Geisendörfer-Preise für Radio- und TV‑Produktionen vergeben

20.10.2017 •

Zum 34. Mal wurden nun von der evangelischen Kirche die Robert-Geisendörfer-Preise verliehen. Ausgezeichnet werden bei dem Wettbewerb Fernseh- und Radiobeiträge, die das Verantwortungsgefühl der Menschen stärken sollen. Die Auszeichnungen wurden den Preisträgern am 10. Oktober in München beim Bayerischen Rundfunk (BR) im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung übergeben. Mit dem Sonderpreis der Jury wurde Gabriela Sperl ausgezeichnet. Die Laudatio auf die Filmproduzentin hielt der Regisseur Christian Schwochow. Den Sonderpreis erhielt Sperl für ihr Engagement für den Dreiteiler „Mitten in Deutschland: NSU“, der 2016 im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt worden war (vgl. MK-Artikel). Sperl produzierte die drei Fernsehfilme, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Mordserie der rechtsradikalen Terrorzelle NSU aufarbeiten. Den ersten Teil der NSU-Trilogie hatte Christian Schwochow inszeniert.

Die Jury des Geisendörfer-Preises schrieb zur Begründung der Auszeichnung für Gabriela Sperl: „Ein schwierig zu fassender Komplex rechter Gewalt mit mutmaßlich zehn Morden; die seltsame Blindheit der Ermittlungsbehörden und des Verfassungsschutzes sowie deren gesellschaftliche Folgen; das Leid der Opfer und ihrer zu Unrecht verdächtigten Familien – übersetzt in drei unterschiedliche filmische Perspektiven und drei ganz verschiedene künstlerische Herangehensweisen, in den ‘Täter’-, den ‘Opfer’- und den ‘Ermittler’-Film. Das Ergebnis sind drei inhaltlich wie ästhetisch hervorragende Filme, die nun den Maßstab setzen für die fiktionale Auseinandersetzung mit diesem Thema und seine Aufarbeitung. Ohne Gabriela Sperls Ideen, ihre Begeisterungsfähigkeit und Durchsetzungskraft wäre die Trilogie nicht zustande gekommen und das Fernsehen hierzulande um viele wichtige Filme ärmer.“

Die Bedeutung des Qualitätsjournalismus

Neben dem Sonderpreis wurden beim Robert-Geisendörfer-Wettbewerb, dem Medienpreis der evangelischen Kirche, in den Kategorien Fernsehen, Hörfunk und Kinderprogramme wiederum Preise an jeweils zwei Sendungen vergeben. Diese sechs Auszeichnungen sind mit insgesamt 30.000 Euro dotiert (sechsmal 5000 Euro; der Sonderpreis ist nicht dotiert). Die Preise gingen diesmal sämtlich an Produktionen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. In der Kategorie „Kinderprogramme“ wurden zwei Auszeichnungen an Fernsehproduktionen vergeben, beide Preise gingen dabei an Sendungen des von ARD und ZDF veranstalteten Kinderkanals (Kika).

Bei der Preisverleihung in München unterstrich der evangelische Medienbischof Volker Jung, der Vorsitzender der Geisendörfer-Jury ist, die Bedeutung des Qualitätsjournalismus für eine Gesellschaft, in der die öffentlichen Debatten mit einem hohen „Erregungspegel“ abliefen. Für publizistische Aufgaben wie zum Beispiel einen differenzierten Umgang mit dem Islam sei ein Journalismus nötig, der die Dinge zurechtrücke und Bildung und Aufklärung verpflichtet sei, sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Der Geisendörfer-Preis wird seit 1983 jährlich im Gedenken an den evangelischen Publizisten Robert Geisendörfer (1910 bis 1976) vergeben. Er war Gründungsdirektor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) und Fernsehbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Auszeichnungen beim Geisendörfer-Wettbewerb 2017 gingen in den drei Kategorien „Fernsehen“, „Hörfunk“ und „Kinderprogramm“ an folgende Beiträge:

Kategorie Fernsehen

La buena vida – Das gute Leben (3sat/ZDF), Dokumentarfilm. Den Preis erhielten Jens Schanze (Buch/Regie) und Börres Weiffenbach (Kamera).

Endstation Bataclan – Vom Busfahrer zum Attentäter (Arte/Radio Bremen), Dokumentarfilm. Der Preis ging an Alexander Smoltczyk (Autor), Grit Lederer (Regie) und Maurice Weiss (Kamera).

Kategorie Hörfunk

Schöner neuer Wahn. Eine Verschwörungstheorie Marke Eigenbau (BR/Deutschlandfunk), Feature. Mit dem Preis ausgezeichnet wurden Christian Schiffer, Christian Alt (Autoren) und Nikolai von Koslowski (Regie).

Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen (MDR Kultur), Hörspiel. Den Preis erhielten Holger Böhme (Autor), Stefan Kanis (Regie), Eva Löbau (Darstellerin) und Devid Striesow (Darsteller).

Kategorie Kinderprogramm

Der Leben- und Sterben-Check (BR), Folge aus der Fernsehreportage-Reihe Checker Tobi (Kika). Mit dem Preis ausgezeichnet wurden Johannes Honsell (Regie) und Birgitta Kaßeckert (verantwortliche Redakteurin).

Jons Welt (HR), Folge aus der TV-Porträt-Reihe Schau in meine Welt! (Kika). Der Preis ging an Marco Giacopuzzi (Buch/Regie).

20.10.2017 – da/MK

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