USA: Heftige Konkurrenz der spanischsprachigen Networks Univision und Telemundo

14.05.2018 • Die spanischsprachigen Fernsehnetworks in den USA sind von der wachsenden Attraktivität des Videostreamings nicht unberührt geblieben. Vor allem junge Latinos der zweiten und dritten Generation, die mit beiden Sprachen, Englisch und Spanisch, aufgewachsen sind, laufen mehr und mehr zu Angeboten der Streaming-Dienste Netflix, Amazon und Hulu über. Wie sich inzwischen zeigt, hat dieses Sehverhalten die bevorzugten Sender ihrer Eltern und Großeltern, Telemundo und Univision, erkennbar beeinflusst.

Auch untereinander konkurrieren Telemundo und das bisher tonangebende Network Univision neuerdings mit gesteigerter Heftigkeit. Noch vor fünf Jahren erreichte Telemundo – das seit 2011 dem Telekommunikationskonzern Comcast gehört – nur halb so viele Zuschauer wie Univision. Doch inzwischen überholt Telemundo die Konkurrenz vor allem in Teilen des Hauptabendprogramms, wodurch Univision besonders in der 22.00-Uhr-Leiste viele 18- bis 49-jährige Zuschauer verloren hat. Insgesamt lagen die durchschnittlichen Zuschauerzahlen von Univision in der letzten TV-Saison nur noch knapp über denen von Telemundo (789.000 gegenüber 751.000).

Harte Serien und religiöse Serien

Unter der Ägide von Comcast und dem Chairman von NBC-Universal Telemundo Enterprises, Cesar Conde, den Comcast im Jahr 2013 von Univision abgeworben hat, bemüht sich Telemundo nach Kräften um ein zeitgemäßeres Abbild der US-amerikanischen und mexikanischen Gegenwart, als es zuvor der Fall war. Vor allem die Abhängigkeit von Telenovelas, den klischeehaften romantischen Soap Operas, die im Gegensatz zu den Pendants im amerikanischen Network-Fernsehen auch die Primetime beherrschten, wurde abgeschwächt. Heute sind es die sogenannten „Narconovelas“, die mehr und mehr deren Stelle einnehmen.

Die Geschichten der Narconovelas basieren erkennbar auf Konfliktstoffen der Gegenwart, ohne ganz den Charakter einer Soap Opera aufzugeben. Sie enthalten mehr Sex und Gewalt und orientieren sich – wie der Name schon sagt – zumeist an der Problematik des Drogenhandels und der damit einhergehenden Kriminalität. Serien wie „Queen of the South“ – hier steht ein weiblicher „Drug Lord“ im Zentrum des Geschehens – erfreuen sich vor allem beim jüngeren Publikum großer Beliebtheit und beeinflussen zunehmend das Sehverhalten. Im Kontrast zu den harten Serien wird neuerdings zugleich auch das Genre der „inspirational series“ mit biblischem Hintergrund immer beliebter – eine interessante Parallele zur wachsenden Zahl kommerziell erfolgreicher religiös motivierter Filme im Kinoprogramm in den USA.

14.05.2018 – Ev/MK
Die Logos der Sendeunternehmen Abbildungen: Screenshots

Print-Ausgabe 16/2018

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