Netzbetreiber Unitymedia stellt Mitte 2017 analoge Verbreitung von Fernsehprogrammen ein

15.04.2016 •

15.04.2016 • Der Kabelnetzanbieter Unitymedia stellt die analoge Verbreitung von Fernsehprogrammen Ende Juni 2017 ein. Diese Maßnahme betrifft die Unitymedia-Netze in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Dort ist das in Köln ansässige Unternehmen der mit Abstand größte Netzbetreiber. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist auch der Konkurrent Tele Columbus aktiv. Die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens gab Unitymedia am 4. April 2016 in Düsseldorf gemeinsam mit den Landesmedienanstalten von Nordrhein-Westfalen (LfM), Hessen (LPR Hessen) und Baden-Württemberg (LfK) bekannt.

Die drei Medienanstalten unterstützen den Prozess, Fernsehprogramme über das Kabel künftig ausschließlich digital zu verbreiten. Die insgesamt 14 deutschen Landesmedienanstalten sehen sich in der Rolle als Moderatoren, um im Austausch mit den Fernsehveranstaltern, den Netzbetreibern und der Wohnungswirtschaft beim Kabelfernsehen den Umstieg von der analogen auf die digitale Verbreitung voranzubringen. Unitymedia reduziert bereits seit einiger Zeit das Programmangebot im analogen Kabel. Im Gegenzug werden dafür zusätzlich digital verbreitete Programme, zumeist in hochauflösender Bild­qualität (HD), ins Kabel eingespeist.

Bei diesem Prozess, so monierte die nordrhein-westfälische Medienanstalt Ende Januar 2016, habe der Konzern aber Vorgaben des NRW-Mediengesetzes zur Kanalbelegung mit Fernsehprogrammen im analogen Kabelnetz nicht eingehalten. Laut diesen Bestimmungen ist zu Fragen der Kanalbelegung die Medienkommission der LfM mit einzubeziehen. Bei den von Unitymedia zum 1. Juli 2015 umgesetzten Änderungen im analogen Kabel war dies nach Darstellung der Medienanstalt nicht geschehen. Die LfM verhängte gegen das Unternehmen deshalb ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro. Allerdings will Unitymedia das Bußgeld nicht zahlen und hat Einspruch bei der Aufsichtsbehörde eingelegt (vgl. MK-Meldung).

Steigende Nachfrage nach Digital-TV

Unitymedia ist in Deutschland der erste Netzbetreiber, der die analoge Verbreitung von Kabelfernsehen beenden wird. „Die steigende Digital-TV-Nutzung sowie veränderte Sehgewohnheiten der Nutzer sorgen für Nachfrage nach weiteren digitalen Kapazitäten“, erklärte Unitymedia-Chef Lutz Schüler am 4. April 2016 in Düsseldorf: „Das Ende für Analog-TV rückt näher.“ Nach Angaben des Konzerns sehen aktuell bereits rund 85 Prozent der Kunden die Fernsehprogramme in digitaler Bildqualität. In Nordrhein-Westfalen nutzen laut LfM derzeit noch rund 400.000 Haushalte analoges Kabelfernsehen. Sie müssen sich, wenn Unitymedia die analogen Sendesignale Ende Juni 2017 abschaltet, ein Fernsehgerät mit integrierten Digitalreceiver oder eine entsprechende separate Empfangsbox kaufen.

Weitere Zusatzkosten fallen für den Kunden laut Unitymedia nicht an. Das Unternehmen hat nun nach eigenen Angaben eine „umfassende Informationskampagne zum Digitalisierungsfahrplan und zu den Vorteilen des digitalen Fernsehens“ gestartet. Das hessische Hanau wird laut Unitymedia die erste Stadt sein, in der das Kabelnetz vollkommen digitalisiert werde. „Die Pilotstadt wird wichtige Praxiswerte für die Volldigitalisierung im gesamten Verbreitungsgebiet schaffen“ erklärte Christian Hindennach, bei Unitymedia Senior Vice President Consumer.

Der Kabelkonzern hat mit Stand vom 31. Dezember 2015 in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg insgesamt 6,5 Mio TV-Kunden. Außerdem werden von Unitymedia schnelle Internet-Zugangsdienste und Telefonie-Dienstleistungen angeboten. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,17 Mrd Euro – ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter dem Strich gab es aber 2015 einen Verlust, der sich auf 26,4 Mio Euro belief. Das deutsche Unternehmen gehört zum US-amerikanischen Konzern Liberty Global, der vom Medientycoon John Malone kontrolliert wird. Liberty Global ist in Europa nicht nur in Deutschland im Kabelgeschäft aktiv, sondern in weiteren elf Staaten.

Druck auf übrige Kabelnetzbetreiber

Die Digitalisierung des gesamten Kabelnetzes hierzulande ist zuletzt deutlich vorangekommen. Laut dem Digitalisierungsbericht 2015, der im September vorigen Jahres von den Landesmedienanstalten vorgestellt wurde, belief sich zum damaligen Zeitpunkt der Anteil der Kabelhaushalte, die Fernsehen digital empfingen, auf 72,5 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 62,9 Prozent. Binnen Jahresfrist kam es somit zu einem Anstieg um knapp 15,3 Prozent bzw. um 9,6 Prozentpunkte. Im September 2015 wurde die Zahl der Haushalte, die in Deutschland noch analoges Kabelfernsehen nutzten, mit 4,5 Mio angegeben. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 18 Mio Haushalte, die Fernsehen via Kabel empfangen.

Angesichts der deutlichen Zunahme der Digitalisierungsquote im Kabel haben die Landesmedienanstalten im September 2015 die Devise ausgegeben, eine Abschaltung der analogen Sendesignale im Kabel sei 2018 möglich. Ähnlich äußerte sich damals der Kabelnetzverband Anga. Nun geht der Kabelkonzern Unitymedia voran und stellt die analoge TV-Verbreitung bereits Ende Juni 2017 ein. Das dürfte auch Druck auf die anderen Netzbetreiber ausüben, insbesondere auf Kabel Deutschland, den größten hiesigen Kabelbetreiber. Nur über das Kabel wird Fernsehen überhaupt noch in analoger Bildqualität verbreitet. Die terrestrische TV-Verbreitung war im Jahr 2008 vollständig digitalisiert worden (DVB-T). Bei der Satellitenübertragung waren die analogen Sendesignale zum 1. Mai 2012 abgeschaltet worden.

15.04.2016 – vn/MK