SWR: Intendantenstelle öffentlich ausgeschrieben

01.02.2019 •

Der Südwestrundfunk (SWR) hat die neu zu besetzende Intendantenstelle öffentlich ausgeschrieben. Bewerbungen werden „bis zum 1. März 2019 erbeten“, heißt es in der Ausschreibung, die der SWR am 17. Januar auf seiner Internet-Seite bekannt gemacht hat. Veröffentlicht wurde die Stellenausschreibung außerdem im Wochenblatt „Die Zeit“ (Ausgabe vom 17. Januar) und in der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (jeweils am 19. Januar).

Beim Südwestrundfunk, der Zwei-Länder-Anstalt für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, kommt es demnächst zur Intendantenwahl, nachdem Amtsinhaber Peter Boudgoust im Dezember 2018 überraschend erklärt hatte, den Leitungsposten Mitte 2019 vorzeitig abzugeben (vgl. MK-Meldung). Boudgoust, der im Dezember dieses Jahres 65 wird, leitet den öffentlich-rechtlichen Sender seit Mai 2007. Seine dritte fünfjährige Amtsperiode als SWR-Intendant würde eigentlich noch bis Ende April 2022 laufen.

Wahl durch 92 Gremienmitglieder

Die Leitungsstelle beim Südwestrundfunk öffentlich auszuschreiben, hatte die Arbeitsgruppe Intendantenwahl (AGI) bei ihrer konstituierenden Sitzung am 9. Januar beschlossen. Aufgabe des Gremiums ist es, das Verfahren zur Neubesetzung des Intendantenamts zu organisieren und später auch einen Wahlvorschlag zu machen. Neben der Suche nach Kandidaten für das Intendantenamt über die Ausschreibung dürfte es aber auch so sein, dass geeignete Kandidaten direkt angesprochen werden. Der SWR teilte auf MK-Nachfrage mit, was hierzu von der Arbeitsgruppe beschlossen wurde: „Eine Ansprache von externen Kandidaten erfolgt nicht im Namen der Arbeitsgruppe. Es bleibt einzelnen Mitgliedern der AGI – ebenso wie auch anderen Mitgliedern von Rundfunk- und Verwaltungsrat – unbenommen, Gespräche mit potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten zu führen.“

Die Arbeitsgruppe hat zwölf Mitglieder, die dem Rundfunkrat bzw. dem Verwaltungsrat angehören, den beiden SWR-Aufsichtsgremien. Acht Mitglieder der Arbeitsgruppe sitzen im Rundfunkrat; die übrigen vier sind Mitglied im Verwaltungsrat. Von den zwölf Mitgliedern sind vier der Politik zuzurechnen: Clemens Hoch (SPD), Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Monika Stolz (CDU), frühere baden-württembergische Sozialministerin und Landtagsabgeordnete, Günther-Martin Pauli (CDU), ehemaliger baden-württembergischer Landtagsabgeordneter und heutiger Landrat des Zollernalbkreises, und Adolf Weiland (CDU), rheinland-pfälzischer Landtagsabgeordneter.

Die Arbeitsgruppe Intendantenwahl wird geleitet von Gottfried Müller und Hans-Albert Stechl. Müller (Evangelische Kirchen in Rheinland-Pfalz) ist Vorsitzender des 74-köpfigen Rundfunkrats. Stechl (Journalistengewerkschaften Baden-Württemberg) leitet den Verwaltungsrat, dem 18 Mitglieder angehören. Laut SWR-Staatsvertrag wird der Intendant des Senders für eine Amtszeit von fünf Jahren von den 92 Mitgliedern der beiden Aufsichtsgremien gewählt, die dazu zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen. Von den 92 Mitgliedern stammen 64 aus Baden-Württemberg und 28 aus Rheinland-Pfalz. Zum Intendanten des SWR ist die Person gewählt, die mindestens 47 Stimmen bekommt und dabei zugleich mindestens die Hälfte der Stimmen der Gremienmitglieder aus Baden-Württemberg (das wären wenigstens 32) und Rheinland-Pfalz (14) erhält. Der Südwestrundfunk ist die zweitgrößte Landesrundfunkanstalt der ARD.

Weber, Himmler, Schlesinger

Laut der Stellenausschreibung soll der neue Intendant in der Lage sein, „eine Rundfunkanstalt von der Größe des SWR zu führen, die mit dem digitalen Wandel verbundenen Herausforderungen zu bestehen und den SWR in der ARD und nach außen zu vertreten“. Gesucht werde „eine starke, authentische Persönlichkeit mit Entscheidungskraft, Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und stark ausgeprägten analytischen, strategischen und kommunikativen Fähigkeiten“. Darüber hinaus werden „einschlägige medienpolitische Kenntnisse“ vorausgesetzt. Verlangt wird überdies, „mit der Arbeitsweise einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt vertraut“ zu sein. Angesichts dieser Anforderungen scheint es darauf hinauszulaufen, dass beim SWR der neue Intendant entweder aus dem SWR selbst oder von einem anderen öffentlich-rechtlichen Sender kommen wird und nicht von einer Institution jenseits des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Bislang gibt es noch keine gesicherten Informationen darüber, welche Personen für eine Kandidatur für das Intendantenamt infrage kommen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Ausgabe vom 16. Januar 2019) verwies darauf, dass senderintern damit gerechnet werde, dass sich von Seiten des SWR die Direktoren Stefanie Schneider und Jan Büttner bewerben. Schneider, 57, ist seit April 2014 beim Landessenderdirektorin Baden-Württemberg. Büttner, der ebenfalls 57 Jahre alt ist, steht seit September 2012 an der Spitze der Verwaltungsdirektion des Senders. Als weitere mögliche Kandidaten nannte die FAZ unter anderem Valerie Weber, Norbert Himmler und Patricia Schlesinger. Weber, 53, ist seit Mai 2014 WDR-Hörfunkdirektorin. Der 48-jährige Himmler amtiert seit April 2012 als ZDF-Programmdirektor. Patricia Schlesinger, 57, ist seit Juli 2016 Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) und baut seitdem den Sender um.

01.02.2019 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 17/2019

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