USA: Disney, der Koloss auf dem Medienweltmarkt

29.03.2019 •

Nach der Megafusion von AT&T und Time Warner wurde nun in den USA der nächste Zusammenschluss vollzogen, der ebenfalls ein gigantisches wirtschaftliches und kulturelles Ausmaß hat. Am 20. März gab der Walt-Disney-Konzern den Vollzug seines seit langem avisierten Kaufs großer Bestandteile von Rupert Murdochs Medienunternehmen 21st Century Fox bekannt (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Handelswert: 71,3 Mrd Dollar. Der Medienanalyst Michael Nathanson nannte es „einen Deal, der die gesamte Medienlandschaft verändern wird“, und die „New York Times“ schrieb dazu, dass Disney jetzt ein „Entertainment-Koloss sei, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat“.

Die Walt Disney Company ist nun Eigentümerin der wichtigsten Bestandteile von Murdochs vielfältigem, die Welt umspannendem Reich. Das berühmte Film- und Fernsehstudio 20th Century Fox gehört ebenso dazu wie das Animationsstudio Blue Sky, die Kabelnetworks National Geographic und FX ebenso wie der Streaming-Anbieter Hulu oder beispielsweise Indiens TV-Unternehmen Star. Und diese Aufzählung ist von Vollständigkeit weit entfernt. Disney mit seiner eigenen Filmproduktion, seinen ESPN-Sportsendern, mit den Filmstudios Marvel, Pixar und Lucasfilm, hat sich durch den Deal so viel zusätzliche Macht angeeignet, dass es für den Kampf mit den Mammutunternehmen des Silicon Valley gerüstet ist und sogar Netflix das Fürchten lehren könnte, wenn Disney in Kürze sein eigenes Streaming-Angebot auf den Markt bringen wird.

Zukunft mit Streaming

Man muss diesen Deal vor dem Hintergrund der im Eiltempo fortschreitenden Umorientierung des Publikums auf ein immer reichhaltigeres Streaming-Angebot und die dadurch ausgelöste Fusionswelle auf dem Medienmarkt sehen. Schon einmal hat es eine von vielseitigen Konsequenzen gefolgte Umschichtung der Machtverhältnisse auf dem US-amerikanischen Medienmarkt gegeben. Das war in den 1980er und 1990er Jahren. Zuerst raubte damals die Einbindung der traditionsreichen Filmstudios in branchenübergreifende Konzerne der traditionellen Filmindustrie viel von ihrem personenorientierten Profil. Dann war es der Handstreich der japanischen Geldaristokratie, die an sich riss, was immer für den damals kursgünstigen Yen zu haben war. Schließlich vereinnahmten die großen Firmen auch noch viele der für neue Ideen sorgenden kleinen Unternehmen, die überall in den USA wie Pilze aus der Erde gesprossen waren.

Zu einer Zeit, wo Mediengesellschaften stärker diversifiziert sein müssen als in irgendeiner anderen Phase der Geschichte und wo abermals ein Wechsel der Technologien und der Vorlieben des Unterhaltung suchenden Publikums den Markt umkrempelt, nimmt es nicht Wunder, dass sich die Fusionswelle wiederholt, diesmal allerdings in einer wesentlich massiveren Größenordnung. Mindestens bis zum Datum des Disney-Coups nahmen viele Branchenkenner an, dass als Folge davon die Machtposition Hollywoods durch die Firmen des Silicon Valley aufgesogen werden könnte. Einen Stein in deren Getriebe versucht nun die Walt Disney Company zu werfen, deren Repräsentanten fest davon überzeugt sind, dass ihnen das gesammelte Eigentum an den begehrtesten Marken im Film- und Fernsehgeschäft den Weg zu einer dominierenden Position auch auf dem Streaming-Markt der Zukunft sichern kann.

29.03.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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