Papst Franziskus besorgt über die Verbreitung von Fake News

10.02.2018 • Papst Franziskus hat sich besorgt gezeigt über die Verbreitung von Falschmeldungen in sozialen und traditionellen Medien. Bei dieser Desinformation gehe es um „die Diskreditierung des anderen, seine Stilisierung zum Feindbild bis hin zu einer Dämonisierung, die Konflikte schüren kann“, erklärte der Pontifex in seiner Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, die am 24. Januar veröffentlicht wurde. Sie steht unter dem Leittitel: „‘Die Wahrheit wird euch befreien’ (Joh 8,32). Fake News und Journalismus für den Frieden“. Falschmeldungen, so der Papst weiter, gingen „mit intoleranten und zugleich reizbaren Haltungen einher und führen nur zur Gefahr, dass Arroganz und Hass eine immer weitere Verbreitung finden“.

Fake News stützten sich auf inexistente oder verzerrte Daten und zielten darauf ab, „den Adressaten zu täuschen, wenn nicht gar zu manipulieren“, so Franziskus. Der Papst betonte, dass keine Desinformation harmlos sei: „Schon eine scheinbar leichte Verdrehung der Wahrheit kann gefährliche Auswirkungen haben.“ Die Verbreitung von Falschmeldungen könne gezielt erfolgen, „um politische Entscheidungen zu beeinflussen oder Vorteile für wirtschaftliche Einnahmen zu erlangen“. Die Wirksamkeit von Fake News liege vor allem „in ihrer mimetischen Natur, in ihrer Fähigkeit der Nachahmung also, um glaubhaft zu erscheinen“.

Der Unwahrheit entgegentreten

Die Verbreitung von Falschmeldungen geschehe, so Franziskus weiter, „durch manipulative Nutzung der sozialen Netzwerke und dank deren spezifischer Funktionsweise“. Dadurch erhielten auch Inhalte, die eigentlich jeder Grundlage entbehrten, „eine so große Sichtbarkeit, dass der Schaden selbst dann nur schwer eingedämmt werden kann, wenn von maßgeblicher Seite eine Richtigstellung erfolgt“. Dass sich Fake News „oft rasend schnell wie ein Virus“ verbreiteten, liege auch an „der unersättlichen Gier, von der sich der Mensch nur allzu leicht beherrschen“ lasse: „Die wahre Wurzel der wirtschaftlichen und opportunistischen Hintergründe der Desinformation ist unser Hunger nach Macht und Besitz, unsere Vergnügungssucht – eine Gier, die uns letztlich auf einen Schwindel hereinfallen lässt“.

Der Papst verweist darauf, dass es schwierig sei, Fake News aufzudecken und auszumerzen, weil Personen „oft innerhalb homogener digitaler Räume“ kommunizierten, zu denen „divergierende Meinungen oder Blickwinkel nicht durchdringen können“. Hinzu komme, dass bei Falschmeldungen „mitunter raffinierte Mechanismen“ eingesetzt würden. Der Verantwortung, solchen Unwahrheiten entgegenzutreten, könne sich niemand entziehen, hob Franziskus hervor. Wichtig seien Bildungsinitiativen, die lehren, wie man Desinformationen aufdecken könne. Lobenswert seien auch „institutionelle und rechtliche Initiativen zur Eindämmung von Fake News.

Um gegen Falschmeldungen vorzugehen, nimmt Franziskus insbesondere Journalisten in die Pflicht. Sie dürften „trotz der Kurzlebigkeit der Nachrichten und im Strudel der Sensationspresse“ nie vergessen, dass „im Zentrum der Nachricht der Mensch steht“. Es gehe nicht darum, wie schnell eine Nachricht verbreitet werde und „welche Wirkung sie auf das Publikum“ habe. Der Papst rief dazu auf, „einen Journalismus für den Frieden voranzutreiben“. Damit sei kein Journalismus gemeint, „dem es nur um ‘Schönfärberei’ geht, der das Vorhandensein schwerwiegender Probleme leugnet und einen süßlichen Tonfall annimmt“.

„Journalismus für den Frieden“

Der Papst plädierte in seiner Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel für einen Journalismus, „der der Unwahrheit, der Effekthascherei und dem prahlerischen Reden den Kampf ansagt; ein Journalismus, der von Menschen und für Menschen gemacht ist“ und der „sich nicht vom Strudel der Sensationsgier und der verbalen Gewalt mitreißen lässt“. Diese Art von Journalismus verstehe sich als ein Dienst, „der allen Menschen zugutekommt, vor allem jenen – und das ist in unserer heutigen Welt der Großteil –, die keine Stimme haben“. Einem solchen Journalismus gehe es nicht darum, „Nachrichten so schnell und lukrativ wie möglich“ zu verbreiten, sondern darum, „die tatsächlichen Ursachen der Konflikte zu erforschen […], um ihre Wurzeln verstehen und durch die Anregung guter Handlungsweisen überwinden zu können“.

In seiner Botschaft zum 52. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel hat Papst Franziskus damit auch Bezug genommen auf eine Debatte, die seit einiger Zeit international unter dem Begriff „Constructive Journalism“ geführt wird. Dabei geht es darum, über positive gesellschaftliche Entwicklungen vermehrt zu berichten und beispielsweise bei Krisen und problematischen Entwicklungen auch Lösungsansätze zu beschreiben. Die Botschaft des Oberhaupts der katholischen Kirche zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel wird stets am 24. Januar eines Jahres veröffentlicht. Dieser Tag ist der Gedenktag des Heiligen Franz von Sales (1567 bis 1622), des kirchlichen Patrons der Journalisten. Im Jahr 2018 wird der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel von der katholischen Kirche in den meisten Ländern am 13. Mai begangen. In Deutschland wiederum ist dafür immer der zweite Sonntag im September vorgesehen. Somit findet der Welttag hierzulande, wo er auch unter dem Titel „Mediensonntag“ bekannt ist, am 9. September dieses Jahres statt.

10.02.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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