USA: Die lange erwartete Fusion von CBS und Viacom ist vollzogen

15.08.2019 •

Seit Jahren lagen sich der heute 96-jährige Medienmogul Sumner Redstone und dessen 65 Jahre alte Tochter Shari, die unter Geschäftsfreunden vom Vater oft als „Leichtgewicht“ abgekanzelt wurde, über die Sinnhaftigkeit eines Zusammenschlusses der von der Redstone-Familie beherrschten Unternehmen CBS und Viacom in den Haaren (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Der mal hinter verschlossenen Türen, mal in der Öffentlichkeit ausgetragene Kampf endete am 13. August mit der Fusion und somit einem Erfolg der unermüdlichen Tochter. Sie war sich ihres letztendlichen Sieges so sicher, dass sie während der entscheidenden  Verhandlungen nicht einmal dabei war, sondern mit ihrer Familie in Griechenland Urlaub machte. Das neue Gemeinschaftsunternehmen der beiden Mediengiganten Viacom und CBS Corporation soll Viacom CBS Inc. heißen und Shari Redstone wird als dessen Chairwoman fungieren.

Erst im vergangenen Jahr kaufte der Telekommunikationskonzern AT&T für 85 Mrd Dollar die Medienunternehmen HBO, CNN, TBS und Warner Bros. und im März dieses Jahres erwarb die Walt Disney Company für 71,3 Mrd Dollar den größten Teil von Rupert Murdochs Unternehmen 21st Century Fox (vgl. diese MK-Meldung, diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Plötzlich fanden sich Firmen wie CBS und Viacom, die einst als marktbeherrschend angesehen wurden, an den Rand gedrängt. Wieder einmal ging eine Konzentrationswelle über die Medienindustrie hinweg und interne Streitereien und Fehleinschätzungen trugen das Ihre dazu bei, Shari Redstones Kalkulation, die Zeit für eine Fusion sei jetzt oder nie, zu bestätigen.

„Wir werden eine Medienorganisation von Weltklasse etablieren, die auf vielen Plattformen präsent sein wird“, verspricht Shari Redstone, „ein Unternehmen, das gut positioniert ist für das Wachstum in einer sich rapide verändernden Industrie.“ Robert M. Bakish, der bisherige Chief Executive Officer (CEO) von Viacom, wird die kombinierte Gesellschaft leiten und Joseph Ianniello, Interimschef von CBS, soll Chef der CBS-Bestandteile bleiben.

Der Wettbewerb mit Disney

Mit einem geschätzten Gesamtwert von rund 30 Mrd Dollar gehört das neue Unternehmen Viacom CBS zwar nicht zu den allergrößten des Markts, dürfte aber mit seinen mehr als 3600 Spielfilmen und über 140.000 TV-Episoden in der Lage sein, sich einen kaum zu unterschätzenden Platz auf dem immer wichtiger werdenden Streaming-Markt zu verschaffen. Immerhin gehören zu Viacom CBS nicht nur die Fernsehsender MTV, Nickelodeon, Showtime und Comedy Central, sondern auch das Paramount-Filmstudio mit seinem riesigen Archiv, das einen Bestand hat der von „Der Pate“ bis zu „Transformers“ reicht.

Dass trotz alledem der Wettbewerb vor allem mit Disney nicht leicht fallen wird, gesteht auch Shari Redstone zu. In der US-Branche geht man deshalb schon jetzt davon aus, dass sich Viacom CBS sehr bald nach anderen Unternehmen umsehen wird, die einer Eingemeindung in den neuen Verbund nicht abgeneigt sein könnten. Namen wie Sony Pictures Entertainment, Starz, Verizon und T-Mobile werden genannt und möglicherweise schon ventiliert, bevor die erforderlichen behördlichen Genehmigungen der Fusion von Viacom und CBS, die beide ihren Sitz in New York haben, überhaupt vorliegen. Bis das der Fall ist, können noch mehrere Monate vergehen. In der Branche wird allerdings erwartet, das die Genehmigungen erteilt werden.

Viacom und CBS waren schon mal ein vereintes Unternehmen. Shari Redstone hat mit ihrem Handeln nun bewirkt, dass die 2006 von ihrem Vater vorgenommene Trennung der beiden Firmen wieder rückgängig gemacht wurde. Bis Viacom und CBS vor zwölf Jahren getrennt wurden, waren sie ab dem Jahr 2000 bereits unter einem Dach vereint. 2005 kündigte Sumner Redstone dann an, den Zusammenschluss von Viacom und CBS wieder rückgängig zu machen (vgl. FK-Hefte Nr. 15/05 und 25/05), was Anfang 2006 auch geschah.

15.08.2019 – Ev/MK