Trimediale Arbeitsstrukturen: BR startet Umbauprozess

26.10.2012 •

Beim Bayerischen Rundfunk (BR) hat der Umbauprozess begonnen, durch den sich der öffentlich-rechtliche Sender für die Zukunft aufstellen will. In den kommenden zehn Jahren will der BR seine Fachredaktionen im Hörfunk-, Fernseh- und Online-Bereich schrittweise zusammenführen, um so trimediale Arbeitsstrukturen zu schaffen. Ziel sei „die größtmögliche, enge journalistische Vernetzung der Mitarbeiter“, teilte die Rundfunkanstalt am 12. Oktober mit. Der BR sehe sich künftig nicht mehr als reinen Hörfunk- und Fernsehsender, sondern als einen „Qualitätsanbieter von Audio- und Videoinhalten“, die via Hörfunk, Fernsehen und verstärkt über das Internet verbreitet werden.

Mit der Organisationsreform reagiert der BR auf das durch das Internet ausgelöste veränderte Mediennutzungsverhalten. „Der Bayerische Rundfunk soll auch in Zukunft stark, sichtbar und relevant bleiben – für alle Menschen in Bayern“, erklärte BR-Intendant Ulrich Wilhelm: „Wir werden weiterhin die seit Jahren bekannten und beliebten Fernseh- und Hörfunksendungen produzieren. Und gleichzeitig werden wir verstärkt Formate anbieten, die im Internet gängig sind.“ Mit der Reform sind auch bauliche Veränderungen verbunden, die nach den heutigen Planungen 2023 abgeschlossen sein sollen.

Den Umbauprozess hatte der BR-Intendant bereits Ende 2011 angekündigt (vgl. FK-Heft Nr. 49/11). Zur Steuerung des Prozesses hatte der BR am 1. Januar dieses Jahres die Hauptabteilung ‘Strategie und Innovationsmanagement’ gegründet, die direkt dem Intendanten zugeordnet ist. In den vergangenen Monaten hatte die Führungsmannschaft des Senders zusammen mit vielen Mitarbeitern ein Konzept für den Umbau erarbeitet. Sechs Projektgruppen wurden eingerichtet. In die weiteren Beratungen wurden laut BR mehr als 2500 Mitarbeiter einbezogen. Der Bayerische Rundfunk, die viertgrößte ARD-Landesrundfunkanstalt, hatte 2011 rund 3350 Angestellte. Hinzu kommen noch zirka 1500 freie Mitarbeiter.

Regionale Ausrichtung stärken

Sowohl der Rundfunkrat als auch der Verwaltungsrat des Bayerischen Rundfunks begrüßten die Umbaupläne, die nach einem Votum der Beschäftigten unter dem Motto „BR hoch drei“ realisiert werden. Das Gesamtkonzept sei schlüssig, damit der BR seinen öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrag im digitalen Zeitalter optimal erfüllen könne, erklärte der Rundfunkratsvorsitzende Bernd Lenze laut einer Mitteilung des Senders. Ähnlich bewertete die Verwaltungsratsvorsitzende Barbara Stamm (CSU) das vorgelegte „Konzept der Trimedialität“. Lenze und Stamm erklärten weiter, die Redaktionen medienübergreifend zu einem Haus zusammenzuführen, sei die richtige Antwort auf die medialen Herausforderungen. Dieser Weg müsse rasch weiter beschritten werden. Über das vorgelegte Gesamtkonzept will der Rundfunkrat nun eingehender beraten und es in seiner nächsten Sitzung am 6. Dezember zur Abstimmung stellen. Die formelle Verabschiedung des Gremiums gilt dabei als sicher.

Laut den Umbauplänen wird am heutigen BR-Fernsehstandort im Münchner Stadtteil Freimann künftig der Großteil der Fachredaktionen zusammengefasst, die bisher auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt sind. In Freimann soll ein „trimediales Aktualitätenzentrum“ entstehen, das der BR mit „AktZent“ abkürzt. Mit dem Aktualitätenzentrum in Freimann will der BR „seine publizistische Kraft stärken“, wie es Intendant Wilhelm bereits im August in einem Interview formulierte: „Die neuen Strukturen sollen es ermöglichen, dass wir in der gleichen Geschwindigkeit mehr Hintergründe zu Ereignissen liefern können.“

Auch die Hörfunkwellen Bayern 1, Bayern 2, Bayern 3 und B5 aktuell sollen in ein paar Jahren aus Freimann senden. Bisher sind die Radioprogramme noch im BR-Funkhaus in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs angesiedelt. Dort verbleiben die Hörfunkwelle BR-Klassik, das Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks ebenso wie die Redaktionen München und Oberbayern. Voraussichtlich 2023 wird der BR-Standort in Unterföhring aufgegeben, an dem bisher die Fernsehunterhaltung angesiedelt ist. Die Produktion von TV-Unterhaltungssendungen soll ab diesem Zeitpunkt auf die verbleibenden BR-Standorte verlagert werden.

Mit der eingeleiteten Reform will der Bayerische Rundfunk auch seine regionale Ausrichtung stärken. Das bisherige Studio Augsburg beispielsweise wird zu einem Studio Schwaben erweitert. Im jüngst eingeweihten Neubau des BR-Studios Franken mit Sitz in Nürnberg wurde nun bereits ein trimediales Aktualitätenzentrum in Betrieb genommen. Im Studio Franken arbeiten derzeit rund 320 feste und freie Mitarbeiter. Ob mit der Organisationsreform und der vollständigen Ausrichtung des BR auf eine trimediale Arbeitsweise auch die Direktorenstruktur verändert wird, will der BR noch prüfen. Bislang gibt es für den Hörfunk- und den Fernsehbereich eigens zuständige Direktoren. Ende April 2014 tritt Hörfunkdirektor Johannes Grotzky in den Ruhestand. Fernsehdirektorin ist seit Juni dieses Jahres Bettina Reitz (vgl. FK-Heft Nr. 23/12).

• Text aus Heft Nr. 43/2012 der Funkkorrespondenz (heute:  Medienkorrespondenz)

26.10.2012 – FK
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