USA: Oscar-Übertragung 2016 von Kritik überschattet

26.02.2016 •

26.02.2016 • Eine Flut der Kritik hat dieses Jahr im Vorfeld der am 28. Februar (Sonntag) erfolgenden Oscar-Verleihung die Academy of Motion Picture Arts and Sciences überschwemmt, die für die jährliche Verleihung der begehrtesten Filmpreise der Welt verantwortlich ist. Zum zweiten Mal in Folge sind in den Nominierungen für die Darstellerkategorien ausschließlich weiße Schauspielerinnen und Schauspieler berücksichtigt worden. Damit setzt sich eine viel beklagte Kontinuität fort, die schon seit Gründung der Filmakademie zu beobachten ist. Doch während in früheren Jahren zwar Unzufriedenheit mit der Voreingenommenheit, die sich über die Nominierungen offenbar manifestiert, öffentlich artikuliert wurde, explodierte die Kritik an den Verantwortlichen diesmal in bisher nie dagewesener Breite.

Der Schauspieler George Clooney beschuldigte die Akademie, sich in die falsche Richtung zu bewegen, der Menschenrechtsaktivist Al Sharpton rief zum Boykott der Preisverleihung auf, der Regisseur Spike Lee forderte personelle Konsequenzen und sogar Sheryl Boone Isaacs, die derzeitige Präsidentin der Filmakademie, erklärte sich „todunglücklich und frustriert“. Ausschlaggebend für die überall als rassistisch empfundene Nominierungspraxis, so heißt es, sei vor allem die Zusammensetzung der Akademiemitglieder: 94 Prozent der Oscar-Juroren sind Weiße, 77 Prozent Männer und das Durchschnittsalter liegt bei 63 Jahren.

Vorwurf: Rassistisches Denken

Nun hat die Verleihung der Oscars nicht nur kulturelle Bedeutung, sondern ist ebenso eng mit wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences finanziert zum Beispiel ihre Existenz vorwiegend aus den Erlösen der weltweiten Fernsehübertragung der Preisverleihung, die im vorigen Jahr allein in den USA von 37 Mio Zuschauern gesehen wurde und für die Akademie einen Umsatz von fast 100 Mio Dollar erbrachte. Auch für Werbetreibende steht die Oscar-Verleihung weit oben auf der Liste der begehrtesten und lukrativsten TV-Ereignisse, nur vergleichbar mit den jährlichen Live-Übertragungen von den Endspielen im American Football um die Super Bowl. Das Network ABC hat erst kürzlich wieder die Preise für Werbeschaltungen während der Oscar-Übertragung um zehn Prozent erhöht, so dass ein Werbespot von 30 Sekunden Länge inzwischen bis zu 2,25 Mio Dollar kostet.

Es ist also kein Wunder, dass die Fernsehverantwortlichen und die Werbewirtschaft die über weite Teile der amerikanischen Presse und des Internets ausufernde Kritik an der Filmakademie und den diesjährigen Oscar-Nominierungen mit Sorge verfolgen. Statistisch ist zwar feststellbar, dass das an der Übertragung der Oscar-Zeremonie interessierte Publikum hauptsächlich aus Weißen besteht, doch der Vorwurf des Rassismus könnte leicht den Anteil afroamerikanischer Zuschauer weiter erodieren lassen. Die schwarze Bevölkerung gehört zu den kino- und fernsehhungrigsten Schichten der USA.

Erhebungen des Forschungsinstituts Nielsen Research zeigen deutlich, dass stärkere Vielfalt in der Zusammensetzung der nominierten Künstler und Filme automatisch einen Anstieg afroamerikanischer Zuschauer zur Folge hat. Als die Oscar-Verleihung im Jahr 2005 von Chris Rock moderiert wurde, der Film „Ray“, eine Biografie des (schwarzen) Blues-Sängers Ray Charles, in der Spitzenkategorie nominiert und der (schwarze) Schauspieler Jamie Foxx mit dem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet wurde, war der Anteil afroamerikanischer Zuschauer bei der Oscar-Übertragung von sonst neun auf 13 Prozent gestiegen. Falls der Vorwurf einer von rassistischem Denken beeinflussten Auswahl der potenziellen Preisträger künftig nicht ausgeräumt wird, könnten sich die Filmakademie und die Fernsehübertragung der Oscar-Verleihung nicht nur für ihr Ansehen, sondern auch für ihre wirtschaftliche Bedeutung langfristig selber ein Grab schaufeln

26.02.2016 – Ev/MK

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