USA: Megafusion von AT&T und Time Warner genehmigt

23.06.2018 •

23.06.2018 • Es hat 18 Monate gedauert, bis die geplante und zwischen den Vertragspartnern ausgehandelte Fusion der beiden US-amerikanischen Mediengiganten AT&T und Time Warner ihr endgültiges Plazet erhielt. Am 12. Juni hat nun der United States District Court in Washington entschieden, dass der Deal, der eine Kaufsumme von 85,4 Mrd Dollar umfasst (rund 73 Mrd Euro), über die Bühne gehen kann. Und der Abschluss des AT&T/Time-Warner-Deals wurde dann auch schon am 14. Juni vollzogen, nur zwei Tage nach der Gerichtsentscheidung. Bereits am 15. März vorigen Jahres war der Zusammenschluss von der Europäischen Kommission in Brüssel genehmigt worden (vgl. MK-Meldung). Die Entscheidung des amerikanischen Gerichts bedeutet eine schwere Niederlage für das Justizministerium, dessen Antitrust-Chef und letztlich auch für Präsident Donald Trump, die sich öffentlich gegen diese Fusion ausgesprochen hatten.

Dass über die Vollziehbarkeit des Deals von einem Gericht und nicht von der staatlichen Aufsichtsbehörde entschieden wurde, ist ungewöhnlich. Makan Delrahim, der Chef der amerikanischen Antitrust-Behörde, hatte darauf bestanden, dass die beiden Unternehmen wesentliche Teile ihrer Betriebe veräußern sollten, bevor eine Genehmigung des Zusammenschlusses erteilt werden könnte. Als diese Bedingung von den Konzernen zurückgewiesen wurde, entschloss sich das Justizministerium im November 2017 zur Erhebung einer Klage.

Um gegen die Internetriesen zu bestehen

Der US District Court (zuständiger Richter war Richard Leon) begründete seine jetzige Entscheidung mit der Auffassung, das Justizministerium habe nicht hinreichend bewiesen, dass die Akquisition von Time Warner durch den Telekommunikationskonzern AT&T zu nachteiligen Folgen für die Kunden führen werde. Der nun nach der Gerichtsentscheidung vollzogene Übernahmedeal ist einer der größten, die es je in der Unterhaltungs- und Medienbranche der Vereinigten Staaten gegeben hat.

Die Genehmigung der Fusion von AT&T mit Time Warner folgt einer in der gesamten amerikanischen Medienindustrie derzeit zu beobachtenden Auffassung, dass die Kombination von geistigen Inhalten (was die Amerikaner als „Content“ bezeichnen) und Distribution in derselben Hand unerlässlich sei, um zukünftig gegenüber Internetriesen wie Netflix, Amazon und Facebook bestehen zu können. Die Absicht des Telekommunikationskonzerns AT&T, den Inhalte-Produzenten Time Warner zu kaufen, war im Herbst 2016 bekannt geworden (vgl. MK-Meldung). Vor nicht allzu langer Zeit hatte AT&T (Sitz: Dallas/Texas) auch bereits den Satellitenbetreiber DirecTV übernommen.

23.06.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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