SWR beauftragt überwiegend unabhängige TV Produzenten

10.10.2015 •

10.10.2015 • Der Südwestrundfunk (SWR) hat im vergangenen Jahr 49,4 Mio Euro für TV-Produktionen an externe Firmen gezahlt. Den Großteil der Vergütungen erhielten dabei Produktionsunternehmen, an denen der SWR weder direkt noch indirekt beteiligt ist. An diese vom Sender als unabhängig bezeichneten Produzenten zahlte der SWR 2014 insgesamt 47,4 Mio Euro; das entspricht einem Anteil von 96 Prozent. 2 Mio Euro (4 Prozent) erhielten Unternehmen, an denen der Sender direkt oder indirekt beteiligt ist. Die Zahlen gab der SWR – die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt für die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – am 23. September mit der Veröffentlichung seines ersten Produzentenberichts bekannt. Der größte Teil der Angaben in dem Bericht ist auch im ARD-Produzentenbericht für 2014 enthalten, der ebenfalls am 23. September publiziert wurde (vgl. MK-Meldung).

„Die Tatsache, dass der SWR weit überwiegend freie Produzenten beauftragt, beweist unsere absolute Integrität bei der Auswahl“, erklärte SWR-Intendant Peter Boudgoust. In seinem Produzentenbericht nennt der Südwestrundfunk zwei abhängige Firmen, die 2014 von dem Sender Produktionsaufträge erhielten. Dabei handelt es sich um die zur Bavaria Film GmbH gehörenden Unternehmen Cumulus Media und First Entertainment (seit dem 1. Februar 2015: Bavaria Entertainment). An der Bavaria Film GmbH ist der SWR über seine Werbe- und Vermarktungstochter SWR Media Services beteiligt.

Zusammenarbeit mit 219 Firmen

Im vergangenen Jahr arbeitete der SWR mit 217 Produktionsfirmen zusammen, die im Bericht auch erwähnt sind. Zusätzlich kooperierte der SWR mit zwei weiteren Unternehmen, die jedoch einer Veröffentlichung ihres Namens im Produzentenbericht widersprachen. Insgesamt waren es somit 219 Produzenten, die 2014 für den SWR tätig waren. Von den vom SWR im vorigen Jahr gezahlten 49,4 Mio Euro an Produzenten entfiel der Großteil auf Auftragsproduktionen (26 Mio; Anteil: 52,7 Prozent). Bei den Koproduktionen waren es 14,6 Mio (29,5 Prozent) und bei den Mischproduktionen 8,8 Mio Euro (17,8 Prozent).

Neben dem Betrag von 49,4 Mio Euro erhielten die Produzenten (indirekt) weitere Gelder des Senders. Dabei handelt es sich zum einen um Beträge des SWR an die ARD-Filmtochter Degeto, die dann ihrerseits Produktionen in Auftrag gibt und finanziert. Zum anderen geht es hier um Koproduktionen zwischen ARD-Anstalten, bei denen der SWR nicht der federführend zuständige und damit nicht der beauftragende Sender ist. Die in diesen beiden Bereichen für den Südwestrundfunk entstehenden Produktionskosten sind in dessen Produzentenbericht nicht beziffert. Diese Gelder des SWR sind im ARD-Produzentenbericht bei den Ausgaben der Degeto bzw. des jeweils federführenden Senders enthalten. Im ARD-Produzentenbericht sind diese Zahlungen des SWR (bzw. des jeweiligen ARD-Senders) an die Degeto oder in Zusammenhang mit Koproduktionen nicht extra aufgeschlüsselt.

Von den vom SWR im vorigen Jahr für Produktionen gezahlten 49,4 Mio Euro flossen 18,9 Mio an Unternehmen aus dem Sendegebiet. Das entspricht einem Anteil von 38,2 Prozent. Den Großteil dieser regional ausgegebenen Gelder erhielten Produzenten aus Baden-Württemberg. Aus dem Produzentenbericht geht außerdem hervor, dass der SWR an rheinland-pfälzische Produzenten 2014 lediglich 745.000 Euro zahlte. Firmen mit Sitz in Baden-Württemberg erhielten dagegen 18,1 Mio Euro – und damit knapp 25 Mal so viel. An Unternehmen, die außerhalb des SWR-Sendegebiets angesiedelt sind, flossen 28,3 Mio Euro. 2,2 Mio Euro erhielten im Ausland ansässige Firmen.

Wenige Aufträge nach Rheinland-Pfalz

Dass der SWR einen geringen Anteil seiner Auftrags- und Koproduktionen an rheinland-pfälzische Produzenten vergebe, habe ausschließlich damit zu tun, dass in dem Bundesland „eine wesentlich geringere Zahl an freien Produktionsfirmen vorhanden ist als in Baden-Württemberg“, erklärte SWR-Sprecher Wolfgang Utz auf MK-Nachfrage. Dies hänge auch damit zusammen, dass in Rheinland-Pfalz die Medien- und Filmförderung anders geregelt sei als in Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz gebe es keine institutionalisierte Filmförderung, wie sie in Baden-Württemberg mit der Medien- und Filmgesellschaft in Stuttgart existiere. „Produzenten siedeln sich in der Regel dort an, wo es eine Filmförderung gibt“, so Utz.

Hinzu kommt dem SWR-Sprecher zufolge, dass das Herstellungsvolumen geförderter Produktionen höher sei als das von nicht geförderten. Das bedeutete, dass in Baden-Württemberg auch Kino- und Fernsehkoproduktionen mit entsprechend hohen Produktionsvolumina hergestellt würden, weshalb dann auch der Finanzierungsanteil des SWR höher sei. Der Südwestrundfunk könne „keine konkreten Maßnahmen ergreifen, um den Vergabeanteil an Produzenten in Rheinland-Pfalz zu erhöhen“, erläuterte Utz.

Mit dem Anfang 2014 in Kraft getretenen neuen SWR-Staatsvertrag war dem Sender von der baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Politik auferlegt worden, alle zwölf Monate einen Produzentenbericht zu erstellen und ihn als Teil des jährlichen Geschäftsberichts zu veröffentlichen (vgl. FK 3/14). Der SWR hat nun erstmals für das Jahr 2014 einen solchen Bericht angefertigt. In den Vorjahren hat der Sender keine Auflistung über die Vergabe von Aufträgen an TV-Produzenten erstellt, auch nicht zu internen Zwecken oder zur Information seiner Aufsichtsgremien.

10.10.2015 – vn/MK

Print-Ausgabe 1-2/2019

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