Reinhard Scolik vom ORF wird neuer Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks

Reinhard Scolik übernimmt beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München am 1. März 2016 die Position als Fernsehdirektor. Der Österreicher arbeitet derzeit noch in Wien beim Österreichischen Rundfunk (ORF) als Administrations- und Personalchef. Er war früher Fernsehdirektor des ORF in Wien. Der BR-Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 3. Dezember in München der Berufung von Scolik zum Nachfolger von Bettina Reitz zu und billigte damit den Personalvorschlag von BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Scolik erhält einen Fünfjahresvertrag, der somit bis Ende Februar 2021 laufen wird.

Bettina Reitz, 53, hatte ihren Posten als Fernsehdirektorin Ende Oktober abgegeben und war als hauptamtliche Präsidentin zur Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) gewechselt (vgl. MK 21/15). Seit ihrem Weggang ist Andreas Bönte in kommissarischer Funktion BR-Fernsehdirektor. Bönte, 56, ist bei dem öffentlich-rechtlichen Sender seit Mai 2005 verantwortlich für die strategische Programmplanung und die Weiterentwicklung von Programmstruktur, Programmschema und Programmqualität des Dritten Programms Bayerisches Fernsehen.

Ausgeprägte Kulturkompetenz

BR-Intendant Wilhelm hob hervor, dass Scolik über eine „ausgeprägte Kulturkompetenz“ in den Bereichen Film, Bildung, Unterhaltung, Theater und Literatur verfüge, die gepaart sei „mit einem klaren öffentlich-rechtlichen Profil und langjähriger, auch internationaler Programmerfahrung im Bereich Hörfunk und Fernsehen“. Dies mache Reinhard Scolik „zu einer idealen Besetzung“ für das Amt des BR-Fernsehdirektors, so der Intendant. Angesichts des raschen digitalen Wandels stehe der BR vor der Herausforderung, Qualität und Profil seiner TV-Angebote weiter zu stärken und den veränderten Nutzungsgewohnheiten Rechnung zu tragen. Es seien „beherzte Programmentscheidungen, Mut zu neuen crossmedialen Formaten und Inhalten sowie Managementqualitäten gefragt“, erklärte Wilhelm.

In Scolik sieht der BR-Intendant nun einen Programmmanager, der dieses Aufgaben- und Anforderungsprofil erfüllt. Im Herbst 2012 hatte der Bayerische Rundfunk einen Umbauprozess („BR hoch drei“) gestartet, durch den sich die Sendeanstalt zu „einem trimedialen Medienhaus“ entwickeln will. Die Arbeitsstrukturen beim BR werden „nach Inhalten“ ausgerichtet und die bisherige organisatorische Trennung nach den Ausspielwegen Hörfunk und Fernsehen soll sukzessive aufgegeben werden (vgl. FK 43/12). Anfang Oktober hatte der BR bekannt gegeben, dass im Bereich seiner Fernsehproduktion innerhalb der kommenden Jahre insgesamt 450 Vollzeitenstellen gestrichen würden. Der Stellenabbau, der ohne Entlassungen umgesetzt werden solle, betreffe vor allem die Bereiche Deko-Bau, Werkstätten, Fundus und Requisite.

Über alle Medien zum Publikum

Reinhard Scolik zeigte sich überzeugt davon, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerade in Zeiten zunehmender Medienkonvergenz unverzichtbar sei. Der Bayerische Rundfunk habe sich „stets als große und wichtige Kulturunternehmung“ verstanden. Gerade in einem zusammenwachsenden Europa sei es wichtig, „dem Land, seinen Menschen und ihren Leistungen in den elektronischen Medien eine umfassende Präsenz zu geben. Diese Stärken des BR möchte ich weiter ausbauen und über alle Medien zu unserem Publikum bringen“, erklärte Scolik.

Reinhard Scolik, geb. am 8.9.1958 in Mödling (Bundesland Niederösterreich), studierte Rechtswissenschaften in Wien. Sein Studium schloss er 1981 mit der Promotion ab. Nachdem Scolik zunächst als Universitätsassistent tätig war, kam er 1982 zum ORF nach Wien. Er arbeitete dort bis 1989 in der Rechtsabteilung als Referent unter anderem für Rundfunkrecht. Anschließend wurde er Büroleiter des ORF-Programmdirektors, bevor er im Jahr 1990 die Leitung der Hauptabteilung Zentrale Programmdienste Fernsehen (Programmplanung ORF 1 und ORF 2) übernahm. 1994 wurde Scolik ORF-Landesintendant Wien (Radio Wien und regionales Fernsehen).

Im Jahr 2002 stieg Scolik beim ORF unter dessen damaliger Generaldirektorin Monika Lindner zum Programmdirektor Fernsehen auf. Im Jahr 2007, als der heutige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sein Amt übernahm, wurde Scolik bei der Rundfunkanstalt Chef des Bereichs Planung und Koordination. Zwei Jahre später wurde er zum Leiter Strategische Planung und Administration berufen, zu der auch der Bereich Personalplanung gehört. In dieser wie auch in der vorherigen Position war Reinhard Scolik auch als ORF-Koordinator für die Kooperationen mit den Fernsehsendern 3sat, Arte und ARD-Alpha (früher: BR-Alpha) zuständig.

11.12.2015 – MK

Print-Ausgabe 23/2018

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