Intendantenwahl beim RBB: Herres, Schlesinger, Pfab, Nothelle oder Koll?

23.03.2016 •

23.03.2016 • Für die neu zu besetzende Intendantenposition beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sind offenbar drei Führungskräfte aus der ARD in der engeren Wahl, wobei keine vom RBB stammt. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), die Zentralredaktion der Madsack-Mediengruppe, berichtet, handele es sich dabei um ARD-Programmdirektor Volker Herres, ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und um Patricia Schlesinger, die beim Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) den Programmbereich Kultur und Dokumentation leitet.

Interne Kandidaten aus dem RBB für die Leitungsposition werden zumindest dem RND-Bericht zufolge von der Findungskommission, die der RBB-Rundfunkrat gebildet hat, nicht mehr in Erwägung gezogen. Somit wären Programmdirektorin Claudia Nothelle, Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter, der zugleich stellvertretender RBB-Intendant ist, und Justiziar Reinhart Binder nicht mehr im Rennen. Die drei waren bereits vor einigen Wochen als senderinterne Interessenten für den Führungsposten genannt worden. Zuletzt schrieb der „Tagesspiegel“ in seiner Ausgabe vom 18. März allerdings: „Ganz raus aus dem Kandidaten-Rennen scheint Claudia Nothelle noch nicht zu sein.“ Laut der „Süddeutschen Zeitung“ (21.3.16) soll auch Theo Koll, Leiter des ZDF-Studios Paris, ein möglicher Kandidat sein, was dem Vernehmen nach durchaus wahrschenlich ist. Im Gespräch für das RBB-Intendantenamt waren unter anderem noch Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD-Filmtochter Degeto, und Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.

Wahltermin: 7. April in Potsdam

Die Spitzenposition beim RBB muss neu besetzt werden, weil Intendantin Dagmar Reim die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt am 30. Juni dieses Jahres verlässt. Ihren Rückzug, für den sie ausschließlich private Gründe anführte, hatte die 64-jährige Reim Ende November 2015 bekannt gegeben (vgl. MK-Meldung). Seit Mai 2003 steht Reim an der Spitze des Rundfunks Berlin-Brandenburg, der damals aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) entstanden war. Dagmar Reim wurde im Mai 2007 zum ersten und im Juni 2012 zum zweiten Mal als Intendantin bestätigt. Ihre dritte Amtsperiode als RBB-Senderchefin begann am 1. April 2013 und hätte noch bis Ende März 2018 gedauert. Den RBB wird Dagmar Reim rund zwei Jahre vor Ablauf ihrer dritten Amts­periode verlassen.

In der Februar-Sitzung des RBB-Rundfunkrats, der für die Intendantenwahl zuständig ist, war ursprünglich erklärt worden, die eingesetzte zehnköpfige Findungskommission solle den übrigen Rundfunkratsmitgliedern bis zum 18. März zwei oder drei Kandidaten für die Leitungsposition vorschlagen. Dieser Termin wurde dann verschoben. Zuletzt war die Rede davon, dass der 24. März (der Donnerstag vor Karfreitag) das neue Datum sei, an dem die Rundfunkratsmitglieder über die in Frage kommenden Personen informiert werden sollten. Als Wahltermin ist die Sitzung des Rundfunkrats am 7. April vorgesehen, die am brandenburgischen RBB-Standort in Potsdam stattfinden wird. Der 29-köpfige Rundfunkrat wählt den RBB-Intendanten für die Dauer von fünf Jahren. Zum Intendant ist gewählt, wer in dem Gremium eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erhält.

Die RBB-Intendantenstelle war Mitte Dezember 2015 auch öffentlich ausgeschrieben worden. Daraufhin hatte der Rundfunkrat insgesamt 28 Bewerbungen erhalten, wobei sich zwei Frauen gemeinsam auf den Führungsposten bewarben. Von den eingegangenen Bewerbungen wurde laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland von der Findungskommission keine als qualifiziert genug betrachtet, um sie im weiteren Verfahren zu berücksichtigen. Die Findungskommission unter dem Vorsitz der RBB-Rundfunkratsvorsitzenden Friederike von Kirchbach hat in dem Stellenbesetzungsverfahren auch die Möglichkeit, von sich aus nach geeigneten Kandidaten zu suchen und Personen anzusprechen.

Journalist oder Verwaltungsexpertin?

Favorit für das Intendantenamt beim RBB scheint von den nun bekannt gewordenen Kandidaten ARD-Programmdirektor Volker Herres zu sein, der seit November 2008 an der Spitze der in München angesiedelten ARD-Programmdirektion steht. Der 58-Jährige kommt vom NDR. Dort hatte der studierte Journalist ab 1987 zunächst in der Intendanz gearbeitet, bevor er dann 1995 Chefredakteur und Leiter des Programmbereichs Zeitgeschehen beim Fernsehen des NDR wurde. Im Jahr 2004 rückte er zum NDR-Programmdirektor auf. Volker Herres moderiert seit September 2007 den ARD-„Presseclub“ – im Wechsel mit WDR-Fernseh­direktor Jörg Schönenborn.

Susanne Pfab ist seit Anfang 2015 hauptamtliche ARD-Generalsekretärin. In diese Position wurde die promovierte Juristin von der ARD-Hauptversammlung für fünf Jahre gewählt. Pfab, die am 24. April 50 Jahre alt wird, leitete zuvor ab 2002 das Gremienbüro des Bayerischen Rundfunks (BR) in München und ab 2006 die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der ARD. Die GVK-Geschäftsstelle ist beim BR angesiedelt. Bevor Pfab 2002 zum Bayerischen Rundfunk kam, war sie für die rechtswissenschaftliche Fachzeitschrift „Archiv des öffentlichen Rechts“ tätig.

Patricia Schlesinger arbeitet seit 1988 beim NDR. Sie begann dort – nach einem Volontariat – als Reporterin beim ARD-Politmagazin „Panorama“, das der NDR für das Erste Programm zuliefert. Später war sie ARD-Fernsehkorrespondentin in Singapur. Anschließend übernahm sie die Moderation von „Panorama“ und arbeitete als Redakteurin der NDR-Auslandsredaktion Fernsehen, deren Leitung sie dann 1999 übernahm. 2001 ging Schlesinger als ARD-Fernsehkorrespondentin nach Washington. Nach ihrer Rückkehr zum NDR stieg sie dort zur Leiterin der Programmgruppe Ausland und Aktuelles auf. 2006 wurde sie Chefin der Programmgruppe Dokumentation und Reportage. Seit Mai 2007 leitet die 54-jährige Patricia Schlesinger den NDR-Programmbereich Kultur und Dokumentation.

Mann oder Frau?

Der RBB-Rundfunkrat muss sich bei der anstehenden Intendantenwahl, so die vorab bekannt gewordenen Kandidatennamen korrekt sind, entscheiden, ob er eine Person an der Spitze des Senders haben will, die aus dem Journalismus oder aus dem Verwaltungsbereich kommt. Wobei Susanne Pfab nicht die größten Chancen haben soll. Von den Genannten dürften neben Volker Herres Patricia Schlesinger und Theo Koll diejenigen sein, die am ehesten als Kandidaten für den Spitzenposten beim RBB benannt werden könnten. Eine Rolle könnte auch die Frage spielen, ob für das Intendantenamt eine Frau präferiert werden soll, wovon bisher immer ausgegangen worden war. Die Gleichstellungsbeauftragten von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle (DW) wie auch des Österreichischen Rundfunks (ORF) forderten am 4. März, beim RBB müsse erneut eine Frau an die Spitze gewählt werden.

Dagmar Reim war 2003 die erste Frau, die in Deutschland die Leitung einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt übernahm. Von den übrigen hiesigen elf öffentlich-rechtlichen Sendern – inklusive der Deutschen Welle – wird nur noch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) von einer Frau geleitet. Dort ist Karola Wille seit 2011 Chefin. Sie ist seit Anfang dieses Jahres auch ARD-Vorsitzende. Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) war auf Intendantin Monika Piel, die die größte ARD-Anstalt von 2007 bis 2013 leitete, Tom Buhrow nachgefolgt. Würde Patricia Schlesinger zur neuen RBB-Intendantin gewählt, wäre es übrigens das zweite Mal hintereinander, dass die Chefin des Rundfunks Berlin-Brandenburg vom NDR käme, denn von dort war auch Dagmar Reim zum RBB gewechselt.

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Nachtrag (03.04.16): Jüngsten Medienberichten zufolge hat sich die Lage in Sachen RBB-Intendantenwahl so entwickelt, dass die Findungskommission des Rundfunkrats entschied, Volker Herres, Patricia Schlesinger und Theo Koll als Kandidaten für die Wahl zu nominieren, von denen dann aber nur noch Schlesinger und Koll verblieben, nachdem Herres von sich aus seine Kandidatur zurückzog, da er sich, wie es hieß, der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Rundfunkrat nicht sicher sein konnte

23.03.2016 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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