Grimme-Institut: Personelle und strukturelle Veränderungen

21.09.2015 •

21.09.2015 • Beim Grimme-Institut in Marl hat es in den vergangenen Monaten personelle und strukturelle Veränderungen gegeben. Die Mitarbeiterzahl sei deutlich reduziert und die Organisationsstruktur des Instituts modifiziert worden, erklärte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach am 28. August in Düsseldorf. Die promovierte Juristin berichtete in der öffentlichen Sitzung der Medienkommission der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) über die Arbeit des Instituts, das die 51-Jährige seit Mai 2014 leitet. Zuvor war Gerlach (parteilos) Justiziarin der NRW-Landtagsfraktion der Grünen und Vorsitzende der LfM-Medienkommission.

Die in Düsseldorf ansässige Medienanstalt ist eine von sieben Grimme-Gesellschaftern (die weiteren sind: der Deutsche Volkshochschul-Verband, die Film- und Medienstiftung NRW, der WDR, das ZDF, die Stadt Marl und das Land Nordrhein-Westfalen). LfM und Grimme sind außerdem noch durch einen Kooperationsvertrag miteinander verbunden: Das Marler Institut erhält seit 2014 von der LfM jährlich 400.000 Euro als feste Zuwendung für Maßnahmen zur „Förderung von Qualität in den Medien“. Überdies vergibt die Medienanstalt noch Medienkompetenzprojekte an Grimme mit einem Gesamtbetrag von mindestens 450.000 Euro pro Jahr. In das Grimme-Institut war im Herbst 2010 das Europäische Zentrum für Medienkompetenz (ECMC), ebenfalls mit Sitz in Marl, eingegliedert worden (vgl. FK 51-52/10 und 27/14).

In einer Konsolidierungsphase

Frauke Gerlach sagte bei ihrer Präsentation vor der 41-köpfigen Medienkommission, sie sehe das Grimme-Institut derzeit in einer „Konsolidierungsphase“. Sie verwies darauf, dass etwa der WDR im vorigen Jahr ein großes Projekt gekündigt habe. (Dabei handelt es sich um das Projekt „Lernzeit“ mit einem Jahresbudget von 200.000 Euro.) Das Grimme-Institut hat derzeit 22 Mitarbeiter, im Januar 2014 waren es rund zehn Beschäftigte mehr. Gerlach erklärte nach ihrem Vortrag bei der LfM auf MK-Nachfrage, sie habe aus finanziellen Gründen Stellen streichen müssen. Frei werdende Posten (etwa durch Ruhestand) seien nicht wieder besetzt, befristete Stellen nicht verlängert und Festanstellungen in freie Mitarbeit umgewandelt worden. Zudem habe sie zwei betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müssen, wovon eine vom Arbeitsgericht inzwischen aber aufgehoben worden sei, so Gerlach.

Vor der LfM-Medienkommission sagte die Grimme-Direktorin, das Institut sei „strukturell um eine Million Euro unterfinanziert“. Dies habe der Wirtschaftsprüfer konstatiert, der die Buchführung des Instituts kontrolliert. Der Differenzbetrag müsse durch Akquise von Projekten und Sponsoren aufgebracht werden, so Gerlach, man sei derzeit beispielsweise mit dem Landschaftsverband Rheinland im Gespräch über die Produktion von Schulmaterialien zum Thema Internet.

Das Grimme-Institut verfügt laut Gerlach über gesicherte Einnahmen von rund 1,6 Mio Euro pro Jahr. Der Bedarf liege aber bei 2,7 Mio Euro. Zu den garantierten Einnahmen zählt die Direktorin die Förderung durch die Stadt Marl (165.000 Euro) und die Zuwendung der LfM (400.000 Euro). Den jährlichen LfM-Betrag von mindestens 450.000 Euro für Projekte berücksichtigt die Grimme-Chefin hier nicht, weil es sich dabei um keine feste Zuwendung handelt, sondern um Projektgelder. Hinzu kommt noch die institutionelle Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen, die sich 2015 auf 1,12 Mio Euro beläuft. Im kommenden Jahr will das Land seine finanzielle Unterstützung für das Grimme-Institut als Ausgleich für allgemeine Kostensteigerungen um 50.000 Euro aufstocken. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Entwurf für den NRW-Landeshaushalt 2016 hervor.

Big Data und Games im Blick

Vor der LfM-Medienkommission sagte Frauke Gerlach weiter, sie habe beim Grimme-Institut die bisherigen Referats- und Bereichsleiter abgeschafft. Diese Positionen seien bei der jetzigen Institutsgröße „nicht mehr funktional gewesen“. Es gebe nun Teamleiter. Bei der geänderten Organisationsstruktur habe man sich am Gepräge einer Agentur orientiert. Gerlach erläuterte, es seien auch Bereiche zusammengeführt worden, um Synergien zu erzielen. Konkret wurden drei Teams geschaffen: Team I unter der Leitung von Aycha Riffi und Steffen Grimberg ist zuständig für die Wettbewerbe (Grimme-Preis, Grimme Online Award, Deutscher Radiopreis), die Grimme-Akademie, die Öffentlichkeitsarbeit und den Mediendiskurs. Team II, das von Harald Gapski und Wolfgang Zielinski geleitet wird, betreut die Projekte, den Medienkompetenzbereich und das neu gegründete Forschungskolleg in Köln. Team III mit Werner Jandewerth als kaufmännischem Leiter verantwortet die Verwaltung, die Personalangelegenheiten und die Finanzen inklusive Controlling.

Was die inhaltliche Arbeit des Grimme-Instituts angeht, hob Frauke Gerlach in Düsseldorf drei Punkte hervor: das Thema Medienbildung, das mit der Universität Köln gegründete Forschungskolleg und den Mediendiskurs. Die wichtigsten Projekte im Bereich Medienbildung veranstalte das Grimme-Institut zusammen mit der LfM. Gerlach verwies auf die „Initiative Eltern + Medien“ sowie auf die Projekte „Internet-ABC“ und „Medienatlas“. Hier sei man als Dienstleister für die LfM tätig. Die Zusammenarbeit mit der Universität Köln beim Ende 2014 gegründeten Forschungskolleg (vgl. FK 50/14) solle das Grimme-Institut insgesamt stärken, erklärte Gerlach. Beim Forschungskolleg gehe es um das Zukunftsthema „Medien im digitalen Zeitalter“. Dabei habe man vor allem zwei große Themenfelder im Blick: Big Data und Games.

Beim Kölner Forschungskolleg würden derzeit, so Gerlach, 15 Anforschungsprojekte zusammen mit den beteiligten Universitätsfakultäten bearbeitet. Das bedeutet, es wird geprüft, welche Projekte sich am besten dafür eignen, für die Projektumsetzung eine Akquise bei Drittmittelgebern wie Stiftungen zu starten. Am Ende sollten laut Gerlach fünf Vorhaben übrigbleiben, für die dann Auftraggeber gesucht würden. Die Grimme-Chefin erklärte, das Forschungskolleg könne größere Projekte nicht ohne externe Partner realisieren; dies sei bei einem Etat von 200.000 Euro nicht möglich. Dieses Geld stammt aus der institutionellen Förderung des Landes. Das heißt: 200.000 Euro der jährlichen Gesamtunterstützung des Landes in Höhe von derzeit 1,12 Mio Euro hat Grimme für das Forschungskolleg zu verwenden.

„Hinter den sieben Bergen in Marl“

Den Mediendiskurs, also etwa die Debatte über die Qualität von Medien, will Frauke Gerlach verstetigt wissen. Dieser Diskurs solle nicht nur stattfinden, wenn die Vergabe der Grimme-Preise oder der Grimme Online Awards anstehe. Bei der Organisation von Veranstaltungen sei man zuletzt „allerhand Kooperationen eingegangen“, so Gerlach weiter. Ziel sei darüber hinaus, stärker mit Statements in der Presse zu erscheinen. Gerlach verwies darauf, dass es bis vor kurzem beim Grimme-Institut keinen Pressesprecher und keine Organisationsstrukturen für Öffentlichkeitsarbeit gegeben habe. Seit Mai dieses Jahres ist Lars Gräßer Pressesprecher des Instituts (vgl. diese MK-Meldung).

Mit der „Presseresonanz“ sei sie bislang aber insgesamt „ganz zufrieden“, meinte Frauke Gerlach. Diese Aussage darf indes sicher so interpretiert werden, dass die Grimme-Direktorin hier noch Steigerungsmöglichkeiten sieht. Der Fernsehkritiker Fritz Wolf, seit vielen Jahren auch Mitglied der Grimme-Preis-Jury, schrieb Ende August in seinem Blog in puncto Grimme-Institut: „Seit eineinhalb Jahren wird das Haus neu geführt und seither scheint es hinter den sieben Bergen in Marl abgetaucht zu sein. Man hört nichts und liest nichts und sieht nichts. Das Medieninstitut kommt in den Medien nicht mehr vor.“ Ziel von Gerlach ist es jedenfalls, wie sie ebenfalls vor der LfM-Medienkommission sagte, „das Institut in Bewegung zu halten“.

21.09.2015 – vn/MK