Ulrich Wilhelm wird als Intendant des Bayerischen Rundfunks bestätigt

02.04.2015 •

Ulrich Wilhelm ist als Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) für eine zweite fünfjährige Amtsperiode bestätigt worden. Der BR-Rundfunkrat wählte in seiner Sitzung am 19. März Wilhelm mit großer Mehrheit wieder: In dem Gremium, dem 47 Personen angehören, erhielt der Intendant 33 Ja-Stimmen. Fünf Rundfunkratsmitglieder votierten gegen eine zweite Amtsperiode für den 53-jährigen Volljuristen. Außerdem gab es zwei Enthaltungen, wie der BR mitteilte. Sieben Rundfunkratsmitglieder nahmen an der Sitzung und damit an der Intendantenwahl nicht teil. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Aus dem Rundfunkrat war für die Wahl allein der Amtsinhaber nominiert worden.

Die zweite Periode von Ulrich Wilhelm als BR-Intendant beginnt am 1. Februar 2016 und endet am 31. Januar 2021. Die Leitungsposition bei der viertgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt übernahm der gebürtige Münchner am 1. Februar 2011 in der Nachfolge von Thomas Gruber (vgl. FK 4/11). Bevor Wilhelm BR-Chef wurde, war er von November 2005 bis Ende Juli 2010 Leiter des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung und Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Wilhelm ist Mitglied der CSU und war von 1991 bis 2005 in verschiedenen Positionen im bayerischen Staatsdienst tätig; unter anderem war er von 1999 bis 2003 Sprecher des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU).

Im Zeichen des Umbauprozesses

Der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf bezeichnete die Wiederwahl von Ulrich Wilhelm als eine Bestätigung für dessen bisher geleistete Arbeit. Zugleich sei die Wiederwahl ein Auftrag, „den noch am Anfang stehenden Umbauprozess des BR zu einem trimedialen Unternehmen erfolgreich voranzubringen“. Die Zukunft des Bayerischen Rundfunks liege bei Ulrich Wilhelm „in guten und bewährten Händen“, erklärte Wolf.

Ulrich Wilhelm sagte, der digitale Wandel stelle den BR wie die öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt „vor große Herausforderungen“. In den kommenden Jahren werde sich die Medienwelt weiter stark verändern, so der Intendant, der weiter ausführte: „Unser Publikum muss uns auf allen verfügbaren Verbreitungskanälen finden können – Hörfunk, Fernsehen und online. Wir müssen uns für die Zukunft rüsten und werden alles daran setzen, für die Gesellschaft ein wichtiges und zuverlässiges Qualitätsmedium zu bleiben. Die gesellschaftliche Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, einen Beitrag zur freien, individuellen Meinungsbildung zu leisten und Orientierung zu bieten, wird in der neuen Medienwelt noch wichtiger sein.“

Angesichts der veränderten Mediennutzung hatte der BR im Herbst 2011 angekündigt, seine Fachredaktionen im Hörfunk-, Fernseh- und Online-Bereich schrittweise zusammenzuführen. Ziel des Umbaus, der unter dem Motto „BR hoch drei“ vollzogen wird, ist es, trimediale Arbeitsstrukturen zu schaffen. Mit der Reform sind auch bauliche Veränderungen verbunden, die bis 2023 abgeschlossen sein sollen. Am heutigen BR-Fernsehstandort im Münchner Stadtteil Freimann werden künftig die meisten Fachredaktionen des Senders angesiedelt sein, die bisher auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt sind. In Freimann soll auch ein „trimediales Aktualitätenzentrum“ entstehen. Zu der Reform der Organisationsstruktur gehört auch, dass Anfang Mai 2014 eine multimediale Informationsdirektion errichtet wurde. Der neuen Direktion sind alle aktuell arbeitenden Programmbereiche zugeordnet. Teil der Direktion wird auch das Aktualitätenzentrum in Freimann sein (vgl. auch FK 43/12, 47/13 und 50/13).

Ein verärgerter Ministerpräsident

Nicht nur der Umbauprozess wird Ulrich Wilhelm weiter beschäftigen, sondern auch die vom Rundfunkrat bestätigte Entscheidung, die BR-Jugendwelle Puls ab Januar 2018 über die UKW-Frequenzen zu verbreiten, die derzeit noch vom Hörfunkprogramm BR Klassik genutzt werden. BR Klassik wird dann nur noch digital zu empfangen sein (das heißt via DAB plus, Kabel, Satellit und Internet). Gegen die beabsichtigte Aufschaltung von Puls auf UKW haben im Februar die bayerischen Privatradios vor dem Landgericht München I Klage eingereicht. Sie sehen in dem Frequenzwechsel Verstöße gegen das Wettbewerbs-, Kartell- und Verfassungsrecht.

In den Wochen vor der Intendantenwahl hatte sich Intendant Wilhelm noch den Ärger des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) zugezogen. Dabei ging es nicht nur um unterschiedliche Auffassungen zum geplanten Neubau einer zweiten Philharmonie in München, sondern auch um Wilhelms Entscheidung von Ende Januar dieses Jahres, dass Politiker nicht in BR-Unterhaltungsserien mitwirken sollten. Wer erkläre, Politiker hätten in Unterhaltungssendungen nichts verloren, der diskreditiere sie, kritisierte Seehofer damals in einem Brief an den BR-Intendanten; das Schreiben war später öffentlich geworden. Wilhelm entgegnete, es gehe nicht um einen generellen Ausschluss von Politikern aus Unterhaltungssendungen. In einer Fernsehserie sei dies jedoch anders, dort dürften Drehbuchtexte nicht mit politischen Inhalten verknüpft werden, so der Intendant.

Hintergrund für Wilhelms Entscheidung war, dass in der am 20. Januar ausgestrahlten Folge von „Dahoam is Dahoam“, der Daily Soap im Dritten Fernsehprogramm des BR, der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) sich selbst spielen durfte und dabei Werbung für die CSU und die Politik der bayerischen Staatsregierung machen konnte. Dieser Vorgang war bei den Oppositionsparteien SPD und Grüne sowie beim Bayerischen Journalisten-Verband (BJV) auf deutliche Kritik gestoßen. Der Auftritt Söders in „Dahoam is Dahoam“ ging auf eine Initiative der zuständigen Redaktion zurück, die auch Gastauftritte mit Politikern anderer Parteien vorgesehen hatte (wozu es aber jetzt nicht mehr kommen wird). In die damaligen Entscheidungsprozesse war der BR-Intendant nicht einbezogen.

02.04.2015 – MK