Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm über Klassik, Quote und das Problem bei Talkshows

11.05.2018 • «Man muss natürlich, wenn alle für die Finanzierung [des öffentlich-rechtlichen Rundfunks; MK-Red.] aufkommen müssen, auch allen ein Angebot machen, was den Leuten was bedeutet. Und da macht’s wirklich die Mischung. Wir haben sowieso sehr viele hochwertige Kulturangebote, Klassikangebote. Deutschland ist auch wegen der Rundfunkorchester dasjenige Land mit der größten Dichte an Arbeitsplätzen in der klassischen Musik in einer hervorragenden Qualität, da sind wir wirklich ein führende Nation in der Welt, auch wegen dieser Fülle an Aktivitäten. Ich würde jetzt ungerne einer großen Mehrheit Dinge wie Quizshows und anderes absprechen wollen, sondern das gehört halt auch zum Leben. Persönlich bin ich kein Befürworter der Quote als Selbstzweck. Das ist aber höchst umstritten, in allen Häusern, auch in ganz Europa, weil diejenigen, die sich an die Quote halten, sagen: ‘Das ist wenigstens ein messbarer Faktor, da geht’s weg vom reinen Bauchgefühl, ob man eine Sendung gut oder schlecht fand, die ist in gewisser Weise objektivierbar und schützt damit auch in der Debatte.’ Gut, ich will nicht absprechen, dass man die Quote auch immer heranzieht, aber ich ermutige auch seit Jahren nach Kräften immer alle, die da auf mich hören wollen, immer wieder auch Dinge zu riskieren, zu experimentieren, auch mal wieder innovativ zu sein und nicht so auf Nummer sicher zu gehen, dass das, was quotenmäßig funktioniert, dann auch verlängert werden soll. Das ist ja auch häufig genug das Problem bei Talkshows, dass…darin ergibt sich ja auch diese Wiederkehr von Themen und Gästen, dass man sagt: ‘In der Zusammensetzung hat’s funktioniert, war eine vernünftige Quote, also könnten wir so ein Format jetzt nochmal machen.’ Aber ich gestehe gerne zu, das kann man auch mit guten Argumenten anders sehen. Aber das hier ist halt mein Standpunkt.»

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) und Vorsitzender der ARD, am 17. April 2018 bei einer von der Akademie für politische Bildung (Tutzing) veranstalteten öffentlichen Diskussion im Bayerischen Landtag in München. Das Thema der Diskussion lautete: „Medien in der Krise: Welche Zukunft hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk?“

11.05.2018 – MK

Print-Ausgabe 16/2018

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