Der Bayerische Rundfunk bekommt 2017 einen trimedialen Chefredakteur

23.12.2016 •

Beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München wird am 1. April 2017 die Position eines trimedialen Chefredakteurs geschaffen. Der neue Chefredakteur ist dann bei dem öffentlich-rechtlichen Sender für die aktuelle medienübergreifende Berichterstattung im Hörfunk, im Fernsehen und im Online-Bereich verantwortlich. Die beiden bisherigen Positionen des Fernseh- und Hörfunkchefredakteurs werden abgeschafft.

Wer trimedialer Chefredakteur wird, ist noch nicht bekannt. BR-Intendant Ulrich Wilhelm werde seinen Personalvorschlag zu Beginn des kommenden Jahres dem Rundfunkrat vorlegen, erklärte BR-Sprecherin Sylvie Stephan auf MK-Nachfrage. Der BR-Rundfunkrat muss laut dem Bayerischen Rundfunkgesetz, das die Rechtsgrundlage für den Sender bildet, der Berufung von leitenden Angestellten zustimmen. Dazu gehört auch die Position des Chefredakteurs.

Vorgesehen ist, dass die Wahl des medienübergreifend tätigen Chefredakteurs in der nächsten Rundfunkratssitzung stattfindet, die für den 2. Februar 2017 angesetzt ist. Wer für den neuen Chefredakteursposten in Frage kommen dürfte, ist sicherlich der 45-jährige Christian Nitsche. Der BR-Journalist ist seit Mai 2014 Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“). Bevor Nitsche nach Hamburg zur beim NDR angesiedelten Redaktion ARD-aktuell ging, war der gebürtige Nürnberger seit dem Amtsantritt von Ulrich Wilhelm als BR-Intendant im Jahr 2011 Sprecher des Bayerischen Rundfunks. Zuvor war Nitsche ab 1998 für den BR als Fernsehautor tätig und ein Jahr später als ARD-Krisenreporter im Einsatz. Ab 2003 wurde er dann Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Der BR wollte sich zu der den trimedialen Chefredakteur betreffenden Personalie nicht äußern, was mögliche Namen angeht.

Gottlieb und Riederer treten in Ruhestand

Dass es beim Bayerischen Rundfunk ab April 2017 einen trimedialen Chefredakteur geben wird, ist die zwangsläufige Folge des im Herbst 2012 eingeleiteten Umbauprozesses, durch den sich der Sender zu „einem trimedialen Medienhaus“ entwickeln will (vgl. FK-Heft Nr. 43/12). Hinzu kommt, dass die beiden derzeitigen Chefredakteure Sigmund Gottlieb (Fernsehen) und Mercedes Riederer (Hörfunk) in den Ruhestand treten und im Frühjahr 2017 beim Sender ausscheiden werden. Gottlieb, der im Oktober 65 Jahre alt wurde, hatte im September 1995 die Position als Fernsehchefredakteur des BR übernommen. Die „Ära Gottlieb“ wird damit bei der Rundfunkanstalt nach etwas mehr 21 Jahren im nächsten Frühjahr enden. Die 64-jährige Mercedes Riederer ist ebenfalls seit vielen Jahren beim BR Chefredakteurin; sie hat diese Position beim Hörfunk seit 2002 inne.

Der Bayerische Rundfunk will durch den laufenden organisatorischen Umbau (der unter dem Motto „BR hoch drei“ realisiert wird) seine Arbeitsstrukturen vollständig nach Inhalten ausrichten. Die organisatorische Trennung nach den Ausspielwegen Hörfunk und Fernsehen hat der Sender bereits in bestimmten Bereichen aufgegeben. So gibt es seit dem 1. Mai 2015 einen medienübergreifend aufgestellten Programmbereich ‘Sport’. Trimedial ausgerichtet wurden im Jahr 2016 die Programmbereiche ‘Kultur’ und ‘Unterhaltung und Heimat’ (jeweils zum 1. April) wie auch der Programmbereich ‘Wissen und Bildung’ (zum 1. August).

Am 1. April 2017 werden dann die trimedial ausgerichteten Programmbereiche ‘Aktuelles’ sowie ‘Politik und Wirtschaft’ geschaffen, die in der Informationsdirektion des Senders angesiedelt sind. Diese Direktion wurde im Mai 2014 eingerichtet und wird seitdem von dem BR-Journalisten Thomas Hinrichs geleitet, der zuvor ab November 2006 Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell in Hamburg war (dem dann Christian Nitsche nachfolgte). Der künftige BR-Programmbereichsleiter ‘Aktuelles’ ist zugleich trimedialer Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Für den Programmbereich ‘Politik und Wirtschaft’ wird ebenfalls ein Leiter gesucht; dieser Personalie muss der BR-Rundfunkrat ebenfalls zustimmen. Geplant ist, dass das Gremium in seiner Sitzung am 2. Februar auch über den Personalvorschlag von Intendant Wilhelm für die Leitung des Programmbereichs ‘Politik und Wirtschaft’ entscheidet.

Der derzeitige Fernsehchefredakteur Sigmund Gottlieb kam 1991 als stellvertretender Chefredakteur und Programmbereichsleiter ‘Politik und Zeitgeschehen’ zum Bayerischen Rundfunk, nachdem er zuvor unter anderem beim ZDF gearbeitet hatte. Er war fürs ZDF Korrespondent in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn und später in der Sendezentrale in Mainz stellvertretender Chef und Moderator des Nachrichtenmagazins „Heute-Journal“. Gottlieb, der an der Universität Erlangen-Nürnberg Politische Wissenschaften, Geschichte, Germanistik studierte, wurde dann im September 1995 Chefredakteur und Leiter des Programmbereichs ‘Politik’ beim Fernsehen des BR. Seit 2014 ist Gottlieb Stellvertreter von Informationsdirektor Hinrichs. Im Dritten Programm BR Fernsehen moderiert Gottlieb unter anderem die Gesprächssendereihe „Münchner Runde“; im Ersten Programm der ARD kommentiert er für die „Tagesthemen“ und moderiert „Brennpunkt“-Ausgaben. Seit 2005 ist Sigmund Gottlieb Honorarprofessor für das Fachgebiet Journalismus an der Hochschule Amberg-Weiden.

Mercedes Riederer kam im Jahr 1978 zum Bayerischen Rundfunk, nach einer Ausbildung an der in München ansässigen Deutschen Journalistenschule (DJS). Bis 1985 arbeitete sie beim BR unter anderem in den Redaktionen ‘Jugendfunk’ und ‘Zeitfunk’. Dann kehrte sie zur DJS zurück, wurde dort zunächst stellvertretende Leiterin und 1994 Leiterin sowie Geschäftsführerin der Ausbildungsstätte. In dieser Zeit hat sie den Dachverband der Europäischen Journalistenschulen (EJTA) und das Europäische Journalistenzentrum (EJC) im niederländischen Maastricht mitbegründet; beim EJC gehört sie bis heute zum Vorstand. Im Jahr 2002 kehrte sie zum BR nach München zurück und übernahm dort die Positionen als Hörfunkchefredakteurin und Leiterin der Hauptabteilung ‘Politik und Aktuelles’ (heute: Programmbereich ‘B5 aktuell – Politik und Wirtschaft’).

23.12.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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