Bundeskartellamt genehmigt Einstieg von United Internet bei Tele Columbus

20.03.2016 •

Das Bundeskartellamt hat den Einstieg des Konzerns United Internet beim börsennotierten Kabelnetzbetreiber Tele Columbus genehmigt. Am 7. März gab die in Bonn ansässige Wettbewerbsbehörde grünes Licht, dass die United Internet AG, die ebenfalls an der Börse gelistet ist, ein Aktienpaket von 15,31 Prozent an Tele Columbus übernehmen darf. Am 10. Februar hatte der Konzern United Internet, der unter dem Markennamen „1&1“ DSL-Anschlüsse vermarktet und die E-Mail-Portale gmx.de und web.de betreibt, zunächst 9,80 Prozent der Aktien von Tele Columbus erworben. Am selben Tag sicherte sich United Internet dann noch ein weiteres Aktienpaket von 15,31 Prozent; diesem Kauf musste jedoch das Bundeskartellamt zustimmen.

Durch die nun genehmigte Anteilsaufstockung ist United Internet mit 25,11 Prozent der größte Aktionär des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus, der seit Januar 2015 börsennotiert ist. Ralph Dommermuth, der Vorstandsvorsitzende von United Internet, sieht sein Unternehmen bei Tele Columbus als „strategischen Aktionär“. Man wolle, so Dommermuth, „die weitere Entwicklung der Tele Columbus AG begleiten und von deren Wertsteigerung profitieren“.

Sinkender Aktienkurs

United Internet mit Sitz in Montabaur (Rheinland-Pfalz) bezeichnet sich als zweitgrößten deutschen DSL-Anbieter nach der Deutschen Telekom. Im Geschäftsfeld Internet-Zugang hatte United Internet Ende September 2015 rund 7,5 Mio Kunden. Zum 1. Oktober 2014 hatte der von Dommermuth gegründete Konzern das Telekommunikationsunternehmen Versatel vollständig übernommen, das hierzulande das zweitgrößte Glasfasernetz betreibt. Zuvor war United Internet ab November 2012 mit 25,1 Prozent an Versatel beteiligt.

Als Tele Columbus im Januar 2015 an die Börse ging, war der Ausgabepreis für eine Aktie mit 10 Euro festgesetzt worden. In den folgenden Wochen stieg der Aktienkurs bis zum 13. März 2015 um 50 Prozent auf 15,10 Euro. Seitdem sinkt der Aktienkurs, er pendelt derzeit um die Marke von 8 Euro. Damit notiert die Aktie unter dem Ausgabepreis. Für die Aktionäre, die bei Tele Columbus in den Wochen nach dem Börsengang eingestiegen sind, hat sich ihr Investment bislang zu einem Minusgeschäft entwickelt. Die United Internet AG gab nicht bekannt, wie viel Geld sie sich den Einstieg bei Tele Columbus hat kosten lassen. Da die Tele-Columbus-Aktie am 10. Februar dieses Jahres rund 9 Euro kostete, wird sich der Kaufpreis für das 25-prozentige Aktienpaket (insgesamt knapp 32 Mio Anteilsscheine) auf rund 290 Mio Euro belaufen haben.

United Internet will seine Beteiligung an Tele Columbus nicht weiter ausbauen. Man beabsichtige derzeit weder, so hieß es, eine Beteiligung von 30 Prozent oder mehr an der Tele Columbus AG zu erwerben noch den übrigen Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot vorzulegen. Würden United Internet 30 Prozent der Aktien an Tele Columbus gehören, dann wäre der Internet-Konzern rechtlich dazu verpflichtet, allen übrigen Tele-Columbus-Aktionären ein Angebot zum Kauf ihrer Anteilsscheine zu machen. Zweitgrößte Aktionärin von Tele Columbus ist zur Zeit die in Hamburg ansässige Privatbank Berenberg, die rund 15 Prozent der Aktien hält. Drittgrößter Tele-Columbus-Aktionär ist die US-Investmentgesellschaft Ameriprise Financial mit zirka 10 Prozent. Weitere vier US-Finanzinvestoren halten jeweils zwischen vier und neun Prozent der Aktien.

Kooperation mit Pro Sieben Sat 1

Tele Columbus ist hierzulande nach Kabel Deutschland und Unitymedia der drittgrößte Kabelnetzbetreiber. Der Konzern mit Sitz in Berlin versorgt nach eigenen Angaben aktuell 3,6 Mio angeschlossene Haushalte mit Kabelfernsehen, Telefonie-Diensten und schnellen Internet-Zugängen (Breitband). Vor allem in Ostdeutschland besitzt Tele Columbus Netze. Im Juli vorigen Jahres übernahm der Konzern den Konkurrenten Primacom und wenige Monate später auch den Kabelnetzbetreiber Pepcom (vgl. MK-Meldung). Ab Mitte dieses Jahres können die Kunden von Tele Columbus den Video-on-Demand-Dienst Maxdome nutzen. Zu welchen Preisen der Zugang erfolgt, ist noch nicht bekannt. Im Oktober 2015 hatte der Kabelnetznetzbetreiber mit der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe, die Maxdome betreibt, einen entsprechenden Kooperationsvertrag abgeschlossen.

Tele Columbus wird die Wirtschaftszahlen für das Geschäftsjahr 2015 am 21. März veröffentlichen. Im Zeitraum von Januar bis September vorigen Jahres wies der Konzern einen Umsatz von 182 Mio Euro aus – ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Von Januar bis September 2015 gab es unter dem Strich einen Verlust von 8,5 Mio Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 betrug der Fehlbetrag 14,3 Mio Euro. In den Neunmonatszahlen 2015 sind die von Tele Columbus übernommenen Geschäftsaktivitäten von Primacom nur für die Monate August und September enthalten. Die Übernahme von Pepcom wird Tele Columbus in seinen Wirtschaftszahlen erst ab Dezember 2015 ausweisen.

20.03.2016 – vn/MK

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