USA: Emmy Award wirft Konventionen über Bord

24.09.2015 •

Nach der jüngsten Verleihung der Oscars Anfang dieses Jahres überschlugen sich kritische Stimmen, weil die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Preise für die besten Kinoleistungen vergibt, in allen vier Darsteller-Kategorien afroamerikanische Schauspieler und Schauspielerinnen trotz einer Reihe fabelhafter Leistungen völlig übergangen hatte: Niemand, dessen Hautfarbe schwarz ist, war nominiert oder gar ausgezeichnet worden. Auch der Emmy Award, der wichtigste Wettbewerb für Leistungen im US-Fernsehen, hat in dieser Hinsicht keine glorreiche Vergangenheit: Nur Debbie Allen war 1982 für ihre Rolle in der NBC-Serie „Fame“ und Kerry Washington 2013 und 2014 für ihr Mitwirken in der ABC-Serie „Scandal“ nominiert worden.

Angesichts dieser Vergangenheit ist mehr als verständlich, dass die gesamte diesjährige Emmy-Preisverleihung am 20. September in Los Angeles von der als Sensation empfundenen Auszeichnung der Schauspielerin Viola Davis für ihre Hauptrolle in der ABC-Serie „How to Get Away With Murder“ beherrscht wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte der Emmy Awards hat damit eine Afroamerikanerin den Preis für die beste weibliche Hauptrolle in einer dramatischen Serie gewonnen. Das bedeutet viel in Amerika, und es wurde auch Zeit, dass man beim Emmy unverständliche Konventionen wie diese über Bord warf. Es bedeutet vor allem auch, wie Davis in ihrer Dankesansprache sagte, dass es im US-amerikanischen Fernsehen endlich gute Rollen für Schwarze gibt. (Die deutschsprachige Erstausstrahlung der ersten Staffel von „How to Get Away With Murder“ begann am 15. April dieses Jahres beim Pay-TV-Sender RTL Crime. Im Free-TV läuft die Serie seit dem 2. September bei Vox.)

Alle anderen verblassen hinter HBO

Hinter der Preisverleihung an Viola Davis traten alle anderen Auszeichnungen des Abends in ihrer Bedeutung zurück, so bemerkenswert es auch war, dass die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ (HBO) endlich den Hauptpreis in der Drama-Kategorie schaffte und Jeffrey Tambor für seine Darstellung einer Transsexuellen in der für Amazon produzierten Serie „Transparent“ ausgezeichnet wurde. Zudem wurde Jill Soloway, die Produzentin von „Transparent“, mit einem Regiepreis bedacht. Und nach sieben früheren Nominierungen erhielt Jon Hamm nun tatsächlich und endlich einen Emmy Award für seine Rolle in „Mad Men“ (AMC).

Mit den meisten Preisen beendeten den Abend in Los Angeles die folgenden Serien: „Game of Thrones“ mit 12 Emmys, „Olive Kitteridge“ (HBO) mit 8 Emmys, „American Horror Story: Freak Show“ (FX), „Veep“ (HBO) und „Transparent“ mit jeweils 5 Emmys. Wie diese Liste schon offenbart, war der Pay-TV-Sender HBO wieder einmal der Spitzenreiter bei der Emmy-Verleihung. Schon bei den Nominierungen hatte sich HBO mit insgesamt 126 Preisvorschlägen zum 15. Mal in Folge an die Spitze gesetzt. Die insgesamt 43 Auszeichnungen für den Kabelsender, die nun die Folge waren, übertrafen sogar das bisherige HBO-Hoch von 32 im Jahr 2004.

Dahinter verblassen alle anderen Networks. Relativ am besten schnitten in diesem Jahr hinter HBO das Network NBC mit 12, der Kabelsender FX mit 8 und das Network ABC mit 6 Emmys ab. Im Bereich der Talkshows kassierte Jon Stewarts „Daily Show“ (Comedy Central) wie auch schon in früheren Jahren alle Preise ab – ein schönes Abschiedsgeschenk für Jon Stewart, der die Show im August dieses Jahres verlassen hat.

24.09.2015 – Ev/MK

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