WDR: „Gottschalk Live“ ohne Gebührengelder produziert

23.06.2015 •

Der Rundfunkrat des WDR wird sich noch mit dem Vertrag der 2012 gesendeten ARD-Vorabendshow „Gottschalk Live“ befassen, für die der Sender über seine Werbetochter WDR Mediagroup federführend zuständig war. Die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi will in der öffentlichen Sitzung des Gremiums am 19. Juni (Freitag) in Köln über die Ergebnisse der Beratungen des Rundfunkratsvorstands zu der Thematik informieren. Hieronymi geht davon aus, dass es dann in dem Gremium „sicherlich eine Diskussion geben wird“, wie sie gegenüber der MK erklärte. Der Vorstand des WDR-Rundfunkrats hatte sich in seiner turnusgemäßen Sitzung Anfang Juni mit „Gottschalk Live“ beschäftigt, nachdem am 23. Mai eine öffentliche Diskussion über die vom Januar bis Juni 2012 werktags ausgestrahlte ARD-Vorabendshow entbrannt war.

Anlass dafür war, dass die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) Vertragsmodalitäten zu „Gottschalk Live“ öffentlich gemacht hatte. Demnach wurde in der ARD mit Entertainer Thomas Gottschalk für die Moderation von 144 Ausgaben der halbstündigen Vorabendshow im Jahr 2012 ein Honorar von insgesamt 4,6 Mio Euro vereinbart. Umgerechnet pro Sendung wären dies rund 32.000 Euro. Das Produktionskostenbudget wurde auf bis zu 7,4 Mio Euro taxiert. Laut Dokumenten – unter anderem einem „Letter of Intent“ zwischen der WDR Mediagroup und der zuständigen Produktionsfirma Grundy Light Entertainment vom 31. Mai 2011 –, die die AG Dok auf ihrer Internet-Seite publizierte, wurde auch der Fall einer vorzeitigen Absetzung von „Gottschalk Live“ geregelt. Für diesen Fall, der dann auch eintrat, sollte der Moderator das volle Honorar von 4,6 Mio Euro erhalten. Thomas Gottschalk präsentierte insgesamt 70 Ausgaben der Vorabendshow, die dann am 6. Juni 2012 wegen des ausbleibenden Zuschauererfolgs vorzeitig eingestellt wurde.

Teil der Überlegungen im Jahr 2011 war auch, dass Thomas Gottschalk für die ARD 2012 zudem zwei große Primetime-Shows moderieren sollte. Dafür wurde ein Honorar von 400.000 Euro veranschlagt. Insgesamt wurden dem Entertainer somit 5 Mio Euro für die Moderation von „Gottschalk Live“ und zwei großen Shows in Aussicht gestellt. Die AG Dok fragte kritisch, warum der Moderator nach dem Abbruch der Show noch weitere 2,7 Millionen Euro ohne jedwede Gegenleistung erhielt“. Unter anderem zu diesem Punkt verlangte der Dokumentarfilm-Verband Aufklärung von WDR-Intendant Tom Buhrow und schickte ihm ein entsprechendes Schreiben zu, das die AG Dok ebenfalls veröffentlichte.

Übernahme der Abbruchkosten

Der WDR erklärte am 27. Mai zu den Vorwürfen, im Jahr 2011 sei ein Vertrag mit Grundy Light Entertainment über die Produktion von „Gottschalk Live“ geschlossen worden. Diesen Vertrag habe die ARD-Gesellschaft Degeto für die Werbetöchter der ARD-Landesrundfunkanstalten geschlossen. Für die Produktion der neuen Vorabendshow seien keine Gebührengelder eingesetzt worden. Die Sendung, die im werbefinanzierten ARD-Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde, sei ausschließlich aus Werbeeinnahmen finanziert worden. Aufgrund dieser Finanzierung sei es nicht nötig gewesen, für den Vertrag eine Zustimmung der Gremien der ARD-Landesrundfunkanstalten einzuholen. Die Anstalten seien keine finanziellen Verpflichtungen eingegangen, sondern die ARD-Werbegesellschaften.

Der WDR teilte weiter mit, mit Thomas Gottschalk sei ein Honorar vereinbart worden, „das aus Sicht der damals Beteiligten seiner Bekanntheit und seinem Marktwert als einer der beliebtesten Moderatoren in Deutschland und der exklusiven Zusammenarbeit Rechnung trug“. Dem WDR zufolge sah der abgeschlossene Vertrag „die Übernahme der sogenannten Abbruchkosten“ vor, also Kosten, die bei der vorzeitigen Absetzung der Show anfallen. In diesen Abbruchkosten, die die ARD-Werbetöchter übernommen hätten, sei die Fortzahlung des Honorars von Thomas Gottschalk bis zum Ende der Vertragszeit enthalten gewesen. Zur Höhe des Honorars für Gottschalk wie auch zum Produktionskostenbudget von „Gottschalk Live“ machte der WDR keine Angaben und verwies auf vertragliche Verschwiegenheitsklauseln.

Der WDR stellte aber klar, dass es mit Thomas Gottschalk im Jahr 2011 keine vertragliche Vereinbarung darüber gegeben habe, für ein zusätzliches Honorar Primetime-Shows im Ersten zu moderieren. Im Produktionsvertrag sei vereinbart worden, dass Thomas Gottschalk „bei einem vorzeitigen Ende des Formats im Rahmen des für ‘Gottschalk Live’ vereinbarten Honorars und des vereinbarten Vertragszeitraums bis Ende 2012 für die Moderation von anderen Shows ohne zusätzliches Honorar zur Verfügung steht“. Nachdem „Gottschalk Live“ dann im Juni 2012 vorzeitig beendet worden sei, sei es aufgrund der kurzen Zeitdauer nicht gelungen, „ein dem ehemaligen ‘Wetten dass’-Moderator entsprechend angemessenes Show-Format zu entwickeln und zu produzieren“. Diese Sendung wäre aus Gebührengeldern zu finanzieren gewesen, so der WDR.

23.06.2015 – vn/MK