Stellungnahme des WDR-Rundfunkrats zu den Vorwürfen sexueller Belästigung im WDR

09.05.2018 • In seiner Sitzung am 8. Mai in Köln hat der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zu den Vorwürfen sexueller Belästigung im WDR (vgl. MK-Artikel) die im folgenden im kompletten Wortlaut dokumentierte Stellungnahme mit großer Mehrheit beschlossen:


Stellungnahme zu Belästigungsvorwürfen im WDR

Die Mitglieder des WDR-Rundfunkrats

  • verfolgen aufmerksam und sehr betroffen interne und externe Hinweise auf Vorwürfe sexueller Übergriffe im WDR,
  • lehnen Machtmissbrauch und zwischenmenschliche Verfehlungen in Form von sexuellen Grenzverletzungen und deren Bagatellisierung entschieden ab,
  • setzen sich für einen Ethik- und Verhaltenskodex und ein Meldeverfahren ein, das die personenbezogenen Daten Beteiligter schützt, und ermutigen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des WDR zu einem offenen Umgang mit dem Thema (sexualisierter) Machtmissbrauch,
  • fordern den Intendanten auf, die Aufarbeitung bekannter Fälle sowie die Prävention sexueller und anderer Übergriffe innerhalb des WDR und im Wirkungskreis des Senders im Rahmen eines Schutzkonzeptes offensiv und vorbehaltlos voranzutreiben und notwendige Konsequenzen zu ziehen,
  • sehen in der Bestellung von Frau Wulf-Mathies als externe, unabhängige Untersuchungsinstanz, in der Einrichtung von Anlaufstellen für feste wie freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich über Missstände und Übergriffe beschweren wollen, sowie in der vom Intendanten 2015 mit Unterstützung des Rundfunkrats eingerichteten Prävention wichtige und richtige Schritte,
  • fordern Maßnahmen des WDR, die dazu beitragen, strukturelle Defizite und Risiken zu erkennen, um Fehlverhalten effektiv zu vermeiden,
  • erwarten von der Intendanz, allen festen wie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Gremien des WDR, dass sie in guter Kooperation an einem Gesamtkonzept für Respekt und Wertschätzung als Qualitätsmerkmal der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt arbeiten,
  • bestärken den Intendanten, nach innen und außen offensiv und transparent zu kommunizieren, dabei aber das Prinzip der Unschuldsvermutung zu wahren und die Persönlichkeitsrechte Betroffener zu schützen,
  • erwarten vom Intendanten, dass der Rundfunkrat – im Rahmen seiner Zuständigkeit für grundsätzliche Fragen der Personalwirtschaft – über strukturelle Maßnahmen und Entwicklungen weiterhin umfassend und frühzeitig informiert wird,
  • danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des WDR, die ihrer persönlichen Verantwortung für ein respektvolles und gedeihliches Miteinander durch eigenes Verhalten wie durch aktive Hilfestellung nachkommen,
  • bedauern ausdrücklich, dass alle festen wie freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WDR, die durch ihre Arbeit wertvolle Beiträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und damit für die Gesellschaft leisten, der anhaltenden Negativ-Berichterstattung über ihre Rundfunkanstalt ausgesetzt sind.
09.05.2018 – MK

Print-Ausgabe 16/2018

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