Unitymedia Kabel BW mit einheitlichem Markennamen

26.03.2015 •

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW wird künftig mit einem einheitlichen Firmen- und Markennamen auftreten. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg, wo das Unternehmen die Kabelnetze betreibt, wird sich der Konzern ab Anfang April nur noch unter dem Namen Unitymedia präsentieren. Der bisherige zweite Markenname Kabel BW fällt dann weg. Mit dem einheitlichen Marktauftritt wolle das Unternehmen „den Wiedererkennungswert der Marke Unitymedia“ schärfen, teilte der Netzbetreiber mit.

Unitymedia hatte Ende 2011 den Netzbetreiber Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) übernommen. Damit vergrößerte der US-Kabelkonzern Liberty Global des Medienunternehmers John Malone seine Marktmacht in Deutschland. Liberty Global hatte 2009 Unitymedia gekauft (vgl. FK 47/09 und 50-51/11). Nach der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg wurde dann Anfang Juli 2012 die neue Dachgesellschaft Unitymedia Kabel BW mit der Zentrale in Köln gegründet. Die angebotenen Produkte (Kabelfernsehen, Telefonie, Internet-Zugang) wurden in Nordrhein-Westfalen und Hessen weiter unter dem Markennamen Unitymedia und in Baden-Württemberg unter der Bezeichnung Kabel BW vermarktet; ab April gilt hier nur noch der Name Unitymedia.

Streitfall beigelegt: Fusion endgültig wirksam

Die Übernahme von Kabel BW durch Unitymedia wurde erst vor wenigen Wochen endgültig wirksam, nachdem die Deutsche Telekom und Netcologne ihre Beschwerden vor Gericht gegen den Zusammenschluss von Unitymedia und Kabel BW zurücknahmen, da sich alle Beteiligten außergerichtlich geeinigt hatten. Im Jahr 2012 hatte das Bundeskartellamt die Fusion von Unitymedia und Kabel BW unter Auflagen zunächst genehmigt. Der Deutschen Telekom und Netcologne gingen diese Auflagen jedoch nicht weit genug, um einen funktionierenden Wettbewerb zu gewährleisten. Daher reichten die beiden konkurrierenden Telekommunikationsunternehmen vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf Beschwerden gegen die Kartellamtsentscheidung ein (vgl. FK 7-8/12).

Das OLG gab im August 2013 den beiden Klägern Recht. Das Gericht stellte fest, dass die Auflagen nicht ausreichend seien, um die marktbeherrschende Stellung von Unitymedia Kabel BW auszugleichen (vgl. FK 33-34/13). Da das OLG gegen seinen Beschluss keine Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) zuließ, reichte dann Unitymedia Kabel BW beim BGH in Karlsruhe eine Nichtzulassungsbeschwerde ein, um zu erwirken, dass eine Revision doch ermöglicht wird. Dieser Schritt bedeutete zugleich, dass die OLG-Entscheidung nicht rechtskräftig wurde. Wäre sie rechtskräftig geworden, hätte das Kartellamt erneut prüfen müssen, ob die Übernahme unter geänderten Auflagen hätte freigegeben werden können.

Im Herbst vorigen Jahres nahmen dann die beteiligten Unternehmen Verhandlungen auf, um den Streitfall außergerichtlich beizulegen. Teil der erzielten Einigung ist, dass Liberty Global als Muttergesellschaft von Unitymedia Kabel BW an die Deutsche Telekom und Netcologne zusammen 183,5 Mio Euro zahlt. Das geht aus dem Geschäftsbericht von Liberty Global für das Jahr 2014 hervor. Im Gegenzug sagten Deutsche Telekom und Netcologne zu, ihre Beschwerden gegen die Fusion zurückzuziehen. Auch das Kartellamt stimmte dieser Rücknahme zu. Das Verfahren vor dem BGH, der noch nicht über die Nichtzulassungsbeschwerde entschieden hatte, ist damit erledigt. Auch der Beschluss des OLG Düsseldorf vom August 2013 ist nun gegenstandslos geworden.

Konkurrenten erhalten 183,5 Mio Euro

Nach der Einigung mit den Konkurrenten kann sich das Management von Unitymedia Kabel BW jetzt darauf konzentrieren, die Geschäftsentwicklung voranzutreiben. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen Umsatz von 2,052 Mrd Euro – ein Plus von sechs Prozent gegenüber 2013. Im operativen Geschäft gab es vor Zinsen und Steuern (Ebit) einen Gewinn von 447 Mio Euro. Unter anderem aufgrund von „anderen Ausgaben“ in Höhe von rund 636 Mio Euro, die nicht näher beziffert wurden, fiel unter dem Strich ein Netto-Verlust von 190 Mio Euro an. Auch 2013 hatte Unitymedia Kabel BW rote Zahlen geschrieben. Das Minus betrug in dem Jahr 286 Mio Euro.

Mit Stand vom 31. Dezember 2014 hatte der Konzern 7,1 Mio Kunden, die insgesamt 12,2 Mio Dienste abonniert hatten. Im Bereich Kabelfernsehen/Video gab es 6,6 Mio Kundenbeziehungen, im Segment Telefonie 2,7 Mio und im Bereich Internet weitere 2,9 Mio. Die durchschnittlich von den Breitband-Kunden genutzte Surfgeschwindigkeit im Internet betrug im vierten Quartal 2014 nach Unternehmensangaben 54 Mbit pro Sekunde. Das sei deutlich mehr als der deutschlandweite Durchschnittswert, hieß es weiter. Seit Anfang März können Kunden von Unitymedia Kabel BW auch ein Abonnement des Video-on-Demand-Anbieters Maxdome mitbuchen (Preis pro Monat: ab 5,99 Euro). Über eine entsprechende Kooperation verständigten sich das Kabelunternehmen und die Pro Sieben Sat 1 Media AG, zu der Maxdome vollständig gehört.

26.03.2015 – MK