Österreich: Alexander Wrabetz bleibt bis 2021 ORF‑Generaldirektor

19.08.2016 •

Alexander Wrabetz bleibt bis Ende 2021 Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF). Der ORF-Stiftungsrat, das zentrale Aufsichtsgremium der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, wählte in seiner Sitzung am 9. August in Wien Wrabetz für eine dritte fünfjährige Amtsperiode. Der 56-Jährige konnte sich knapp gegen seinen Gegenkandidaten Richard Grasl durchsetzen. Der 43-jährige Grasl ist seit Ende 2009 kaufmännischer Direktor des ORF. Im 35-köpfigen Stiftungsrat erhielt Wrabetz 18 Stimmen, für Grasl votierten 15 Mitglieder; es gab zwei Enthaltungen.

Wrabetz ist nun der erste ORF-Generaldirektor, der zum zweiten Mal nacheinander als Senderchef wiedergewählt und damit für eine dritte Amtszeit in Folge bestellt wurde. Seine neue Amtsperiode beginnt am 1. Januar 2017 und endet am 31. Dezember 2021. Der promovierte Jurist kam 1998 als kaufmännischer Direktor zum ORF, zuvor hatte er in der österreichischen Wirtschaft gearbeitet. Im August 2006 war Wrabetz in der Nachfolge von Monika Lindner zum ORF-Generaldirektor gewählt worden. Das Amt trat er am 1. Januar 2007 an. Im August 2011 war Wrabetz zum ersten Mal als Senderchef wiedergewählt worden, und zwar mit großer Mehrheit (vgl. FK-Hefte Nr. 35/06 und Nr. 31-32/11).

Wiederwahl mit knappen Ergebnis

Auch bei der jetzigen Generaldirektorenwahl wurde Wrabetz von den Sozialdemokraten unterstützt, wie schon 2006 und 2011. Grasl wiederum hatte die konservative ÖVP hinter sich. In Österreich regieren SPÖ und ÖVP seit 2007 in einer Koalition unter Führung der Sozialdemokraten. Bundeskanzler ist seit Mitte Mai dieses Jahres Christian Kern (SPÖ). Kern hatte sich für die Wiederwahl von Wrabetz als ORF-Chef ausgesprochen. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte in der jüngeren Vergangenheit die Amtsführung von Wrabetz kritisiert, vermied es aber, eine Wahlempfehlung für Grasl abzugeben.

Der ORF-Stiftungsrat wird von Mitgliedern dominiert, die den beiden Regierungsparteien nahestehen. Die Mitglieder des Gremiums werden vor allem von der österreichischen Bundesregierung, den neun Landesregierungen und den Parteien entsandt. Den beiden Freundeskreisen von SPÖ und ÖVP im 35-köpfigen Stiftungsrat gehören jeweils 13 Mitglieder an. Ferner haben die rechtspolitische FPÖ, die Grünen, das Team Stronach und die Neos, die vier Oppositionsparteien im Parlament (Nationalrat), je einen Vertreter im Stiftungsrat. Ein Mitglied des Gremiums, der Vertreter der SPÖ-geführten Kärntner Landesregierung, gehört keinem Freundeskreis an. Außerdem werden vier Stiftungsratsmitglieder als Unabhängige eingestuft.

Für die Wiederwahl von Alexander Wrabetz stimmten am 9. August geschlossen die 13 Mitglieder des SPÖ-Freundeskreises. Außerdem votierten für Wrabetz zwei Unabhängige, die Vertreter der Grünen wie auch der Neos und der Abgesandte aus Kärnten. Für Richard Grasl stimmte ebenfalls geschlossen der ÖVP-Freundeskreis; zusätzlich votierten die von der FPÖ und dem Team Stronach entsandten Vertreter für Grasl. Die Stimmenthaltungen bei der Wahl kamen von den anderen beiden Unabhängigen.

Laut ORF-Gesetz fasst der Stiftungsrat seine Beschlüsse in offener Abstimmung, was auch für Wahlen gilt. Geheime Abstimmungen gibt es somit nicht. Durch diese Vorgabe wird, auch wenn der Stiftungsrat in nicht öffentlicher Sitzung tagt, in der Folge das Abstimmungsverhalten jedes Mitglieds bekannt. Die offene Abstimmung ermöglicht es den entsendeberechtigten Institutionen auch feststellen, wie ihre entsandten Stiftungsräte in dem Gremium abstimmen – was den politischen Druck vor allem bei wichtigen Wahlen wie der des ORF-Generaldirektors massiv erhöht.

Umbau zum Social-Media-Haus

Der nun wiedergewählte ORF-Generaldirektor Wrabetz hatte bereits Ende Juli erklärt, sein Ziel sei es, die Rundfunkanstalt in den nächsten fünf Jahren zu einem Digital- und Social-Media-Haus weiterzuentwickeln. Dazu wolle er in der Generaldirektion den Posten eines Chief Digital Officer schaffen. Seinen Plan bekräftigte Wrabetz auch am 8. August in einem öffentlichen Hearing. Bei dieser Veranstaltung einen Tag vor der Wahl stellten Wrabetz und sein Gegenkandidat Grasl ihre Konzepte für den ORF vor. Das Hearing wurde live im Fernsehprogramm ORF 3 übertragen.

Nach seiner Wiederwahl hob Wrabetz am 9. August im ORF-Fernsehen noch einmal sein zentrales Ziel hervor: Es gehe für den Sender darum, in den sozialen Online-Netzwerken genauso präsent zu sein wie im klassischen Radio und Fernsehen, erklärte der Generaldirektor im ORF-2-Nachrichtenmagazin „ZIB 2“ in einem Interview mit Moderator Armin Wolf. Wrabetz kündigte an, am 15. September sein Führungsteam für die neue Amtsperiode vorzustellen. Mit wem er hier künftig zusammenarbeiten wolle, dazu habe es mit den Parteien „keine Zusagen und keine Vereinbarungen“ gegeben, betonte Wrabetz. Auf Wolfs Frage, ob Finanzchef Grasl dem künftigem Führungsteam von Wrabetz nicht mehr angehören werde, erklärte der ORF-Chef: „Wir haben doch zu unterschiedliche Konzepte präsentiert, als dass ich glaube, dass wir hier zusammenkommen.“

19.08.2016 – vn/MK

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