Marcus Wolter wird Deutschlandchef der französischen Produktionsgruppe Banijay

09.05.2018 •

09.05.2018 • Die französische Produktionsgruppe Banijay (Hauptsitz: Paris) will künftig von Köln aus ihr Deutschlandgeschäft steuern. Dazu wurde im April die Dachgesellschaft Banijay Germany gegründet. Der 50-jährige Marcus Wolter übernimmt am 1. August die Leitung von Banijay Germany. Dem Unternehmen sind die Produktionsfirmen Brainpool und Banijay Productions Germany zugeordnet. Die Firma Banijay Productions Germany wurde ebenfalls im April gegründet; als deren Geschäftsführer ist der 46-jährige Arno Schneppenheim vorgesehen. An Brainpool ist Banijay bereits seit dem Jahr 2009 mit einem Anteil von 50 Prozent beteiligt.

Anfang März 2018 hatte Banijay angekündigt, die von Stefan Raab gehaltenen Brainpool-Anteile in Höhe von 12,5 Prozent übernehmen zu wollen. Dadurch würde Banijay die Mehrheit bei Brainpool erhalten. In Zusammenhang mit der vorgesehenen Anteilsaufstockung will Banijay die bisherigen Brainpool-Geschäftsführer Jörg Grabosch und Andreas Scheuermann von ihren Posten abberufen. Grabosch, der Brainpool 1994 mit Martin Keß und Ralf Günther gegründet hatte, gehören 12,5 Prozent an Brainpool. Denselben Anteil hält auch Scheuermann an Brainpool.

Rechtsstreit mit Brainpool‑Geschäftsführe

Jörg Grabosch hat vor Gericht mehrere Verfügungen gegen Banijay erwirkt, so dass das französische Unternehmen die Übernahme des 12,5-Prozent-Anteils von Stefan Raab an Brainpool bisher nicht vollziehen kann. Das bedeutet, dass auch die von Banijay angestrebte Abberufung von Grabosch und Scheuermann als Geschäftsführer nicht möglich ist.

Brainpool produzierte unter anderem Sendungen wie „Die Harald Schmidt Show“ (Sat 1/Sky), „Die Wochenshow“, „Ladykracher“ (jeweils Sat 1), „Stromberg“, „TV total“ oder „Schlag den Raab“ (jeweils Pro Sieben). Ein großer Teil der von Brainpool produzierten Sendungen brach Ende 2015 weg, weil sich Stefan Raab als Moderator aus dem Fernsehgeschäft verabschiedete. Heute produziert Brainpool beispielsweise verschiedene Shows für den Privatsender Sat 1, darunter Formate mit dem Comedian Luke Mockridge, oder die Comedy-Reihe „Nightwash“ für den ARD-Fernsehspartenkanal One.

Marcus Wolter soll sich künftig als Chef der Dachgesellschaft Banijay Germany, an der er sich auch als Gesellschafter beteiligt, um den Ausbau des Deutschlandgeschäfts von Banijay kümmern. Wolter arbeitete bis Ende 2017 für das internationale Produktionsunternehmen Endemol Shine, das 2015 durch den Zusammenschluss der niederländischen Firma Endemol, der britischen Shine Group und der US-amerikanischen Firma Core Media entstanden war. Wolter war ab 2015 Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Endemol Shine Germany, die unter anderem den Quiz-Klassiker „Wer wird Millionär?“ (RTL) oder die Shows „Joko gegen Klaas – Duell um die Welt“ und „Late Night Berlin“ (beide Pro Sieben) herstellt. Vor dem Zusammenschluss von Endemol und Shine war Wolter ab Oktober 2008 Geschäftsführer von Endemol Deutschland. Im Dezember 2017 hatte Wolter angekündigt, seinen Vertrag mit Endemol Shine nicht zu verlängern, um im Sommer 2018 „neue, unternehmerische Wege zu gehen“.

Seine berufliche Laufbahn begann Marcus Wolter, geb. am 31.1.1968 in Hamburg, Anfang der 1990er Jahre, als er in Hamburg den Musikverlag ‘Seegang Music’ gründete, der damals unter anderem auch Stefan Raab mit dessen Song „Böörti Vogts“ unter Vertrag hatte. Später arbeitete Wolter in Hamburg zusätzlich als freier Redakteur, beispielsweise für die Produktionsgesellschaft MME und den Norddeutschen Rundfunk (NDR). 1993 wechselte er als Producer zum damals neu gegründeten Musiksender Viva nach Köln. Später entwickelte Wolter als Producer für Brainpool Fernsehformate. 1999 gründete er die Firma ‘Seegang Media’, die sich auf die Entwicklung von sogenannten Interaktionsformaten im Fernsehen spezialisierte. Im Jahr 2002 wurde Wolter bei dem von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe betriebenen Glücksspielsender 9Live zunächst Programmdirektor und ein Jahr später Geschäftsführer. Zum 1. Oktober 2008 verließ er 9Live (der Sender wurde drei Jahre später eingestellt) und übernahm die Position als Geschäftsführer von Endemol Deutschland.

09.05.2018 – MK