Der Pay-TV-Sender Sky Deutschland verliert erstmals seit 2009 Abonnenten

16.05.2018 • Diese Bilanzzahl dürfte für den Pay-TV-Veranstalter Sky Deutschland ein Alarmsignal sein: In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 verlor der Sender 30.000 Abonnenten. Seit dem Jahr 2009 war von Quartal zu Quartal die Anzahl der Abonnenten gestiegen – bis zum Jahresende 2017 auf insgesamt 5,191 Mio. Nun gab es erstmals einen Rückschlag. Zum 31. März 2018 wies Sky 5,161 Mio Kunden aus. Das geht aus den Quartalszahlen für den Zeitraum von Januar bis März 2018 hervor, die der britische Pay-TV-Konzern Sky plc, zu dem Sky Deutschland seit 2014 gehört, am 19. April veröffentlichte. Bei Sky plc läuft das Geschäftsjahr vom 1. Juli eines Jahres bis zum 30. Juni des Folgejahres. Somit wurden von Sky plc nun die Zahlen für das dritte Quartal bzw. die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2017/18 publiziert.

Die Verantwortlichen des Konzerns mit Sitz in London verwiesen darauf, dass die Abonnentenzahl von Sky Deutschland am 31. März 2018 um 231.000 höher gelegen habe als ein Jahr zuvor. Der aktuelle Rückgang falle nicht besonders ins Gewicht, da Kunden, die dem Sender ohnehin wenig Umsatz gebracht hätten („low value customers“), ihre Abonnements nicht verlängert hätten. Angelockt worden waren diese Kunden freilich vom Unternehmen durch entsprechende Rabatte bei den jeweiligen Abo-Paketen.

Deutlich angestiegene Kündigungsquote

In den nun von Sky plc veröffentlichten Bilanzzahlen wird die Höhe der aktuellen Kündigungsquote bei Sky Deutschland nicht genannt. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 schnellte dieser Wert deutlich nach oben, und zwar auf 14,2 Prozent, wie aus dem seinerzeit veröffentlichten Halbjahresbericht hervorgeht. Im ersten Halbjahr des vorangegangenen Geschäftsjahres 2016/17 betrug die Kündigungsquote noch 10,6 Prozent (1. Halbjahr 2015/16: 9,8 Prozent).

Sky Deutschland erzielte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 einen Umsatz in Höhe von 1,523 Mrd Pfund, umgerechnet 1,75 Mrd Euro. Trotz des Abo-Rückgangs im dritten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum an (Juli 2016 bis März 2017), und zwar auf 1,431 Mrd Pfund (1,65 Mrd Euro). In den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres belief sich der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 68 Mio Pfund (knapp 80 Mio Euro). Damit sank der operative Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent.

Im Zeitraum von Juli 2017 bis März 2018 musste Sky Deutschland, wie in den jetzt vorgelegten Bilanzzahlen nachzulesen ist, 116 Mio Pfund (135 Mio Euro) mehr für die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga bezahlen als im Vorjahreszeitraum. Mit der Bundesliga-Saison 2017/18 begann die neue vierjährige Rechteperiode, in der sich der Pay-TV-Sender die Bundesliga-Übertragungsrechte im Schnitt 876 Mio Euro pro Spielzeit kosten lässt. Im vorangegangenen Rechtezeitraum belief sich der Preis für Sky auf durchschnittlich 486 Mio Euro pro Saison. Die Bundesliga-Rechte verteuerten sich somit für Sky um rund 80 Prozent. Seit August 2017 kann Sky nicht mehr alle Erstliga-Partien live übertragen. 40 der insgesamt 306 Begegnungen einer Saison werden seither von Eurosport gezeigt.

Die neue Sky-Q-Plattform

Üblicherweise steigen die Kosten für die Bundesliga-Übertragungsrechte in der vierjährigen Rechteperiode kontinuierlich an; in der ersten Saison sind sie am niedrigsten und in der letzten am höchsten. Das heißt für Sky, der Sender wird in den kommenden Jahren stets unter dem Druck stehen, seine Einnahmen zu steigern, vor allem durch die Gewinnung neuer Abonnenten. Außerdem hat sich der Sender zum Ziel gesetzt, die zuletzt deutlich angestiegene Kündigungsquote zu senken. Aufgrund der immer stärker werdenden Konkurrenz durch Streaming-Anbieter wie Netflix (Filme/Serien) und DAZN (Sport) dürfte dies kein einfaches Unterfangen werden. Mit DAZN teilt sich Sky im Übrigen ab dem Sommer 2018 die Übertragungen von der Fußball-Champions-League.

Zusätzliche Abonnenten will der Pay-TV-Sender nun mit seiner neuen Plattform „Sky Q“ gewinnen, die seit dem 2. Mai für Sky-Kunden in Deutschland verfügbar ist. Sky Q – das Q steht als Abkürzung für Qualität – ermöglicht unter anderem Live-Fernsehen und zeitversetztes Fernsehen auf mehreren Geräten (zeitgleich auf bis zu drei Fernsehern und zwei mobilen Geräten). Eingebunden sind auch Apps. In Großbritannien wurde für die dortigen Sky-Abonnenten eine entsprechende Plattform bereits im November 2015 gestartet; auch bei Sky Italia gibt es dieses Angebot bereits seit November 2017. Angesichts von Sky Q gerät Carsten Schmidt, der Chef von Sky Deutschland, in werbemäßige Jubelstimmung: „Das neue Sky ist für jedermann, denn wir haben es aus den Wünschen unserer Kunden kreiert. Es wird besser, einfacher und schöner als je zuvor.“

Seit dem 2. Mai können Abonnenten, die bereits einen „Sky plus Pro Receiver“ verwenden (das sind rund 1,3 Mio Kunden), Sky Q ohne Zusatzkosten nutzen. Die übrigen Abonnenten können nun auf Sky Q umsteigen; auch Neukunden können das neue Angebot buchen. Parallel zum Start von Sky Q hat der Pay-TV-Sender neue Preise für seine Abo-Pakete bekannt gegeben. Einzelne Pakete sind nun günstiger; teurer wurde dagegen das Bundesliga-Paket, dessen regulärer Preis jetzt 39,99 Euro pro Monat beträgt (plus 2,50 Euro). Über Sky Q lässt sich auch auf die Mediatheken von ARD und ZDF zugreifen; der Zugang zu Netflix soll demnächst ebenfalls möglich sein. Carsten Schmidt hat dabei ein zentrales Ziel, wie er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte (Ausgabe vom 19. April): „Sky Q soll eine Art Ökosystem werden; die Menschen sollen ihre Unterhaltungsbedürfnisse stillen können, ohne die Sky-Q-Welt verlassen zu müssen.“

16.05.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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