USA: Schlechte Presse für die Emmy Awards

25.09.2016 •

Von Jahr zu Jahr erhalten die Emmy Awards in den USA eine schlechtere Presse. Das liegt nicht an einem schlechteren Gesamtangebot im amerikanischen Fernsehen, sondern an der geringen Flexibilität der Emmy-Juroren, sich neuen Trends und Erzählweisen zu nähern. Reaktionen wie die von Robert Lloyd, dem Fernsehkritiker der „Los Angeles Times“, sind typisch geworden, er schrieb nach der jüngsten Emmy-Verleihung: „So wie Film größer ist als die Oscars“, schreibt Lloyd, „Theater größer ist als die Tonys und Musik etwas, das die Grammys nicht annähernd umfassen können, so ist Fernsehen viel mehr als die Emmys. Als jemand, der das Medium liebt, fühle ich mich fast verpflichtet, den Emmys keine Aufmerksamkeit mehr zu widmen.“ Daniel D’Addario trifft im „Time“-Magazin den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt: „Allein das schiere Volumen der Nominierungen hat zu einer Art phantasieloser Wiederholung [der verliehenen Preise] ermuntert.“

Die alten Veteranen standen auf der Nominierungsliste zu den 68. Primetime Emmy Awards, die von der Academy of Television Arts & Sciences am 18. September in Los Angeles verliehen wurden, in der Tat Schlange. Neue und konzeptionell ausgefallene Produktionen hatten nur geringe Chancen. Und das, obwohl die Liste der zu vergebenden Preise schon wieder länger geworden ist. Man macht sich beim Emmy die Sache einfach und greift auf Bewährtes zurück. In ihrer frappanten Hilflosigkeit, die durch neue Medien verursachte rasante Ausdehnung der Angebote sinnvoll einzugrenzen, hat die Akademie den Wettbewerb nun praktisch für alles geöffnet, was sich auf Bildschirmen, Tablets und Smartphones tummelt, bis hin zu YouTube und den Produktionen der Streaming-Anbieter. Es wirkt inzwischen schon geradezu absurd, wie die Liste der Nominierungen explodiert, dann bei den schließlich verliehenen Preisen aber immer wieder das Altbackene die Lorbeeren einsammelt.

Immer wieder „Game of Thrones”

Hat es wirklich in der amerikanischen Fernsehsaison 2015/16 nichts Preiswürdigeres gegeben als „Game of Thrones“ (HBO, 12 Emmys) und „The People vs. O.J. Simpson: American Crime Story“ (FX, 9 Emmys)? Sind die spekulativen Programmangebote des Networks FX tatsächlich so viel besser als alles andere, so dass sich dieser Sender den zweiten Platz (wieder einmal nach HBO) unter den ausgezeichneten Networks sichern konnte? Und war weit und breit keine andere Schauspielerin auszumachen, die Julia Louis-Dreyfus als „beste Darstellerin“ hätte ablösen können? Zum fünften Mal gewann Louis-Dreyfus nun den Emmy für ein und dieselbe Rolle (in der HBO-Komödie „Veep“), was die Gesamtzahl ihrer Emmy-Gewinne auf acht und ihre Nominierungen auf 22 erhöht hat. Wie schön, dass wenigstens in der Konkurrenz um den besten Schauspieler in einer dramatischen Serie der junge amerikanisch-ägyptische Darsteller Rami Malek („Mr. Robot“, USA Network) ausgezeichnet wurde und damit ein Akteur, der nicht für das Immergleiche steht – er gewann den Emmy erstmals.

Inzwischen überrascht es längst nicht mehr, dass die Kabelsender den Broadcast-Networks bei Preisverleihungen den Rang ablaufen. So stehen auch diesmal beim Emmy wieder HBO (mit 22 Preisen) und FX (mit 18) an der Spitze. Doch Netflix und Amazon haben sich bemerkenswert weit nach oben gekämpft. Neun bzw. sechs Emmys rücken die beiden Streaming-Anbieter über die Resultate für die Gruppe der Broadcast-Networks mit Fox, NBC (jeweils 6 Emmys), ABC (4), CBS (3) und dem kleineren Sender CW (2). Das quasi öffentlich-rechtliche Public Broadcasting System (PBS) hat sich bemerkenswert und verdientermaßen mit insgesamt acht Preisen auf Rang 4 gehalten.

25.09.2016 – Ev/MK