USA: Megyn Kelly, der neue Star am Nachrichtenhorizont

25.09.2015 •

25.09.2015 • Als am 6. August bei der ersten Debatte der republikanischen Bewerber für die US-Präsidentschaftskandidatur 2016 der selbstsichere Immobilienmogul Donald Trump von einer 44-jährigen Moderatorin auf gefährliches Glatteis geführt wurde, stand der Name Megyn Kelly am nächsten Morgen in allen politischen Kommentaren. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ erklärte Kelly sogar zur „eigentlichen Siegerin der Debatte“.

Wer das abendliche Nachrichtenmagazin „The Kelly File“ bei dem für gewöhnlich konservativen Kabelsender Fox News kannte, wunderte sich über all das nicht. Seit Ende 2013 hat die einstige Prozessanwältin dort ihren eigenen Stil entwickelt: hart argumentierend und durchaus nicht immer einseitig parteitreu. So wie sie Donald Trump mit Fragen zu seinen abschätzigen Äußerungen über Frauen in Verlegenheit brachte, hat sie auf dem Bildschirm schon manchen Politiker verunsichert. „Ich gehe für niemanden auf die Barrikaden“, sagte sie in einem Interview mit dem Branchenblatt „Variety“. Und: „Ich verstehe diese Politiker nicht, die Präsident werden wollen, sich aber beschweren, wenn man ihnen einmal hart zusetzt.“

Die interessante Außenseiterin

Es ist diese Eigenschaft, die Megyn Kelly von vielen anderen politischen Moderatoren unterscheidet und die sie vor allem im Umfeld ihrer ideologisch festgelegten Fox-Kollegen auffallen lässt. Man glaubt ihr, dass sie politisch unabhängig ist, dass sie bei Wahlen sowohl schon für Republikaner als auch für Demokraten gestimmt hat. Das macht sie in dem von politischen Allianzen und Präferenzen beherrschten amerikanischen Fernsehen zur Außenseiterin. Es macht sie gleichzeitig aber auch interessant. Ihre Sendung ist zur Zeit das zweitpopulärste Format unter den Nachrichtenmagazinen im US-amerikanischen Kabelfernsehen, nur übertroffen von „The O’Reilly Factor“, ebenfalls bei Fox News. „The Kelly File“ hat durchschnittlich 2,2 Mio Zuschauer und die Sendung verzeichnete in der Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen gegenüber dem Vorjahr ein Quoten-Plus von 23 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Kellys Einschaltziffern liegen höher als die von Anderson Cooper (CNN) und Rachel Maddow (MSNBC) zusammen.

Megyn Kelly hat auch Glück gehabt. Nach ihrer ersten eigenen Sendung („America Live“) erhielt sie die Chance, beim neuen Nachrichtenmagazin, das Fox News ihr dann übertrug, schon im Titel mit ihrem eigenen Namen zu zeichnen, genau in dem Augenblick, als einige der ganz großen Moderatorinnen des US-Fernsehens gerade zurücktraten: Barbara Walters ging in den Ruhestand, Diane Sawyer gab ihren Platz auf, Katie Couric verließ die CBS-Abendnachrichten und Oprah Winfrey stellte ihre Sendung nach 25 Jahren ein. Kellys Vertrag bei Fox News läuft noch bis 2017. Bis dahin wird sie sich vermutlich weiter als eine der führenden politischen Moderatorinnen des amerikanischen Fernsehens profilieren. Schon vor zwei Jahren hatte sie sich wählerisch gezeigt und ein Angebot von CNN abgelehnt.

Nach dem Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2016 dürfte Megyn Kelly die Wahl haben, ob sie bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bleiben möchte oder vielleicht zu einer der immer noch höher im Kurs stehenden Nachrichten- und Magazinsendungen der Broadcast-Networks wechseln will. Abgesehen von ihrem guten Aussehen und ihrer Spontaneität entsteht ihr in Substanz und Präsentation zur Zeit eigentlich nur Konkurrenz von Moderatoren wie Chuck Todd, der im Hauptberuf Direktor Politik bei NBC ist und binnen eines Jahres die in der Gunst des Publikums stark abgesunkene vormittägliche Diskussionssendung „Meet the Press“ wieder zu respektablen Marktanteilen und auf das inhaltliche Niveau des 2008 verstorbenen Tim Russert zurückgeführt hat.

25.09.2015 – Ev/MK

Print-Ausgabe 1-2/2019

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