USA: AT&T und NBC drängen aufs Feld des Videostreamings

08.03.2019 •

Es vergeht kaum noch ein Monat, in dem nicht neue Nachrichten aus dem sich beständig vergrößernden Feld des Videostreamings eintreffen. Die Diskussion über die Zukunft des weltweiten Medienmarkts zeigt sich inzwischen beherrscht von neuen Aktivitäten einstmals als saturiert erscheinender Unternehmen, die glauben, künftig nicht mehr konkurrenzfähig sein zu können, ohne ein Standbein auch in dem neuen Geschäftsbereich des Streamings zu haben. Manche vermuten sogar, dass das Streaming alle anderen Fernsehaktivitäten in nicht allzu ferner Zeit voll und ganz überrunden wird.

Man muss sich nur ansehen, wer bald schon alles auf dem überfüllten Streaming-Markt mitmischen wird. Noch stehen in den USA zwar Netflix, Amazon und Hulu im Vordergrund, aber traditionelle Film- und TV-Unternehmen rütteln inzwischen ebenso an den Pforten des neuen Imperiums wie die Giganten aus dem Silicon Valley.

Nicht mehr nur Lizenzgeber sein

Als neueste Mitspieler haben sich jetzt der Telekommunikationskonzern AT&T und das alteingesessene Broadcast-Network NBC samt seinem ihm gehörenden Filmstudio Universal auf das neu zu beackernde Feld gedrängt. Beide Unternehmen haben verlauten lassen, dass sie zu Beginn des nächsten Jahres mit einem eigenen Streaming-Angebot an den Start gehen wollen. Dabei ist es nicht nur der riesige Vorrat an publikumskräftigen Filmen und Fernsehproduktionen, über den beide Firmen verfügen – NBC durch seine Liaison mit dem Hollywood-Studio Universal und AT&T durch seine Fusion mit Time Warner –, sondern auch die Furcht, bald schon ins hintere Glied der Auswertungskette gedrängt zu werden, falls man nicht auf dem neuen Geschäftsfeld aktiv wird. Der Trend geht eindeutig dahin, in Zukunft nicht mehr nur Lizenzgeber für andere Streaming-Anbieter zu sein, sondern direkt vom wachsenden Publikumsinteresse am Streaming zu profitieren.

In der Vergangenheit arbeiteten Unternehmen wie das Filmstudio Warner Brothers, der Pay-TV-Sender HBO und das Kabelnetwork Turner Broadcasting nebeneinander und nicht zusammen. Das hat sich schon in den letzten Jahren geändert und wird unter der Kontrolle von AT&T künftig noch stärker der Fall sein. Die nach dem Zusammenschluss von AT&T mit Time Warner jetzt Warner Media genannte Gesellschaft verfolgt ein gemeinsames Ziel, das nicht nur im „Branding“, sondern auch hinsichtlich der Bündelung der individuellen Angebote geradezu dafür prädestiniert ist, eine bedeutende Rolle auf dem Streaming-Markt zu spielen.

Wettkampf um die Medienzukunft

Da wollen dann natürlich auch die alteingesessenen Networks mit ihrem über viele Jahrzehnte zusammengetragenen Fundus und ihren diversen Neuerwerbungen nicht zurückstehen. Es wird nicht mehr leicht sein, am Erfolg des Marktführers Netflix, der inzwischen weltweit über fast 150 Mio Abonnenten verfügt, zu rütteln. Aber bewaffnet mit viel Geld und einem in seiner Attraktivität nicht zu unterschätzenden Angebot erscheint es immer noch möglich, sich rechtzeitig einen Platz im Wettkampf um die Medienzukunft zu erobern.

So denken jedenfalls die Verantwortlichen von NBC Universal, vor allem seit der riesige Kabelnetzbetreiber und Internetanbieter Comcast ihr Mutterhaus ist. NBC will seinen Streaming-Service sowohl den 52 Mio Kunden seiner existierenden Pay-TV-Anbieter Comcast Cable und Sky als auch den Abonnenten anderer Pay-TV-Unternehmen wie denen von Charter Communications und Cox Communications gebührenfrei zugänglich machen. Dem kostenlosen Angebot liegt der Gedanke zugrunde, dass eine optimierte Distribution den neuen Streaming-Dienst für Werbetreibende umso wertvoller machen werde. Die Vereinigten Staaten sollen hierfür im kommenden Jahr als Startplatz dienen, gefolgt von einer späteren Ausdehnung auf andere Länder der Welt.

08.03.2019 – Ev/MK