Katholischer Medienpreis 2017 in neuer Form verliehen

17.10.2017 •

Der Katholische Medienpreis 2017 ist am 16. Oktober in Bonn in neuer Form verliehen worden. Die Jury des Medienpreises hat erstmalig in den Kategorien „Elektronische Medien“ und „Printmedien“ jeweils drei Beiträge als preiswürdig nominiert. Die von der Jury aus den Nominierten ausgewählten Preisträger wurden nun – im Gegensatz zu den Vorjahren – erst beim Festakt bekanntgegeben. Als Printarbeit wurde die Reportage „Königskinder“ von Claas Relotius ausgezeichnet. Sie war am 9. Juli 2016 im „Spiegel“ erschienen. Im Bereich „Elektronische Medien“ (Hörfunk, Fernsehen, Internet) erhielt den Preis Jeanne Turczynski für ihren Radiobeitrag „Risiko Spätabbruch – Eine Entscheidung zwischen Leben und Tod“. Der Beitrag war am 22. September 2016 im Programm Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks (BR) ausgestrahlt worden.

Claas Relotius erzählt in seinem Artikel die Geschichte der Geschwister Alin und Ahmed, die sich nach einem neuen Zuhause sehnen. Sie wollen nach Deutschland, das ihnen wie das Paradies erscheint, ein Land, in dem angeblich eine gütige Königin regiert, von der sie nur den Namen kennen: Angela Merkel. Die Reportage schildert die unmenschlichen Zustände, in denen Flüchtlingskinder in der Türkei leben. Die Geschwister wollen endlich wieder zur Schule gehen können, vor allem aber wollen die beiden, die in der Türkei in zwei Lagern 300 Kilometer voneinander getrennt leben, wieder zusammenkommen. Inzwischen sind sie nach Erscheinen der Reportage in Deutschland adoptiert worden.

Digitalisierung durchdringt alles

Die Hörfunksendung von Jeanne Turczynski zeigte an vier konkreten Fällen, in welche Gewissenskonflikte Betroffene geraten, wenn während der Schwangerschaft ein „Defekt“, etwa das Down-Syndrom, diagnostiziert wird. Statt Unterstützung und Begleitung zu erhalten, werden sie oft alleingelassen. Die Autorin treffe, so die Jury, mit ihrer 60-minütigen Sendung „den Kern einer gesellschaftlichen Entwicklung, die der Selektion menschlichen Lebens in Theorie und Praxis immer mehr Platz einräumt“. Die Sendung zeige, wie an der Schnittstelle von Medizin, lebenswissenschaftlicher Forschung, Sozialwissenschaften, Philosophie, Journalismus und sozialer Arbeit über die soziale Dimension der Pränataldiagnostik geforscht werde.

Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Jury des Katholischen Medienpreises, hatte in seiner Ansprache vor der Preisverleihung die Bedeutung der Digitalisierung in der heutigen Gesellschaft betont: „Klar ist, Digitalisierung durchdringt alles und betrifft wirklich jeden. Zu den unbestrittenen Fortschritten und Freiheitszuwächsen kommen schwierige Herausforderungen dazu.“ So habe auch Papst Franziskus in seiner Botschaft zum „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ gesagt, dass dank des technischen Fortschritts sehr viele Menschen gute oder schlechte, wahre oder falsche Nachrichten teilen könnten. Der Medienbischof würdigte die Preisträger und Nominierten und bestärkte die Journalisten, eine Kultur der Begegnung zu fördern. Als Laudatoren bei der Preisverleihung in Bonn hoben die frühere „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel und ARD-Programmdirektor Volker Herres die herausragenden journalistischen Leistungen der Preisträger hervor.

Nominiert waren im Bereich „Printmedien“ außerdem Lena Niethammer für ihren Artikel „Sieht mich jemand?“, der am 29. Oktober 2016 im Tagesspiegel“ erschien, und Björn Stephan für seinen Beitrag „Klassenunterschied“, der am 15. Juli 2016 im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ publiziert wurde. Im Bereich „Elektronische Medien“ waren noch Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier für ihren Beitrag „Nordstadtkinder“ nominiert, der am 9. Mai 2016 im WDR Fernsehen“ ausgestrahlt wurde; außerdem Manuel Daubenberger und Lara Straatmann für ihren Beitrag „Nach 30 Jahren ein Zuhause – Eine Romreise mit Folgen“, ausgestrahlt am 30. Januar 2017 im NDR Fernsehen. Den Nominierten, die am Ende den Preis nicht erhielten, wurde eine Urkunde verliehen, die die früherer „Auszeichnung ‘journalistisch wertvoll’“ ersetzt. Der Katholische Medienpreis ist in seinen beiden Kategorien mit je 5000 Euro dotiert.

Erstmals ein Sonderpreis

Zum ersten Mal wurde beim Katholischen Medienpreis auch noch ein mit 2000 Euro dotierter Sonderpreis der Jury verliehen, den zur Premiere Christina Fee Moebus erhielt. Sie wurde für die Crossmedia-Serie „Der Gespensterschiff-Prozess“ ausgezeichnet, die am 26., 27. und 28. September 2016 vom Nordwestradio (das Mitte August 2017 in Bremen Zwei rückbenannt wurde) im Internet veröffentlicht wurde. Das crossmediale Projekt von Radio Bremen rekonstruiert mit gekonnter Bildsprache und dokumentarischem Ton eine Art Lokalreport über die Vorfälle in Bremerhaven zu Beginn des Schreckensregiments der Nationalsozialisten zu rekonstruieren. Durch den Report wird klar, dass es viele Ohren- und etliche Augenzeugen gab, die die Folter an den Verhafteten miterlebten. Daher musste das sogenannte „Gespensterschiff“, ein außer Dienst gestelltes Marineboot aus dem Ersten Weltkrieg, in ein außerhalb gelegenes Hafenbecken verlegt werden, damit sich Anwohner nicht mehr über die Schreie der dort Gefolterten beschwerten. Die Jury erklärte, sie wolle mit der Auszeichnung dieses Stücks die originelle Umsetzung bei spärlichen Foto- und Filmquellen ebenso würdigen wie den Ansatz, die Grausamkeiten der NS-Zeit in eine Nachbarschaft zurückzuholen, die sich damals hilflos und passiv gezeigt habe.

Der Katholische Medienpreis wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und dem Katholischen Medienverband ausgeschrieben. „Ausgezeichnet werden Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen“, hieß es in der diesjährigen Ausschreibung. Es wurden insgesamt rund 200 Beiträge eingereicht.

Die Jury des Katholischen Medienpreises besteht aus sechs Personen und wird geleitet von Bischof Gebhard Fürst. Die weiteren Jury-Mitglieder waren diesmal Wolfgang Küpper (Leiter der BR-Redaktion ‘Religion und Orientierung’), Stefan Kläsener (Chefredakteur beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag), Andreas Kuschbert (Chefredakteur beim „Heinrichsblatt“, Bamberg), Albert Herchenbach (ehemaliger Chefredakteur von „Stadtgottes“, Nettetal) und Frank Windeck (Konrad-Adenauer-Stiftung).

17.10.2017 – mt/MK

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