SWR-Intendant Peter Boudgoust legt sein Amt vorzeitig nieder

19.12.2018 •

19.12.2018 •Beim Südwestrundfunk (SWR) muss das Intendantenamt Mitte kommenden Jahres neu besetzt werden. SWR-Intendant Peter Boudgoust kündigte überraschend an, die Leitung der zweitgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt vorzeitig abgeben zu wollen. Boudgoust steht seit Mai 2007 an der Spitze des Südwestrundfunks und wäre eigentlich noch bis Ende April 2022 als Intendant gewählt. Seinen Entschluss, den Chefposten Mitte 2019 vorzeitig niederzulegen, gab Boudgoust in der SWR-Rundfunkratssitzung am 7. Dezember in Mainz bekannt. Vorgesehen ist nun, in der ersten Jahreshälfte 2019 einen neuen Intendanten zu wählen.

„Alles hat seine Zeit. Auch wenn ich persönlich sehr am SWR hänge, es geht eben nur bedingt um mich“, so begründete der Intendant laut einer SWR-Pressemitteilung seine Entscheidung. Die Mediennutzung werde sich weiter rasant verändern und der ökonomische Druck auf die Medienbranche werde dabei nicht nachlassen, meinte Boudgoust und fuhr fort: „Ich werde im nächsten Jahr mein 65. Lebensjahr vollenden. Auch wenn meine dritte Amtszeit als Intendant des SWR über dieses symbolträchtige Ereignis hinausreicht, hielte ich es für Hybris, bis zum letztmöglichen Tag den Kurs bestimmen zu wollen.“ Er wolle den Staffelstab zu einem Zeitpunkt übergeben, an dem die Person, die ihm an der SWR-Spitze nachfolge, den Kurs der kommenden Jahre noch „ohne Vorfestlegung“ bestimmen könne.

Überraschende Entscheidung

Die Mitglieder des Rundfunkrats wurden von der Rücktrittsankündigung des Intendanten ebenso überrascht wie die Mitarbeiter des Senders. Die Sitzung des Gremiums wurde nach Boudgousts Erklärung zunächst unterbrochen. Anschließend wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die nun das Verfahren zur Neubesetzung des Intendantenamts organisiert und dann später auch einen Wahlvorschlag machen soll. Ein solcher Vorschlag kann auch mehrere Kandidaten umfassen. Gewählt wird der Intendant laut dem SWR-Staatsvertrag für eine Amtszeit von fünf Jahren von den beiden Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Senders. Dazu werden dann die insgesamt 92 Mitglieder von Rundfunkrat und Verwaltungsrat zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen. Der Rundfunkrat hat 74 Mitglieder, der Verwaltungsrat 18.

Der jetzt vom SWR-Rundfunkrat eingerichteten Arbeitsgruppe gehören insgesamt zwölf Personen an. Dabei handelt es sich um acht Mitglieder des Rundfunkrats und vier Verwaltungsratsmitglieder. In der Arbeitsgruppe sitzen unter anderem der Rundfunkratsvorsitzende Gottfried Müller (Evangelische Kirchen in Rheinland-Pfalz), dessen zwei Stellvertreterinnen Monika Stolz (CDU) und Argyri Paraschaki (Migrantenvertretungen Baden-Württemberg), der Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Albert Stechl (Journalistengewerkschaften Baden-Württemberg) und dessen Stellvertreter Clemens Hoch (SPD).

Der zwölfköpfigen Arbeitsgruppe gehören nach derzeitigem Stand insgesamt drei Personen an, die der Politik zuzurechnen sind. Clemens Hoch ist Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei in Mainz. Monika Stolz war von 2001 bis 2016 für die CDU Mitglied des Landtags von Baden-Württembergs; von 2006 bis 2011 war sie auch baden-württembergische Arbeits- und Sozial­ministerin. Außerdem gehört der Arbeitsgruppe noch der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Adolf Weiland an.

In einer gemeinsamen Erklärung bedauerten die beiden Gremienvorsitzenden Müller und Stechl Boudgousts Entscheidung, das Intendantenamt vorzeitig abzugeben: „Der SWR hat in den vergangenen Jahren konsequent an seiner Effizienz gearbeitet. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen steht er deshalb personell, finanziell und programmlich hervorragend da. Der Sender hat dabei zentrale Zukunftsfelder besetzt, ist ein Vorreiter in Sachen Multimedialität und Digitalisierung und hat mit ‘Funk’ einen zukunftsweisenden Weg zur Erreichung des jungen Publikums bestritten. Das ist das bleibende Verdienst von Peter Boudgoust.“

Kein Rückzug vom Arte‑Präsidentenamt

Peter Boudgoust, geb. am 16.12.1954, studierte von 1973 bis 1978 Rechtswissenschaften in Heidelberg und Mannheim. Nach dem juristischen Vorbereitungsdienst wurde er 1981 Sozialdezernent beim Landratsamt des Main-Tauber-Kreises. Drei Jahre später ging er als Pressesprecher zum Regierungspräsidium Stuttgart. 1986 wechselte er zum Staatsministerium Baden-Württemberg. Dort war er bis 1994 in verschiedenen Funktionen tätig, zuletzt leitete er im Staatsministerium die Abteilung I (Personal, Haushalt, Finanzen, Medien, Informations- und Kommunikationssysteme).

Im Jahr 1995 kam Boudgoust dann als Finanzdirektor und Justiziar zum damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart, der 1998 mit dem Südwestfunk (SWF) Baden-Baden zum neuen Südwestrundfunk zusammengelegt wurde. Mit Gründung des SWR wurde der Jurist beim neu geschaffenen Sender Verwaltungsdirektor. Am 1. Mai 2007 übernahm Peter Boudgoust beim Südwestrundfunk das Intendantenamt in der Nachfolge von Peter Voß. Im Jahr 2009 leitete Boudgoust beim SWR, dessen zentraler Sitz Stuttgart ist, einen Umbau ein, durch den der Sender in der Folge zu einem trimedial aufgestellten Medienunternehmen umstrukturiert wurde. Seit dem 1. Januar 2016 ist Boudgoust zusätzlich auch Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte (Straßburg). Dieses Amt will er nach heutigem Stand bis zum Ablauf der fünfjährigen Amtsperiode Ende 2020 ausüben.

19.12.2018 – vn/MK