USA: Viacom reorganisiert sein Kabelfernsehgeschäft

28.02.2017 •

Viacom, eines der weltweit größten Broadcasting- und Kabelunternehmen, hat zwei Jahre hinter sich, in denen nichts mehr sicher zu sein schien, nicht sein Status, sein Börsenwert, nicht einmal seine Unternehmensphilosophie. Gerichtsverfahren im Gefolge der angeschlagenen Gesundheit des 93 Jahre alten Viacom-Gründers Sumner Redstone, innerbetriebliche Auseinandersetzungen mit dessen Tochter Shari, ein den Aufsichtsrat spaltendes Vorhaben, die Firma durch eine Fusion mit der CBS Corporation zu restrukturieren, und ein innerfamiliärer Streit der Redstone-Familie, die rund 80 Prozent der Aktien kontrolliert – all das erschütterte den Konzern bis in seinen Kern. Die Aktien von Viacom fielen während dieser Zeit um 40 Prozent und wer mit dem Unternehmen Geschäfte machte, wusste nicht, ob das Wort von heute morgen überhaupt noch gültig war.

Seit Ende 2016 gibt es einen neuen Chief Executive Officer (CEO) bei Viacom Inc.: Robert M. Bakish, 53 Jahre alt und zuletzt Präsident von Viacom International Media Networks. Er hat nun versprochen, den Konzern durch radikale Umstrukturierungen zu reanimieren und vor allem die Film- und TV-Produktion des von konstanten Verlusten heimgesuchten Paramount-Studios wieder auf feste Beine zu stellen. Am 9. Februar hat er sein Reformprogramm vorgestellt, das in der Tat keinen Baustein des Unternehmens unangetastet lässt. Shari Redstone jubilierte: „Das ist genau, was wir brauchen. Wir sind wieder da!“ Aber zuerst wird sich noch beweisen müssen, ob Bakishs ehrgeizige Pläne tatsächlich den Erfolg bringen, den sich alle versprechen.

Die sechs wichtigsten Angebote

Bakishs Vision für Viacom basiert auf der fundamentalen Überzeugung, dass sich das gesamte TV-Geschäft in den Vereinigten Staaten umorientieren muss. Die alte Praxis, sagt Bakish, die Produktion an den Vorgaben großer Paketverträge der Anbieter auszurichten, funktioniere nicht mehr. Flexibilität ist für ihn das Stichwort der Zukunft. Der Konsument werde sich nur noch solchen Kabelangeboten zuwenden, die seine spezifischen Interessen zufriedenstellten. Deshalb will Bakish die „volle Kraft von Viacom“ zukünftig auf die sechs wichtigsten Angebote des Unternehmens konzentrieren: auf MTV, Nickelodeon, Nick Jr., Comedy Central, BET und auf das Hollywood-Studio Paramount. Alle diese Marken hätten bereits Weltgeltung und besäßen große Präsenz bei der Fernseh-, Digital- und Kinoauswertung, sagte Bakish.

Die neue Schwerpunktsetzung solle nicht bedeuten, dass er den anderen Viacom-Networks – Sendern wie CMT, Logo, TV Land und VH-1 – den Hahn abdrehen wolle, ergänzte Bakish. Aber er vertritt die Ansicht, dass vor allem jene Networks gestützt und weiter profiliert werden müssten, die von der zu erwartenden Publikumserosion der nächsten Jahre am wenigsten betroffen sind.

Wichtig scheint Bakish auch zu sein, Querverbindungen zwischen den Fernsehnetworks von Viacom und dem Filmstudio Paramount zu intensivieren. Die bisher weitgehend bestehende Trennung zwischen TV- und Filmproduktion soll einer Kooperation weichen, die unter anderem dazu führen wird, dass zum Beispiel Themen von Nickelodeons Kindersendungen als Grundlage von Kinofilmen aufgegriffen werden. Zur gleichen Zeit soll sich Paramount verstärkt darauf konzentrieren, mehr Franchise-Projekte zu entwickeln, um das geschäftliche Tief zu überwinden, in dem sich das Studio seit mehreren Jahren befindet.

28.02.2017 – Ev/MK