Katholischer Medienpreis 2018 für Dokumentarfilm von Arte und SWR

27.07.2018 • Der Katholische Medienpreis geht in der Kategorie „Elektronische Medien“ (Fernsehen, Radio, Internet) in diesem Jahr an den syrischen Filmautor Feras Fayyad und die SWR-Fernsehredakteurin Gudrun Hanke-El Ghomri für den Dokumentarfilm „Die letzten Männer von Aleppo“. In der Kategorie „Printmedien“ erhält der freie Journalist Johannes Böhme die Auszeichnung für seine Reportage „Sorgenkinder“, die im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ veröffentlicht wurde. Der Sonderpreis der Jury geht an die Journalistinnen Katja Grundmann und Anna Sprockhoff von der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ für die multimediale Reihe „Aufwachsen als Flüchtlingskind – Ein Jahr danach“.

Die Preisträger des Katholischen Medienpreises 2018 gab die Deutsche Bischofskonferenz am 16. Juli bekannt. Die Preisverleihung ist am 4. Oktober in Frankfurt am Main. Überreicht werden die Preise vom Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart). Im vorigen Jahr gab es ein anderes Procedere: Zunächst war mitgeteilt worden, wer in den beiden Kategorien nominiert wurde (es gab jeweils drei Nominierungen) und dass erstmals ein Sonderpreis verliehen wird. Erst bei der Preisverleihung wurde dann bekannt, an wen die insgesamt drei Auszeichnungen vergeben wurden. Nun kehrte man wieder zum bis 2016 geltenden Procedere zurück, wonach die Preisträger im Sommer genannt werden und ihnen im Herbst die Auszeichnungen überreicht werden.

Mit der Kamera im Bürgerkrieg in Aleppo

Die beiden Hauptpreise sind weiterhin mit jeweils 5000 Euro dotiert, der Sonderpreis wieder mit 2000 Euro. Mit dem Katholischen Medienpreis werden laut Statut Beiträge ausgezeichnet, die auf das christliche Werteverständnis verweisen, das Verständnis für Menschen fördern und die das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken. Der Preis wird von der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM) vergeben.

Im Film „Die letzten Männer von Aleppo“, einer Kino-Koproduktion von SWR und Arte, steht die Arbeit der „Weißhelme“ im Zentrum. Bei den „Weißhelmen“ handelt es sich um eine zivile Hilfsorganisation in Syrien. Filmautor Feras Fayyad und sein Team begleiteten insgesamt fast zwei Jahre lang in einem Zeitraum von 2014 bis 2016 die beiden „Weißhelme“-Mitarbeiter Khaled und Mahmoud in Aleppo während des dort tobenden Bürgerkriegs. Der Film zeigt, wie die beiden mit weiteren Helfern Menschen aus den Trümmern der bombardierten Häuser bergen, oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Meist sind die „Weißhelme“-Helfer die ersten an den Unglücksorten. Sie praktizierten, wie die Jury des Katholischen Medienpreises in ihrer Begründung hervorhebt, „Menschlichkeit in einer unmenschlichen Umgebung“.

Der Film „Die letzten Männer von Aleppo“ zwinge, so die Jury weiter, den Zuschauer, zu verstehen, dass die Menschen aus Syrien flöhen, weil dort Krieg herrsche. Der Film erzähle die persönlichen Geschichten hinter der Zerstörung, von der Verzweiflung der Überlebenden und von der Angst der Kinder. Fayyad sei filmisch immer nah „am zermürbenden Leben und Sterben der Menschen in Aleppo“, was für den Zuschauer teilweise schwer zu ertragen sei. Der Film sei „ein Hilferuf aus Aleppo“, der das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein fördere und fordere, erklärte die Jury.

Preise auch für zwei Printmedien

Im März 2017 kam der Dokumentarfilm „Die letzten Männer von Aleppo“ in einer 104 Minuten langen Fassung in die deutschen Kinos. Im Fernsehen wurde der Film später in einer 90-minütigen Version ausgestrahlt (am 6. Juni 2017 bei Arte und am 2. August 2017 im Ersten Programm). Gudrun Hanke-El Ghomri bearbeitete Fayyads Kinofassung für die TV-Ausstrahlung. Sie ist beim SWR Redakteurin für den gesellschaftlichen Dokumentarfilm. Seit 2013 ist sie bei dem Sender zusätzlich auch Arte-Beauftragte. Das mit der Auszeichnung beim Katholischen Medienpreis verbundene Preisgeld wird so aufgeteilt, dass Feras Fayyad 4000 Euro erhält und Gudrun Hanke-El Ghomri 1000 Euro.

Der 1978 geborene Johannes Böhme, der Preisträger in der Kategorie „Printmedien“, hat als Zivildienstleistender in einem Kindergarten der Vereinigung „Lebenshilfe“ gearbeitet und Kinder betreut, die an einer Körperbehinderung leiden. Neun Jahre später hat Böhme, inzwischen ausgebildeter Journalist, sieben seiner damaligen Schützlinge wieder besucht, um zu erfahren, wie sich ihr Leben entwickelt hat. Die Reportage wecke „tiefes Verständnis für Menschen, denen der Lebensrucksack schon in Kindertagen vollgepackt wird mit zentnerschweren Problemen, die sie allein nicht bewältigen können“, urteilte die Jury. Der Beitrag (im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ am 6. Juli 2017 veröffentlicht) sei ein Appell, „hinter die Fassade der Verhaltensauffälligkeit zu schauen und das zu entdecken, was diesen Kindern und Jugendlichen helfen könnte: Verständnis, Zuwendung, Liebe“, so die Jury. Hervorzuheben seien ferner „der hohe Rechercheaufwand und der brillante Schreibstil“.

Katja Grundmann und Anna Sprockhoff, denen die Jury den Sonderpreis zusprach, beschreiben das Leben von Flüchtlingskindern in Deutschland. Mit großem Rechercheaufwand ist der Jury zufolge „ein multimediales Projekt mit Filmen, Audiofiles und vielen Texten“ entstanden, das „exemplarisch die Herausforderungen zeigt, vor denen eine ganze Generation Flüchtlingskinder in Deutschland steht“. Die jeweiligen Beiträge wurden von der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ im Zeitraum vom 15. bis 22. Oktober 2017 gedruckt bzw. im Internet veröffentlicht.

Vier undotierte Auszeichnungen

Die Deutsche Bischofskonferenz teilte außerdem mit, dass die Jury noch vier undotierte Auszeichnungen („journalistisch wertvoll“) vergeben habe, je zwei in den beiden Kategorien „Elektronische Medien“ und „Printmedien“. Die Auszeichnungen im ersten Segment erhalten Frank Meißner für die Sendung „Schmidt Max und die Audienz beim Papst“ (BR Fernsehen) und Renate Bleichenbach für den Beitrag „Die Sendung mit dem Elefanten: Planet Willi“ (Kika). In der Kategorie „Printmedien“ gehen die beiden Auszeichnungen an Dimitri Ladischensky für den Beitrag „Was vom Leben übrig bleibt“ („Mare“) und Katharina Frohne für die Reportage „Am Ende“ („Weser-Kurier“).

Der Jury des Katholischen Medienpreises 2018 gehörten neben ihrem Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst noch fünf weitere Mitglieder an. Dabei handelte es sich um Katja Auer (Teamleiterin der Bayern-Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“, München), Albert Herchenbach (früherer Chefredakteur von „Stadtgottes“, Nettetal), Wolfgang Küpper (Leiter der BR-Redaktion ‘Religion und Orientierung’, München), Andreas Kuschbert (Chefredakteur beim „Heinrichsblatt“, Bamberg) und Andrea Rübenacker (Deutsche-Welle-Akademie, Bonn).

27.07.2018 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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