Sat-1-Untersuchungen im Fall Wedel abgeschlossen

09.09.2018 •

09.09.2018 • „Als Konzern haben wir eine moralische Verantwortung, unsere Mitarbeiter und die Mitwirkenden an unseren Produktionen vor sexueller Diskriminierung und Machtmissbrauch zu schützen.“ Mit diesen Worten hatte das Unternehmen Pro Sieben Sat 1 Media SE am 31. Januar dieses Jahres interne Nachforschungen angekündigt, die Aufschluss darüber geben sollten, ob der Regisseur Dieter Wedel im Rahmen von Produktionen für den zum Konzern gehörenden Sender Sat 1 durch Fehlverhalten aufgefallen war.

Am 14. August teilte Sat 1 nun gegenüber „epd medien“ mit, die interne Taskforce der Senders habe keine Anhaltspunkte oder gar Belege dafür gefunden, dass sich der Regisseur „missbräuchlich“ oder strafbar verhalten habe. Auslöser für die Nachforschungen im Haus waren Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ bzw. in deren Magazin gewesen, die im Januar dieses Jahres erschienen waren (vgl. MK-Artikel). Zahlreiche Schauspielerinnen hatten dort geäußert, im Rahmen der gemeinsamen Arbeit mit Dieter Wedel sexuell belästigt und sogar vergewaltigt worden zu sein. Die Anschuldigungen betrafen Dreharbeiten für Filme und Serien verschiedener Sender. Die „Zeit“-Journalisten stützten sich in ihren Berichten unter anderem auf Akten der Produktionsfirma Telefilm Saar, einer früheren Tochterfirma des Saarländischen Rundfunks (SR).

Für Sat 1 hatte Wedel bei der Reihe „Sylvia Brandt – Ich greife ein“ (1994) und den von der Firma Bavaria Film produzierten Mehrteiler „Der König von St. Pauli“ (1998) Regie geführt. Anders als andere Sender und Produktionsfirmen, die nach Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Wedel Untersuchungen zu Dreharbeiten der von ihm inszenierten Filme eingeleitet hatten, lieferte Sat 1 jetzt nach Abschluss seiner Untersuchungen keine Informationen über den Umfang der gesichteten Akten, den Ablauf der Nachforschungen und etwaige Schwierigkeiten bei der Recherche. Dagegen hatte beispielsweise der Saarländische Rundfunk im April 2018 einen vorläufigen Abschlussbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

WDR-Mitarbeiter nimmt Arbeit wieder auf

Rund ein Vierteljahr nach der Veröffentlichung der ersten Recherchen in Sachen Wedel kamen Vorwürfe betreffend sexueller Belästigung beim WDR ans Tageslicht (vgl. MK-Artikel). Unter anderem machten die Illustrierte „Stern“ und das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv im April Vorwürfe gegen einen vom WDR entsandten Mitarbeiter des ARD-Hauptstadtstudios öffentlich, die WDR-intern bereits 2010 bekannt gewesen waren. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete in seiner Ausgabe vom 21. August nun darüber, dass dieser Beschuldigte seine redaktionelle Tätigkeit wieder aufgenommen habe. Nach dem Bericht von „Stern“ und Correctiv über die Vorwürfe gegen ihn hatte er Urlaub genommen.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, es seien gegen den Mitarbeiter vier Anschuldigungen vorgebracht worden, darunter drei von Frauen, die ungenannt bleiben wollten. Die Artikel von „Stern“ und Correctiv hatten unter anderem den Vorwurf einer Frau wiedergegeben, die sagte, sie sei bei dem Beschuldigten „sukzessive in Ungnade gefallen“, nachdem sie sich seinen Annäherungsversuchen widersetzt habe. „Letztlich“ habe der Redakteur ihre „WDR-Karriere zerstört“. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ ließen sich die Vorwürfe für den Sender aber „offenbar nicht erhärten“.

09.09.2018 – MK