WDR‑Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks hat jetzt auch in Japan geputzt: Eine Frau wienert sich nach oben

Von Reinhard Lüke

Der Beruf der Hauswirtschafterin ist zwar eine ehrenwerte Beschäftigung, aber in puncto Status und Bezahlung nicht unbedingt ein Traumjob. Doch man kann es in diesem Berufszweig sogar zum veritablen Fernsehstar bringen. So wie Yvonne Willicks, staatlich geprüfte Hauswirtschaftsmeisterin. Nachdem die Blondine mit der markanten Brille 2005 zunächst bei RTL 2 als „Die Superhausfrau“ den Besen schwang, war ihr Name nur vier Jahre später bei Sat 1 zur titelfähigen Marke avanciert: „Yvonne Willicks räumt auf“ hieß dort ihr Sendeformat. Und seit nunmehr sechs Jahren putzt, ordnet und probiert die Frau für den WDR so ziemlich alles und überall.

Im Dritten Programm WDR Fernsehen bringt sie als Moderatorin der vorabendlichen „Servicezeit“ (im wöchentlichen Wechsel mit Moderator Dieter Könnes) vor der Kamera verdreckte Küchen auf Vordermann, führt Blindverkostungen in Fußgängerzonen durch, um Discounter- und Metzgerwürstchen gegeneinander antreten zu lassen, und kann fuchsteufelswild werden, wenn sie mal wieder irgendwo eine Mogelpackung entdeckt. Dann nimmt Yvonne Willicks kein Blatt vor den Mund und sagt Sätze wie: „Da fühlt man sich als Verbraucher doch glatt verarscht.“

Eine internationale Challenge

Doch „Deutschlands bekannteste Hauswirtschaftsmeisterin“ (WDR-Werbetext) wienert und testet keineswegs nur am Vorabend. Wann immer es im vom WDR verantworteten ARD-„Morgenmagazin“, beim nachmittäglichen Tele-Kaffeekränzchen „Daheim und unterwegs“ im WDR Fernsehen oder in diversen Hörfunkmagazinen des Senders irgendwie ums Thema Haushalt oder Konsumentenschutz geht, dann ist Frau Willicks mit von der Partie, strahlt und redet ohne Punkt und Komma. Würde man sie zum Bundeshaushalt befragen, hätte sie vermutlich auch dazu ein paar nützliche Tipps auf Lager.

Weil man beim WDR zunehmend weniger Probleme mit selbstreferentiellen Einladungen hat, sitzt die Dame dann auch noch als Stargast bei „Zimmer frei!“ (WDR Fernsehen) oder im „Montalk“ (Radioprogramm WDR 2). Nur eine Einladung ins Dschungelcamp, das zugegebenermaßen nicht vom WDR stammt, sondern bei RTL läuft, wird Yvonne Willicks vermutlich verwehrt bleiben. Schließlich würde die emsige Hauswirtschaftsmeisterin aus dem westfälischen Kamp-Lintfort dort ruckzuck zum Besen greifen, alle Hängematten erst einmal durchwaschen und damit das mühsam erbaute Wildnis-Fernsehstudio komplett ruinieren.

„Dat is very special“

Unlängst hat es Yvonne Willicks zwar nicht bis ins Dschungelcamp-Land Australien, aber immerhin nach Japan geschafft. Was sie da wollte? Putzen und aufräumen. Was sonst? Vermutlich hätte unsereins von dieser Dienstreise überhaupt nichts mitbekommen, hätte der WDR zu dem Ereignis nicht eigens eine Pressemitteilung verschickt. Demnach wurde der deutsche Putzstar vom japanischen Fernsehen zu einer internationalen Hauswirtschafterinnen-Challenge geladen, bei der neben Frau Willicks noch eine italienische und eine japanische Kollegin um die Wette wienern sollten. Die filmische Quintessenz des Auslandsaufenthalts gab es, sparsam dosiert in vier Häppchen von rund sieben Minuten, im Rahmen der werktags von 18.15 bis 18.45 Uhr gesendeten „Servicezeit“ zu bestaunen (am 18., 19., 20. und 21. April).

Da sah man Yvonne zunächst im Flugzeug sitzen und hörte sie sagen, wie irre spannend sie die Idee mit dem Putzgipfel finde. Nach der Landung sprach sie in die Kamera: „Mein Kollege Wolfgang filmt, was ich in dem Land erlebe, das ich immer schon mal bereisen wollte.“ Woraufhin der Wolfgang die Kamera kurz auf sich selbst schwenkte und lächelnd winkte. War man hier bei der „Sendung mit der Maus“ gelandet? Nö, Frau Willicks arbeitet in aufklärerischer Mission vornehmlich für Erwachsene.

Dann besichtigte die Dame aus Deutschland erst einmal ihr Hotelzimmer in Tokio, entdeckte an der Toilette eine Bidet-Funktion und drückte, vor dem Becken stehend, auf die entsprechende Taste. Woraufhin – eigentlich erwartungsgemäß, aber für sie total überraschend – ein ordentlicher Wasserstrahl auf ihrem Mantel landete. Auch der Wolfgang hatte ein paar Tropfen abbekommen. Was er aber irgendwie total lustig fand.

Wenn Gebissreiniger glücklich macht

Wenig später sah man Frau Willicks die Treppe zur U-Bahn hinabsteigen. „Wir nehmen jetzt die U-Bahn“, erklärte sie. Ach was, wäre man nicht drauf gekommen. Aber wer ist „Wir“. Der Wolfgang und sie? Oder sie und wir alle? Man weiß es nicht. Später war sie total glücklich, in einem Laden Gebissreiniger für ihren Arbeitseinsatz zu finden. Sollte sie den Japanern wahrhaftig an deren Dritte wollen? Mitnichten. Yvonne-Willicks-Fans wissen natürlich, dass diese Frau, wenn es um die Entfernung von Flecken auf allem und jedem geht, immer Gebissreiniger benutzt, die Allzweckgeheimwaffe schlechthin.

Und siehe da: Als es an die Eliminierung eines Sojasaucen-Flecken auf einer Matratze ging, war der Gebissreinigereinsatz prompt erfolgreich. Da haben sie aber gestaunt, die Japaner. Ähnlich wie die Hotelangestellte, der die Frau aus Germany deutsche Waschmaschinen erklären wollte: „Dat is very special, weil Deutschland, wir können von zehn bis neunzig regulieren.“ Wirklich very special.

Worin diese Hauswirtschafterinnen-Challenge in Japan am Ende eigentlich bestand, erfuhr man in den vier kleinen „Servicezeit“-Beiträgen leider nirgendwo. Was der Wolfgang da mit der Kamera eingefangen hatte, war eine hochnotpeinliche Personality-Show, verbunden mit einer Aneinanderreihung von Wahrnehmungsbinsen einer ahnungslosen deutschen Touristin. Bleibt nur zu hoffen, dass die japanischen Rundfunkgebührenzahler den Trip auch bezahlt haben. Yvonne Willicks wienert jetzt wieder in Deutschland im Auftrag des Westdeutschen Putzfunks.

29.04.2016 – MK
Nach getaner Arbeit ein Abschiedsfoto: Yvonne Willicks (2. von links) in Japan Foto: Screenshot

Print-Ausgabe 13/2018

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