Vatikan: Neuorganisation der Medienabteilung abgeschlossen

08.08.2019 •

Gut vier Jahre ist es her, dass Lord Chris Patten als Kopf der „Vatican Media Commission“ seinen Umbauplan für den päpstlichen Medienapparat vorlegte. Patten ist ein früherer britischer Politiker, ehemaliger EU-Kommissar und war von 2011 bis 2014 Vorsitzender des BBC-Trusts. Mit der Berufung von Cristiane Murray, einer studierten Betriebswirtschaftlerin und langjährigen Radio-Vatikan-Mitarbeiterin, zur Vizedirektorin des Presseamts Ende Juli ist die Neuorganisation der vatikanischen Medienabteilung nun vollbracht, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet.

Die Reformvorschläge der Patten-Kommission zielten ab auf den Abbau von Doppelstrukturen, auf mehr Effizienz und stärkere Synergien. Papst Franziskus hatte im Juni 2015 die Zusammenlegung der bis dahin selbständigen Medieneinrichtungen verfügt (vgl. MK-Meldung). Das bedeutete: Medienrat, Presseamt, Internet-Dienst, Radio Vatikan, das Vatikan-Fernsehen CTV, die Zeitung „L’Osservatore Romano“, die Druckerei, der Fotodienst und die Verlagsbuchhaltung kamen nach und nach unter ein Dach. Zu der tiefgreifenden Strukturreform gehörte beispielsweise, dass Radio Vatikan in das multimediale Portal Vatican News umgewandelt wurde (vgl. hierzu dieses MK-Interview).

Die neue personelle Ordnung hat eine klarere Struktur: An der Spitze der Medien- und Kommunikationsabteilung steht seit Juli 2018 Paolo Ruffini, der erste Laie im Rang eines Präfekten an der Römischen Kurie; unter ihm arbeitet als Sekretär der argentinische Priester Lucio Adrian Ruiz. Während der Direktor für Allgemeine Angelegenheiten, Paolo Nusiner, weitgehend unsichtbar bleibe, so heißt es bei KNA, nehme der international renommierte frühere Vatikan-Korrespondent Andrea Tornielli als Verantwortlicher für die redaktionellen Inhalte eine aktive Rolle ein.

Stärkere Internationalisierung

Zum Leiter des Presseamts wurde Mitte Juli Matteo Bruni berufen, dem neben der zuletzt ernannten Brasilianerin Cristiane Murray die Französin Romilda Ferrauto als Senior Advisor zur Seite steht. Der US-Amerikaner Thaddeus Jones wurde Büromanager im Presseamt; die US-Ordensfrau Bernadette Reis und der Peruaner Raul Cabrera Perez arbeiten dort als Assistenten. In der zentralen Anlaufstelle für Medienvertreter aus aller Welt sollen sie Vielsprachigkeit garantieren.

Ansätze zu mehr Internationalisierung und zur Einbindung externer Profis hätten im Vatikan nicht immer funktioniert, schreibt KNA, auch mit einigen der Neubesetzungen habe es geholpert: Das Sprecherduo Greg Burke (USA) und Paloma García Ovejero (Spanien) gab nach zweieinhalb Jahren auf, Ruffinis Vorgänger Carlo Maria Viganò zeigte sich den Anforderungen nicht gewachsen und unter dem neuen „Osservatore“-Direktor Andrea Monda gab es Probleme mit der Frauenredaktion.

Wie sich die vatikanische Außenkommunikation im Alltag entwickelt, bleibt abzuwarten. Laut Einschätzung von KNA gibt es im vatikanischen Medienreich nach der Reform zwar mehr Ordnung, aber weiterhin kein klares Sprachrohr. Nachdem also die Medienstrukturen halbwegs aufgeräumt seien, könne der Vatikan jetzt auch noch Ordnung in die Modalitäten ihrer Nutzung bringen.

Noch nicht abgeschlossen ist die räumliche Neuorganisation der Medienbereichs: Bis Sommer 2020 sollen alle Redaktionen ihren Sitz im ehemaligen Radio-Vatikan-Gebäude an der Engelsburg nehmen; davon erwartet man sich Synergien insbesondere für die 35 Sprachsektionen. Die Verwaltung hingegen zieht in die historische Palazzina Leone XIII in den Vatikanischen Gärten.

08.08.2019 – MK

Print-Ausgabe 24/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren