Zwei Kandidaten für SWR-Intendantenwahl nominiert: Kai Gniffke und Stefanie Schneider

31.03.2019 •

Beim Südwestrundfunk (SWR) sind zwei Kandidaten für die Intendantenwahl nominiert worden. Dabei handelt es sich um Kai Gniffke und Stefanie Schneider. Gniffke, 58, ist seit Januar 2006 Erster Chefredakteur der in Hamburg ansässigen Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“); er steht als Mitarbeiter des SWR an der Spitze von ARD-aktuell. Schneider, 57, ist beim SWR seit April 2014 Landessenderdirektorin Baden-Württemberg. Kai Gniffke und Stefanie Schneider für die Intendantenwahl zu nominieren, hatten der Rundfunkrat und der Verwaltungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders am 22. März in einer gemeinsamen Sitzung in Stuttgart mit großer Mehrheit beschlossen.

Beim Südwestrundfunk, der ARD-Landesrundfunkanstalt für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, muss das Intendantenamt neu besetzt werden, nachdem Amtsinhaber Peter Boudgoust im Dezember 2018 überraschend erklärt hatte, den Leitungsposten Mitte 2019 vorzeitig abzugeben (vgl. MK-Meldung). Boudgoust, der im Dezember dieses Jahres 65 wird, ist seit Mai 2007 Chef der zweitgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt. Seine dritte fünfjährige Amtsperiode als SWR-Intendant wäre eigentlich noch bis Ende April 2022 gelaufen. Laut SWR-Staatsvertrag wird der Intendant des Senders für eine Amtszeit von fünf Jahren von den insgesamt 92 Mitgliedern des Rundfunkrats und des Verwaltungsrats gewählt, die dazu zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen.

Mit ihrem Beschluss, ausschließlich Gniffke und Schneider als Kandidaten für die Intendantenwahl zuzulassen, folgten Rundfunkrat und Verwaltungsrat der Empfehlung der von beiden Gremien eingesetzten zwölfköpfigen Arbeitsgruppe Intendantenwahl. Die Intendantenwahl findet nun am 23. Mai in Stuttgart statt. Am 11. März hatte der SWR bekannt gegeben, dass die Arbeitsgruppe Gniffke und Schneider für die Intendantenwahl vorgeschlagen habe. Diesem Vorschlag folgten am 22. März die Mitglieder von Rundfunkrat und Verwaltungsrat mit einem Votum von 70 Stimmen bei einer Gegenstimme und vier Enthaltungen (17 Personen fehlten bei der Sitzung).

Nachdem der Personalvorschlag der Arbeitsgruppe Intendantenwahl am 11. März bekannt geworden war, hatte es – auch von Gremienmitgliedern – Kritik daran gegeben, dass es damit weiteren, ebenfalls für die Intendantenposition geeigneten Bewerbern nicht mehr möglich sei, sich vor den beiden Gremien zu präsentieren. Um das Intendantenamt, das öffentlich ausgeschrieben worden war (vgl. MK-Meldung), hatten sich insgesamt 15 Personen beworben. Darunter befanden sich neben Schneider und Gniffke auch NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz, SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner sowie Clemens Bratzler, der beim SWR die Hauptabteilung ‘Multimediale Aktualität Baden-Württemberg’ leitet und stellvertretender Direktor des Landessenders Baden-Württemberg ist. Büttner kritisierte das Procedere für das Auswahlverfahren wie auch bestimmte Strukturen im Sender und zog schließlich seine Bewerbung für das Intendantenamt zurück.

Die Vorsitzenden von Rundfunkrat und Verwaltungsrat, Gottfried Müller und Hans-Albert Stechl, begrüßten die klare Entscheidung beider Gremien vom 22. März in Sachen Intendantenwahl und damit den Beschluss, nur zwei Kandidaten zuzulassen. Zum Intendanten des SWR ist die Person gewählt, die von den 92 Gremienmitgliedern mindestens 47 Stimmen bekommt und dabei zugleich mindestens die Hälfte der Stimmen der Gremienmitglieder aus Baden-Württemberg (das wären wenigstens 32) und Rheinland-Pfalz (14) erhält.

Die Gleichstellungsbeauftragten der ARD-Anstalten, des ZDF, des Deutschlandradios, der Deutschen Welle (DW) und des Österreichischen Rundfunks (ORF), die Mitte März zu einer Tagung in Leipzig zusammengekommen waren, plädierten dafür, beim SWR eine Frau zur Intendantin zu wählen. Gegen den Kandidaten Kai Gniffke wurden unterdessen in anonymer Form Vorwürfe erhoben, er habe als Chef von ARD-aktuell in Zusammenhang mit Veränderungen von nächtlichen „Tagesschau“-Ausgaben im Ersten Programm Beitragsgelder zweckentfremdet. Die Chefredaktion von ARD-­aktuell wies die Vorwürfe zurück.

31.03.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 12/2019

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