Daniel Sich/Petra Gerster: 10 Fakten zum Christentum (ZDF)

Solider Parforce-Ritt

20.04.2018 •

20.04.2018 • Man wird sicher darüber streiten können, was ein angemessenes Osterprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sein kann. Die Übertragung von Gottesdiensten an Karfreitag und den beiden Osterfeiertagen mag da routinierte Übung sein. Ob aber die üblichen Krimiformate am Karfreitagabend dazu gehören, mögen jene in Frage stellen, die eine stärkere Akzentuierung an diesem besonderen, „stillen“ Feiertag erwarten. Wahrscheinlich jedoch sind diese Kritiker in der Minderheit; die Programmverantwortlichen jedenfalls wollen ein massentaugliches Programm anbieten. So in diesem Jahr auch beim ZDF zu beobachten.

Dabei ist es schon zu einer gewissen Tradition geworden, dass sich Petra Gerster, im Hauptberuf Moderatorin der ZDF-„Heute“-Nachrichten, an kirchlichen Feiertagen mit religiösen Themen beschäftigt oder besser gesagt: dass sie religiöse Fragestellungen präsentiert (zum Beispiel in einer Sendung zum Apostel Paulus im Lutherjahr; vgl. MK-Kritik). Sonst publizistisch auch abseits des Fernsehens aktiv – vor allem mit Themen zur Erziehung, in gemeinsamen Büchern mit ihrem Mann Christian Nürnberger –, trägt Petra Gerster in den religiösen Dokumentationen als Presenterin vor, was andere ihr aufgeschrieben haben. Insofern wäre es müßig, sich mit diesen Aussagen in Bezug auf ihre Person auseinanderzusetzen oder ihr gar Fehlinformationen vorzuwerfen – sie ist hier durchaus engagierte Botin, aber nicht Verursacherin der Botschaft.

Zu Ostern 2018 gab es also mit Gerster als Presenterin die Dokumentation „10 Fakten zum Christentum“ (Produktion: Gruppe 5). Und es war dabei recht ehrgeizig von Daniel Sich (Buch und Regie), die wichtigsten Fragen zu dieser großen Materie auf genau zehn zu begrenzen. Warum nicht sieben oder zwölf? Mit 45 Minuten stand so oder so eine nur sehr begrenzte Sendezeit zur Verfügung und jeder der zehn Punkte – wie es im ZDF-Pressetext hieß: „eine subjektive Auswahl, aber nach bestem Gewissen und intensiven Diskussionen getroffen“ – hätte auch jeweils eigene 45 Minuten füllen können. Der Zuschauer erlebt also einen Parforce-Ritt durch die Ursprünge des Christentums, unterstützt von Archäologen und Historikern, ergänzt um Spielszenen und Bilder von Christen in aller Welt.

Und das waren die zehn Punkte dieser Dokumentation: 1. Jesus von Nazareth – die zentrale Figur des Christentums, 2. Das Kreuz – Hauptsymbol der Christen, 3. Die Auferstehung – Zentrum des Glaubens, 4. Die Mission – Werbung für das Christentum, 5. Ein Gott in dreifacher Gestalt – Vater, Sohn und Heiliger Geist, 6. Die Bibel – Heilige Schrift der Christen, 7. Die christlichen Werte – Attraktivität und Alleinstellungsmerkmal, 8. Der Durchbruch – Unter Kaiser Konstantin, nachdem es vorher Christenverfolgungen gab, 9. Der Papst – Stellvertreter Gottes auf Erden?, 10. Vielfalt – katholisch, evangelisch, orthodox – und noch viel mehr.

Für den, der im Religionsunterricht aufgepasst hat oder sich anderweitig für das Christentum und dessen historische Entstehung aufgeschlossen zeigt, gab es in den 45 Minuten nichts Neues. Aber man kann voraussetzen, dass zu diesem Frühabendsendetermin am Ostermontag vor allem auch ein Publikum angesprochen werden sollte, das nur über wenige oder gar keine Vorkenntnisse verfügt. Also sollte in dem Film (1,52 Mio Zuschauer, Marktanteil: 7,1 Prozent) in erster Linie Basiswissen vermittelt werden. Das kann man als durchaus gelungen betrachten, zumal eine theologische Erklärung und Deutung der Bilder unterblieb. Lediglich beim Phänomen der Dreifaltigkeit gab es eine Annäherung, die aber blieb einer Kunsthistorikern vorbehalten.

Und ob Muslime mit Allah, Juden mit Jahwe und Christen mit dem dreifaltigen Gott tatsächlich alle den gleichen Gott verehren, ist eine eher schwierig zu beantwortende Frage. Jedenfalls ist diese Analogie nicht so einfach vorauszusetzen, wie es hier gleichsam nebenbei behauptet wurde. Die Dokumentation ging insgesamt mit eher religionswissenschaftlichen Motiven an die Thematik heran. So entstand gleichsam eine säkulare Religionsgeschichte, eingängig und überwiegend zutreffend.

An einer Stelle allerdings zitierte Petra Gerster die christliche Taufformel als „erstaunlich“ und sagte: „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Ein Gott und doch würden hier drei genannt? Dies war mit dem Erstaunlichen gemeint. Diese Passage sollte insbesondere auch als möglichst elegante Überleitung zum nächsten Themenblock dienen, dem zur Dreifaltigkeit. Dabei war aber die von Gerster zitierte Formel schlicht falsch. Denn getauft wird nicht auf den Namen, sondern im Namen des Vaters. Eine Petitesse, gewiss. Doch wer den Ehrgeiz hat, das Christentum in kompakten zehn Themenblöcken zu erläutern, sollte dann in jedem Detail möglichst genau sein. Dabei wäre an dieser Stelle des Films auch die Information angebracht gewesen, dass es nur eine Taufe gibt, keine katholische oder evangelische. Wer von der einen zur anderen Kirche übertritt, wird nicht erneut getauft, das Sakrament wird von beiden Kirchen gegenseitig anerkannt.

Alles in allem aber war diese ZDF-Sendung ein tauglicher Versuch, Basiswissen zu vermitteln. Nicht zuletzt dank der beigezogenen Experten ist ein lehrreicher Film entstanden, dem „wichtigsten Fest der Christenheit“ angemessen. Zwar war das Ganze der mangelnden Zeit wegen zuweilen etwas kurzatmig, aber insgesamt bis auf die genannte Ausnahme solide und fundiert. Im Übrigen warten wir nun auf ZDF-Filme mit „10 Fakten zum Judentum“ und Vergleichbares über den Islam. Und vielleicht versucht sich die Produktionsfirma Gruppe 5 zusammen mit Petra Gerster auch mal an einem Stück über die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Religionen? Nur, auf zehn Ähnlichkeiten werden die Filmemacher dabei wohl kaum kommen.

20.04.2018 – Martin Thull/MK