einem Produktionsaufwand von 44,3 Mio Euro entspricht.

Innerhalb der ARD hat im vorigen Jahr die Degeto den höchsten Betrag für Produktionen ausgegeben: Die Zahlungen der Degeto beliefen sich auf 304,4 Mio Euro und hatten damit einen Anteil von 43 Prozent an den Gesamtausgaben der ARD für externe Produktionen. Für die Herstellung von Filmen überwies die Degeto Produzenten im vorigen Jahr rund 175 Mio Euro. Dieses Genre hatte damit an den gesamten Zahlungen der Degeto an Produktionsfirmen einen Anteil von 57,4 Prozent. Die Herstellung von Sendungen für das ARD-Vorabendprogramm durch externe Unternehmen kostete 2014 insgesamt 68,8 Mio Euro (22,6 Prozent). 43 Prozent der Produktionsvergütungen, die die Degeto 2014 insgesamt zahlte, erhielten mit der ARD verbundene Produzenten (131 Mio Euro). 57 Prozent (173,4 Mio) flossen an Firmen ohne ARD-Beteiligung.

Der HR produziert selbst

Von den neun ARD-Sendern hat 2014 der WDR als größte Landesrundfunkanstalt auch das meiste Geld an Produzenten gezahlt, insgesamt 105,4 Mio Euro (vgl. MK-Meldung). Es folgen der NDR mit 92,6 Mio Euro, der BR mit 61,9 Mio und der MDR mit 56 Mio. Der SWR, die zweitgrößte ARD-Anstalt, rangiert hier erst auf dem fünften Rang mit 49,4 Mio. Der RBB zahlte an Produzenten im vorigen Jahr 20,4 Mio Euro, beim SR ist es noch nicht einmal eine Million. Bei Radio Bremen – das 2006 seine komplette Fernsehproduktion in die Tochterfirma Bremedia ausgelagert hat, die somit auch für die Herstellung aktueller Nachrichtenformate zuständig ist – sind es 14,3 Mio Euro. Der HR, der seine Fernsehfilme grundsätzlich selbst produziert, vergab Aufträge im Umfang von nur 1,8 Mio Euro an externe Produzenten.

Radio Bremen weist im aktuellen ARD-Produzentenbericht aufgrund der genannten Sondersituation zwangsläufig den höchsten Anteil bei der Auftragsvergabe an öffentlich-rechtliche Tochterunternehmen auf. Insgesamt sind es 88 Prozent. Es folgen mit jeweils einem Drittel der NDR und der MDR. Zu beiden Sendern gehören große Produktionstöchter: Beim NDR ist es die Studio-Hamburg-Gruppe und beim MDR die Drefa-Gruppe.

Bei den von den einzelnen ARD-Anstalten an die Produzenten gezahlten Vergütungen sind nicht die Beträge enthalten, die die Sender an die Degeto überweisen, die dann mit diesem Geld die von ihr in Auftrag gegebenen Filme und Serien finanziert. Gesellschafter der Degeto sind die Landesrundfunkanstalten bzw. deren Werbetöchter, die das Unternehmen anteilig finanzieren.

02.10.2015 – vn/MK