ZDF veröffentlicht Gehälter seines Leitungspersonals

10.05.2018 • Das ZDF hat für das Jahr 2016 die Einzelgehälter seines Führungspersonals veröffentlicht. Dabei geht es um die Mitglieder der ZDF-Geschäftsleitung, der in dem betreffenden Jahr neben Intendant Thomas Bellut noch die Direktoren für Programm, Verwaltung, Produktion und Europäische Satellitenprogramme sowie der Chefredakteur und der Justiziar angehörten. Programmdirektor ist Norbert Himmler. An der Spitze der Verwaltungsdirektion steht Karin Brieden, die auch Stellvertreterin von Intendant Bellut ist. Produktionsdirektor ist Andreas Bereczky. Im Jahr 2016 war Gottfried Langenstein Chef der Direktion ‘Europäische Satellitenprogramme’, die zum 1. April 2017 aufgelöst wurde (Langenstein trat damals in den Ruhestand; vgl. MK-Meldung). Beim ZDF werden auch Chefredakteur Peter Frey und Justiziar Peter Weber als Direktoren eingestuft.

Die Gehälter, die 2016 an diese sieben Führungskräfte gezahlt wurden, publizierte das ZDF im Februar in seinem Internet-Angebot. Zusätzlich gab der Sender die Höhe der Sachbezüge bekannt, wobei es sich jeweils um die privat zu versteuernden geldwerten Vorteile eines Dienstwagens handelt. Veröffentlicht wurden vom ZDF ferner die Bezüge, die die sieben Geschäftsführungsmitglieder im Jahr 2016 für Tätigkeiten bei Tochterfirmen bzw. Unternehmen erhalten haben, an denen der öffentlich-rechtliche Sender beteiligt ist. Dabei handelt es sich in erster Linie um Vergütungen für Aufsichtsratstätigkeiten. Schließlich hat das ZDF auch noch die Einnahmen aus weiteren Nebentätigkeiten der sieben Führungskräfte publiziert, sofern die monatlichen Einkünfte höher als 1000 Euro ausfallen.

Rechtlich vorgeschriebene Transparenz

All diese Angaben muss das ZDF bekannt machen, weil zum 1. Januar 2016 von den Bundesländern in den ZDF-Staatsvertrag entsprechende Transparenzregeln eingefügt worden waren (vgl. diese MK-Meldung und diesen MK-Artikel). Im Februar 2017 hatte das ZDF erstmals gemäß den neuen Vorgaben die Gehälter seines Führungspersonals veröffentlicht, in diesem Fall für das Jahr 2015. Die im Jahr 2017 gezahlten Vergütungen werden vom ZDF voraussichtlich im Februar 2019 publiziert.

Nach den jüngst veröffentlichten Angaben erhielt Intendant Bellut im Jahr 2016 ein Gehalt in Höhe von exakt 330.840 Euro (2015: 319.920 Euro). Hinzu kamen noch 2200 Euro Sachbezüge für den Dienstwagen. Belluts Einkünfte aus Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des ZDF beliefen sich auf 41.135 Euro. Der ZDF-Intendant war im Jahr 2016 beispielsweise Vorsitzender des Aufsichtsrats der ZDF Enterprises GmbH und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bavaria Fernsehproduktion GmbH. Am letztgenannten Unternehmen, das seit September 2017 Bavaria Fiction heißt, ist der Sender über seine Tochterfirma ZDF Enterprises mit 49 Prozent beteiligt. Die Arbeit in diesen beiden Aufsichtsräten wird vergütet. Die Bezüge von Bellut in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als ZDF-Intendant beliefen sich somit im Jahr 2016 auf insgesamt rund 374.000 Euro.

Mit diesem Gesamtbetrag rangiert Thomas Bellut erwartungsgemäß an der Spitze des ZDF-Führungspersonals. Bezieht man allerdings die Bezüge aus Nebentätigkeiten jenseits des ZDF und seiner Tochterfirmen mit ein – hier hat Bellut keine Einkünfte – dann war 2016 ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky der Spitzenverdiener der Führungskräfte des in Mainz ansässigen Senders. Als ZDF-Produktionsdirektor erhielt er in dem Jahr ein Gehalt in Höhe von 242.280 Euro plus 2000 Euro Sachbezüge für den Dienstwagen. Einkünfte aus Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des ZDF hatte der 64-Jährige nicht, der Ende 2018 in den Ruhestand tritt (vgl. MK-Meldung).

Einkünfte aus Nebentätigkeiten

Bereczky übt aber vergütete Nebentätigkeiten bei zwei nicht mit dem ZDF verbundenen Unternehmen aus. So ist er seit 2009 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Software AG, die Deutschlands zweitgrößter Software-Anbieter ist (nach dem SAP-Konzern). Im Jahr 2016 erhielt Bereczky für die Leitung des Aufsichtsrats, dem er bereits seit 2004 angehört, eine Vergütung von insgesamt 127.500 Euro, wie aus dem entsprechenden Geschäftsbericht der Software AG hervorgeht. Außerdem ist Andreas Bereczky Mitglied im Verwaltungsrat des IT-Unternehmens GFT Technologies SE. Hier belief sich seine Vergütung im selben Jahr laut GFT-Geschäftsbericht auf 43.000 Euro.

Aus beiden Aufsichtsratstätigkeiten erzielte Bereczky somit 2016 Einkünfte in Höhe von insgesamt 170.500 Euro. Das ZDF gab die Höhe der „entgeltlichen Nebentätigkeiten“ für Bereczky dann mit 161.000 Euro an. Die Abweichung erkläre sich dadurch, teilte das ZDF auf MK-Nachfrage mit, dass Aufwendungen, die Bereczky im Rahmen dieser Aufsichtsratstätigkeiten entstünden, steuerlich abzugsfähig und mit den Einnahmen gegenzurechnen seien. Unter dem Strich blieben somit im Fall von Andreas Bereczky anzugebende Einnahmen in Höhe von 161.000 Euro. Insgesamt hat Bereczky damit 405.000 Euro im Jahr 2016 verdient.

Die Gehälter der übrigen fünf ZDF-Direktoren beliefen sich im Jahr 2016 auf mindestens 212.000 Euro (Norbert Himmler und Peter Weber). Bei Karin Brieden und Peter Frey waren es jeweils rund 227.000 Euro. Gottfried Langenstein erhielt 256.000 Euro. Die Sachbezüge (Dienstwagen) betrugen mindestens 2900 Euro (Brieden) und maximal 7400 Euro (Frey). Aus Tätigkeiten für Tochterfirmen oder Beteiligungsunternehmen des ZDF erzielte Norbert Himmler 2016 Einkünfte in Höhe von insgesamt 24.600 Euro (er war in dem Jahr unter anderem Mitglied in den Aufsichtsräten von ZDF Enterprises und Bavaria Fernsehproduktion). Für Karin Brieden nannte das ZDF diesbezüglich einen Betrag von 16.500 Euro; bei Peter Frey waren es 7200 und bei Peter Weber 1000 Euro. Im Fall von Peter Frey gab das ZDF in der Auflistung für entgeltliche Nebentätigkeiten jenseits des Senders einen Betrag von 12.000 Euro an. Auf MK-Nachfrage hierzu erklärte Chefredakteur Frey, dass es sich dabei um Honorare für zwei Vorträge gehandelt habe (zu den Themen „USA nach der Wahl“ und „Die Rolle des Fernsehens in der digitalen Welt“).

10.05.2018 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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