Umbauprozess: Der BR reduziert seine Direktionen von sechs auf fünf

06.09.2019 •

Beim Bayerischen Rundfunk (BR) wird die Anzahl der Direktionen ab Juli 2020 wieder von sechs auf fünf verringert. Anfang Mai 2014 war mit der Gründung der Informationsdirektion – neben der Hörfunk- und Fernsehdirektion – eine dritte Programmdirektion geschaffen worden. Dadurch hatte sich die Zahl der Direktionen auf sechs erhöht. Neben den derzeitigen drei Programmdirektionen gibt es beim BR noch die juristische Direktion, die Verwaltungsdirektion sowie die Direktion für Produktion und Technik.

Mit „dem altersbedingten Ausscheiden des Hörfunkdirektors“ werde beim BR „die Zahl der Direktionen wieder auf fünf reduziert und die Aufstellung nach Inhalten vorangetrieben“, teilte der öffentlich-rechtliche Sender am 19. Juli mit. Ende Juni 2020 gibt Martin Wagner sein Amt als BR-Hörfunkdirektor ab und tritt im Alter von dann 65 Jahren in den Ruhestand. Wagner ist seit Mai 2014 Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks in München.

Mit Wagners Ausscheiden wird die Hörfunkdirektion aufgelöst, so dass es ab Juli 2020 beim BR nur noch zwei Programmdirektionen geben wird: die Programmdirektion Kultur, in die die bisherige Fernsehdirektion dann umbenannt wird und die Programmdirektion Information. Der BR-Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 19. Juli in München diesem Umbau der Direktionen zu, der Teil eines im Herbst 2012 unter der Formel „BR hoch drei“ eingeleiteten Reformprozesses ist. Damals hatte man beim BR beschlossen, die Organisationsstrukturen der Rundfunkanstalt zu verändern, um sich zu „einem trimedialen Medienhaus“ weiterzuentwickeln, das Inhalte für Radio, Fernsehen und Internet produziert. Dabei war festgelegt worden, die Arbeitsstrukturen beim BR „nach Inhalten“ auszurichten und die bisherige organisatorische Trennung nach den klassischen Ausspielwegen Hörfunk und Fernsehen sukzessive aufzugeben (vgl. FK-Meldung).

Eingelöste Zusage des Intendanten

Mit dieser Reform gehen auch mehrere Baumaßnahmen einher, die 2017 begonnen wurden und 2023 abgeschlossen sein sollen. Im Jahr 2012 war außerdem vereinbart worden, die Anzahl der Direktionen von fünf auf sechs zu erhöhen. BR-Intendant Ulrich Wilhelm hatte den Aufsichtsgremien des Senders damals aber zugesagt, die Anzahl der Direktionen und damit auch der Direktorenpositionen nur für einen bestimmten Zeitraum zu erhöhen.

Die 2014 im Zuge des Umbauprozesses neu eingerichtete Informationsdirektion wurde trimedial aufgestellt und erhielt in der Folge die Zuständigkeit für die Programmbereiche ‘Aktuelles’, ‘Politik und Wirtschaft’ sowie ‘Sport und Freizeit’. Über den Programmbereich ‘Aktuelles’ sind der Informationsdirektion auch die vom BR entsandten ARD-Auslandskorrespondenten zugeordnet. Gleiches gilt für die Berlin-Korrespondenten des BR und für die Studios für Oberbayern, Schwaben und Niederbayern/Oberpfalz. An der Spitze der Informationsdirektion steht seit Mai 2014 Thomas Hinrichs. Er war zuvor Zweiter Chefredakteur bei der in Hamburg angesiedelten Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“). Im Juli 2018 wurde der Vertrag von Hinrichs als BR-Informationsdirektor bis Ende April 2024 verlängert (vgl. MK-Meldung).

Anfang Juli 2020 wird dann die bisherige Hörfunkdirektion beim BR aufgelöst. Deren Programmbereiche werden zu diesem Zeitpunkt auf die Programmdirektion Information und die Programmdirektion Kultur aufgeteilt. Der Informationsdirektion wird der Programmbereich ‘Bayern 1 – Bayern 3 – Puls’ zugeordnet, der vor allem die gleichnamigen Radioprogramme und deren Online-Angebote verantwortet. Zudem wird die Informationsdirektion künftig für zwei Bereiche aus dem Studio Franken (Sitz: Nürnberg) zuständig sein. Dabei handelt es sich neben dem Informationsbereich auch um die Schlagerwelle Bayern plus, die aus dem Studio Franken produziert wird (Bayern plus ist nicht über UKW zu empfangen, sondern nur digital, beispielsweise digital-terrestrisch über DAB plus oder online).

Hörfunk auf zwei Direktionen aufgeteilt

Ab Juli 2020 wird die Programmdirektion Kultur, die derzeitige Fernsehdirektion, aus der Hörfunkdirektion die Zuständigkeiten beim Studio Franken übernehmen, die die Bereiche ‘Musik Hörfunk’ und ‘Kultur und Unterhaltung’ betreffen. Verantwortlich ist die Programmdirektion Kultur künftig außerdem für die Hörfunkprogramme Bayern 2 und BR Klassik und deren Online-Angebote sowie für die Klangkörper des BR. Diese Direktion wird auch künftig von Reinhard Scolik geleitet, der Anfang März 2016 beim Bayerischen Rundfunk Fernsehdirektor geworden war; er erhielt einen zunächst über fünf Jahre laufenden Vertrag (vgl. MK-Meldung). Scolik, der vom Österreichischen Rundfunk (ORF) aus Wien zum BR nach München wechselte, verantwortet derzeit unter anderem die trimedialen Programmbereiche ‘Kultur’, ‘Wissen und Bildung’ sowie ‘Unterhaltung und Heimat’, das Dritte Programm BR Fernsehen, den vom BR verantworteten Digitalkanal ARD-alpha, die Zulieferungen zum Spartensender 3sat und den Digitalradio-Sender BR Heimat.

Der trimediale Umbau beim BR soll Anfang Juli 2020 auf Direktionsebene abgeschlossen sein. Für die Radioprogramme der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt sind dann zwei Direktionen zuständig. Um hier mögliche Abstimmungsprobleme gar nicht erst entstehen zu lassen, wird ab Sommer nächsten Jahres in der Intendanz eine ‘Stabsstelle Hörfunk’ eingerichtet. Deren Aufgabe ist es, alle Radioverantwortlichen beim BR miteinander zu vernetzen und die „Hörfunkinteressen direkt in die Geschäftsleitung“ einzubringen. Als Leiter der Stabsstelle ist Walter Schmich vorgesehen, der diese Aufgabe zusätzlich zu seiner Position als Leiter des Programmbereichs ‘Bayern 1 – Bayern 3 – Puls’ übernehmen soll.

06.09.2019 – vn/MK