USA: Kampf der beiden Giganten CBS und Viacom

06.06.2018 •

06.06.2018 • Zu einer Zeit, wo andere Medienkonzerne um ihre Zuschauer- und Abonnentenzahlen bangen, wachsen bei der CBS Corporation Publikum und Umsätze. Weniger als die Konkurrenz ist CBS aufgrund seiner Unternehmenskonstellation vom sogenannten „Cord Cutting“ betroffen, der Abnabelung des Publikums von kostenpflichtigen Kabel-TV-Paketen, die auch viele Programme enthalten, die man eigentlich gar nicht abonnieren will, zugunsten der neuen Streaming-Dienste mit ihren On-demand-Angeboten.

Die CBS Corporation hat nur eine Handvoll Kabelsender. Die wertvollsten Besitztümer des Unternehmens sind das Network CBS (= Columbia Broadcasting System) und die vielen Regionalsender. Seit 15 Jahren ist CBS das meistgesehene Fernsehnetwork in den Vereinigten Staaten, auch in der gerade zu Ende gegangenen TV-Saison 2017/18 wieder. Die letzten Quartalsergebnisse weisen einen Anstieg des Umsatzes in Höhe von 13 Prozent auf 3,8 Mrd Dollar aus. So zufriedenstellend das alles aussieht – vor dem Hintergrund dieser Erfolgszahlen wird ein mit harten Bandagen geführter Kampf um die Herrschaft in dem Unternehmen geführt. Will man Namen nennen, so spielt sich der inzwischen sogar die Gerichte beschäftigende Streit zwischen Shari Redstone und Leslie Moonves ab

Die Zukunft der amerikanischen Fernsehindustrie

Shari Redstone ist die Tochter des 95-jährigen Medienmoguls Sumner Redstone, der Mehrheitseigentümer des Unternehmens National Amusements ist und über diese Firma die Mehrheit hält an der CBS Corporation und dem Viacom-Konzern, also an zwei Giganten des US-Medienmarkts. Leslie Moonves ist Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von CBS. Kurz gesagt geht es darum, dass Shari Redstone über die Mehrheitsbeteiligung der Dachgesellschaft National Amusements die im Jahr 2006 von ihrem Vater vorgenommene Trennung von Viacom und CBS wieder rückgängig machen will, um selbst mehr Einfluss auf CBS zu gewinnen. Leslie Moonves und die meisten Aufsichtsratsmitglieder bei CBS widersetzen sich diesem Plan mit ungewöhnlicher Heftigkeit. Bis Viacom und CBS vor zwölf Jahren getrennt wurden, waren sie ab dem Jahr 2000 bereits unter einem Dach vereint. 2005 kündigte Sumner Redstone dann an, den seinerzeit unter großen Hoffnungen vollzogenen Zusammenschluss von Viacom und CBS wieder rückgängig zu machen (vgl. FK-Hefte Nr. 15/05 und 25/05), was Anfang 2006 auch geschah.

CBS-Chef Leslie Moonves hält es nun jedoch für einen großen Fehler, ‘sein’ Unternehmen, dessen rasantes Wachstum er seit zwölf Jahren betrieben hat, wieder mit einem Konzern zu vereinen, dessen einstige Versprechen nicht in Erfüllung gegangen sind. Während CBS inzwischen als die beste Plattform gilt, um erfolgreiche Fernsehserien zu lancieren, Serien wie „NCIS“, „Blue Bloods“ oder „Hawaii Five-0“, hat Viacom unter der Last seiner Kabelsender und dem geschäftlichen Niedergang des dem Konzern gehörenden Hollywood-Studios Paramount Pictures zu leiden.

Der Streit ist inzwischen vor dem Court of Chancery im US-Bundesstaat Delaware anhängig. Nicht ganz unbedeutend ist bei alldem, dass die noch größeren Haie der Medienindustrie mit eigenen Plänen lauern, um die Konkurrenz zu schlucken. Vor allem macht momentan Comcast der Walt Disney Company den Zugriff auf Rupert Murdochs Unternehmen 21st Century Fox (vgl. MK-Meldung) mit einem Gegenangebot streitig. In weniger als Jahresfrist könnten die Machtverhältnisse auf dem amerikanischen Medienmarkt ganz anders verteilt sein. Der Ausgang des Rechtsstreits um das Schicksal von CBS wird deshalb in der Branche mit besonders großem Interesse beobachtet und könnte entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Beschaffenheit der US-Fernsehindustrie haben.

06.06.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 10/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren