Deutsches TV-Programm des Auslandsrundfunks DW erhält ab 2017 Kulturprofil

11.08.2016 •

11.08.2016 • Die Deutsche Welle (DW) will ihr deutschsprachiges Fernsehprogramm ab Anfang 2017 inhaltlich neu ausrichten. Das derzeitige nachrichtenorientierte Programm solle dann „mit einem klaren Kulturprofil auf Sendung gehen“, teilte die Deutsche Welle vor kurzem mit. Der DW-Rundfunkrat hatte in seiner Sitzung am 24. Juni das von Intendant Peter Limbourg vorgelegte Konzept für einen deutschsprachigen Fernsehkulturkanal begrüßt. „Die Deutsche Welle zeigt unser Land als europäisch gewachsene Kulturnation. Mit diesem geschärften Programmprofil wird der deutschsprachige TV-Kanal der DW vielfältiger und attraktiver und erhält ein klares Alleinstellungsmerkmal“, erklärte der DW-Rundfunkratsvorsitzende, Prälat Karl Jüsten. Bereits im November 2015 hatte der Rundfunkrat die Pläne unterstützt, das deutschsprachige DW-Fernsehangebot neu zu entwickeln (vgl. MK-Meldung).

Nach Angaben der Deutschen Welle hat bei der Auslandsrundfunkanstalt eine Arbeitsgruppe, die von DW-Programmdirektorin Gerda Meuer geleitet wurde, das Konzept für die Neuausrichtung des Kanals erarbeitet. Unter anderem sei ein neuartiges Magazinformat für die Nachrichten entwickelt worden: Die einstündige Sendung „Der Tag“ solle „Zuschauern eine Erläuterung und Einordnung von tagesaktuellen Themen“ bieten. Die inhaltliche Ausrichtung der Sendung werde, so die Deutsche Welle weiter, „das Kulturprofil des Kanals unterstreichen“. Darüber hinaus ist vorgesehen, in dem neu konzipierten Programm Kurznachrichten über den Tag verteilt auszustrahlen.

Interkultureller Dialog

In dem deutschsprachigen Fernsehkanal der Deutschen Welle werden auch ab 2017 weiterhin Magazine und Dokumentationen der ARD-Landesrundfunkanstalten und des ZDF zu sehen sein. Mit den beiden öffentlich-rechtlichen Inlandssendern kooperiert die Auslandsrundfunkanstalt bereits seit längerem. Die Übernahmen von ARD- und ZDF-Sendungen ergänzen die Eigenproduktionen der Deutschen Welle. Zu den Eigenproduktionen zählen beispielsweise die halbstündigen Magazine „Kultur 21“ und „Euromaxx“ sowie die Reihe „Sarah’s Music – Klassik erleben“, in der die Britin Sarah Willis, erste Blechbläserin der Berliner Philharmoniker, sich in jeder Ausgabe (Länge: 12 Minuten) mit Themen aus dem Feld der klassischen Musik beschäftigt. Das Programmschema des reformierten Kanals wolle die Deutsche Welle zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht herausgegeben, erklärte DW-Sprecher Christopher Jumpelt auf MK-Nachfrage.

Die neue Programmstruktur für den deutschsprachigen Fernsehkanal sei entwickelt worden, um „das Potenzial an Nutzern für Angebote in deutscher Sprache auszuschöpfen“, so Jumpelt. Durch die programmlichen Änderungen erhalte der Kanal ein Profil, mit dem er sich „von anderen deutlich absetzt“. Zugleich biete die Deutsche Welle „mit dem neuen Schwerpunkt auf Kultur einen Querschnitt vom Besten, was Deutschland ausmacht“ und liefere einen Beitrag zum interkulturellen Dialog. Eine Studie der Markt- und Medienforschung der Deutschen Welle habe ergeben, so hebt die Sendeanstalt hervor, dass die heutigen Nutzer der deutschen DW-Angebote besonders interessiert seien an Kultur und Kunst und an der deutschen Perspektive auf internationale Themen.

Nur 250.000 Zuschauer pro Woche

Die Anzahl der Menschen, die Deutsch sprechen, beziffert die Deutsche Welle auf insgesamt 180 Mio, der Großteil davon lebe in Europa. Sendersprecher Jumpelt bestätigte Informationen der MK, dass die Deutsche Welle zuletzt von einem wöchentlichen Durchschnitt von 250.000 Zusehern für das deutschsprachige Programm weltweit ausgegangen sei – was als eine eher geringe Zahl erscheint. Eine Zuschauerzahl, die das reformierte Programm erreichen solle, nannte der DW-Sprecher nicht. Jumpelt: „Die Nutzerzahl ist zweitrangig. Wir möchten ein klar erkennbares Angebot für die Zuschauer machen, die sich für Deutschland und unser Land im Kontext der internationalen Kulturbühne interessieren.“

Wie die Deutsche Welle am 29. Juli bekannt gab, nutzen derzeit weltweit rund 135 Mio Menschen mindestens einmal wöchentlich ein Angebot der DW, sei es im Fernsehen, im Radio oder über das Internet. Im Oktober 2015 hatte die Deutsche Welle die Nutzerzahl für ihre Angebote mit 118 Mio Menschen angegeben. Von den aktuell 135 Mio wöchentlichen Nutzern entfallen nach DW-Angaben 66 Mio auf die Fernsehprogramme, davon rund 30 Mio für die englischsprachigen Angebote. 40 Mio Menschen hören aktuell die Radioprogramme und weitere 29 Mio nutzen die Digitalangebote (Internet, App, soziale Netzwerke).

Die Gesamtnutzerzahl seiner Radio-, Fernseh- und Web-Angebote hat der deutsche Auslandssender über eine Hochrechnung auf der Basis von mehr als 90 repräsentativen Studien mit 250.000 Befragten in über 60 Ländern ermittelt. Für den Online-Bereich wurde zusätzlich die User-Nutzung der DW-eigenen Plattformen (inklusive App), die Nutzung auf allen Partnerplattformen sowie bei Facebook und Twitter berücksichtigt.

11.08.2016 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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