Mobilfunkkonzern Freenet kauft Sendenetzbetreiber Media Broadcast

23.03.2016 •

Der Mobilfunkkonzern Freenet hat den Sendenetzbetreiber Media Broadcast vollständig übernommen. Wie Freenet am 3. März bekannt gab, werde die Transaktion über die Tochtergesellschaft Mobilcom-Debitel abgewickelt. Mobilcom-Debitel zahle für die Übernahme vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung einen Betrag von rund 295 Mio Euro, hieß es weiter. Bislang war Media Broadcast im Besitz von mehreren Finanzinvestoren unter Führung der US-Investmentgesellschaft Texas Pacific Group.

Media Broadcast mit Sitz in Köln betreibt weltweit Sendeanlagen zur Übertragung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen. Außerdem bietet das Unternehmen Daten- und Rundfunkübertragungen über Satellit an. Der letztgenannte Geschäftsbereich wird nun allerdings nicht von Freenet übernommen. Sofern das Bundeskartellamt (Bonn) die wettbewerbsrechtliche Freigabe erteilt – wovon allgemein ausgegangen wird –, will Freenet die Transaktion im April abschließen.

DVB-T2 als Wachstumsmotor

In Deutschland ist Media Broadcast kommerzieller Marktführer bei der Verbreitung von Radioprogrammen über UKW. Aktiv ist das Unternehmen auch bei der digital-terrestrischen Verbreitung von Hörfunkangeboten (DAB plus). Für die digital-terrestrische Ausstrahlung von Fernsehprogrammen im DVB-T-Standard ist der Netzbetreiber bereits seit Jahren zuständig. Das Sendernetz für die Nachfolgetechnik DVB-T2 baut Media Broadcast seit einiger Zeit auf. Ende Mai dieses Jahres soll DVB-T2 mit einer Testphase in mehreren Ballungsräumen gestartet werden. Der reguläre Betrieb von DVB-T2 soll im Frühjahr 2017 beginnen.

Ausschlagabend für Freenet, Media Broadcast zu übernehmen, war vor allem die von dem Netzbetreiber aufzubauende DVB-T2-Plattform. Hier verspricht sich Freenet Wachstumspotenzial, während bei Media Broadcast im Geschäftsfeld UKW-Sendernetzbetrieb mit sinkenden Umsätzen gerechnet werden muss. In diesem Bereich war zum 1. Januar 2016 das De-facto-Monopol von Media Broadcast durch entsprechende Regulierungsverfügungen der Bundesnetzagentur beendet worden. Beim Betrieb von UKW-Sendern hat Media Broadcast inzwischen Konkurrenz bekommen, etwa durch das in Düsseldorf ansässige Unternehmen Uplink, an dem unter anderem der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) und „Focus“-Mitherausgeber Helmut Markwort beteiligt sind.

Über die von Media Broadcast aufzubauende neue DVB-T2-Plattform wird der Großteil der Programme in hochauflösender Bildqualität (High Definition/HD) verbreitet. Die Programme der meisten kommerziellen Fernsehsender werden dabei verschlüsselt übertragen. Sie sind für den Zuschauer nur dann in HD zu empfangen, wenn er dafür ein Entgelt bezahlt, das sich pro Monat auf einen mittleren einstelligen Euro-Betrag belaufen wird (die öffentlich-rechtlichen Programme werden auch über DVB-T2 unverschlüsselt übertragen). Die Verbraucher müssen zusätzlich neue Receiver kaufen, um die über DVB-T2 ausgestrahlten Programme sehen zu können. Die bisherigen DVB-T-Boxen können die neuen Sendesignale nicht empfangen.

Die Debitel-Mobilcom-Shops

Die künftigen DVB-T2-Nutzer werden für die Mehrzahl der in HD-Qualität verbreiteten kommerziellen Programme extra bezahlen müssen – so wie es schon bei den in HD-Qualität via Kabel und Satellit verbreiteten privaten Programmen üblich ist. In der Testphase wird der DVB-T2-Empfang aller kommerziellen HD-Programme noch kostenfrei sein. Die Privatsender werden künftig bestimmte Anteile aus den von den Zuschauern zu zahlenden Entgelten erhalten, die Media Broadcast ab 2017 von den Zuschauern einzieht. Damit geht das Unternehmen erstmals eine Geschäftsbeziehung zu Endkunden ein. Dieses neue Privatkundengeschäft wolle „die Freenet AG mit ihrer großen Handelserfahrung“ aufbauen, erklärte deren Vorstandsvorsitzender Christoph Vilanek. Zum Vertrieb des kostenpflichtigen Empfangs der kommerziellen TV-Programme über DVB-T2 wird Freenet dann sicher auch seine Debitel-Mobilcom-Shops nutzen (bundesweit gibt es rund 570 solcher Läden).

Die Freenet AG gab jetzt außerdem bekannt, dass sie 25 Prozent an der Firma Exaring übernommen habe. Das in München ansässige Unternehmen betreibt über ein eigenes Glasfasernetz eine Plattform für Unterhaltungsangebote. Zusätzlich zur Beteiligung sicherte sich Freenet das Recht, diese Angebote – wozu künftig auch Virtual-Reality-Dienste gehören könnten – zu vermarkten.

Die Freenet AG, die ihren Sitz in Büdelsdorf in Schleswig-Holstein hat, erzielte im vorigen Jahr nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 3,118 Mio Euro – ein Zuwachs von 2,5 Prozent gegenüber 2014. Das Konzernergebnis für 2015 bezifferte Freenet auf 221,5 Mio Euro. Damit sank der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 26,7 Mio Euro. Den Rückgang begründete das Unternehmen vor allem mit steuerlichen Effekten. Ende 2015 hatte Freenet insgesamt 12,24 Mio Mobilfunkkunden – ein Jahr zuvor waren es noch rund 500.000 Kunden mehr.

Helmut Thoma und Sabine Christiansen

Freenet verfügt über kein eigenes Mobilfunknetz, sondern kauft entsprechende Kapazitäten bei den drei hiesigen Netzbetreibern ein (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica). Die größten Aktionäre von Freenet sind in- und ausländische Investmentgesellschaften, die jeweils Aktienpakete im mittleren einstelligen Prozentbereich halten. Der Großteil der Aktien des Unternehmens befindet sich im Streubesitz. Im zwölfköpfigen Aufsichtsrat von Freenet sitzen unter anderem der frühere RTL-Geschäftsführer und heutige Medienberater Helmut Thoma sowie die ehemalige ARD-Moderatorin Sabine Christiansen.

Das Unternehmen Media Broadcast gehörte bis Ende 2007 zur Deutschen Telekom. Anfang 2008 übernahm dann der Sendenetzbetreiber Télédiffusion de France (TDF) die Telekom-Tochtergesellschaft (vgl. FK-Heft Nr. 47/07). TDF war damals im Besitz eines Konsortiums aus mehreren Finanzinvestoren. Größter Anteilseigner war dabei die Investmentgesellschaft Texas Pacific Group. Zum 1. April 2015 verkauften die Investoren TDF, allerdings ohne deren Tochterunternehmen Media Broadcast, an vier andere Finanzfirmen (Brookfield Infrastructure, PSP Investments, Arcus und APG). Wenige Wochen später übernahm der französische Versicherungskonzern Crédit Agricole Assurances einen Minderheitsanteil an TDF.

Media Broadcast blieb somit ab April 2015 zunächst weiter im Besitz des Konsortiums um die Texas Pacific Group, bis nun der Verkauf an die Freenet AG gelang. Im Geschäftsjahr 2013/2014 (1.4.2013 bis 31.3.2014) erzielte Media Broadcast einen Umsatz von 355 Mio Euro; der Gewinn belief sich in diesem Zeitraum auf 53,1 Mio Euro (aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor). Bei dem Unternehmen sind rund 900 Mitarbeiter beschäftigt.

23.03.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 1-2/2019

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