Nach Rücktrittsankündigung von Dagmar Reim: RBB legt Procedere für Intendantenwahl fest

14.12.2015 •

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat der Rundfunkrat das Procedere zur Neubesetzung des Intendantenamts näher festgelegt. In Kürze werde die Leitungsposition öffentlich ausgeschrieben, so wie es der RBB-Staatsvertrag vorsehe, teilte der RBB am 4. Dezember mit. Der Chefposten bei der Rundfunkanstalt muss neu besetzt werden, weil Intendantin Dagmar Reim den öffentlich-rechtlichen Sender Ende Juni kommenden Jahres verlässt. Ihren Rückzug begründete die 64-Jährige mit ausschließlich privaten Gründen. Sie wolle somit ihre noch bis Ende April 2018 laufende dritte Amtsperiode vorzeitig beenden. „Für den RBB arbeite ich unvermindert begeistert. Es ist wunderbar, an der Spitze eines kreativen Teams zu stehen“, erklärte Reim: „Aber es gilt – wie immer – Kohelet 3,1: ‘Ein jegliches hat seine Zeit’.“

Anfang 2016 wird der RBB-Rundfunkrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um für die Intendantenwahl eine Findungskommission einzusetzen und deren Mitglieder zu wählen. Es stehe noch nicht fest, ob die Sitzung im Januar oder im Februar abgehalten werde, erklärte RBB-Sprecher Justus Demmer auf MK-Nachfrage. Die Intendantenwahl könne frühestens in der Rundfunkratssitzung am 7. April stattfinden, gab der RBB weiter bekannt. Der 29-köpfige Rundfunkrat wählt den RBB-Intendanten für die Dauer von fünf Jahren. Zum Intendant ist gewählt, wer in dem Gremium eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erhält.

„Eine entschlossene Kämpferin“

Seit Mai 2003 steht Dagmar Reim an der Spitze des Rundfunks Berlin-Brandenburg, der damals aus der Zusammenlegung des Senders Freies Berlin (SFB) mit dem in Potsdam ansässigen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) entstand. Reim übernahm damals als erste Frau die Leitung einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt in Deutschland. Bei ihrer Wahl zur RBB-Intendantin im März 2003 hatte sie sich gegen den damaligen WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf durchgesetzt (vgl. FK-Heft Nr. 13/03). Reim war seinerzeit beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg. Beim RBB wurde sie dann im Mai 2007 zum ersten und im Juni 2012 zum zweiten Mal in ihrem Amt als Intendantin bestätigt. Seit Ende 2011 ist Reim außerdem Vorsitzende des Aufsichtsrats der ARD-Filmtochter Degeto (vgl. FK-Hefte Nr. 20/07, 47/11 und 26/12).

Dagmar Reim, geboren am 4. November 1951 in Heidelberg, begann ihre berufliche Laufbahn nach ihrem Studienabschluss (Geschichte, Germanistik und Publizistik in Mainz und München) beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München. Dort arbeitete sie zunächst als Redakteurin. Später wechselte sie zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln. 1986 kam Reim dann als Radioredakteurin zum NDR nach Hamburg. Dort übernahm sie ab 1992 – ein Jahr zuvor war Jobst Plog Intendant des NDR geworden – die Leitung der Pressestelle. Als Plog zwei Jahre lang als ARD-Vorsitzender amtierte (1993 und 1994), war Dagmar Reim für diese Zeit ARD-Sprecherin. 1995 wurde sie dann Chefredakteurin des NDR-Hörfunks und Programmbereichsleiterin von NDR 4 (heute: NDR Info). Im Jahr 1998 wurde sie schließlich Chefin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg.

Der RBB als integrierender Faktor

Anlässlich der Bekanntgabe des vorzeitigen Abschieds von Dagmar Reim würdigte die RBB-Rundfunkratsvorsitzende Friederike von Kirchbach die Arbeit der Intendantin: Reim sei „eine so fürsorgliche wie entschlossene Kämpferin für ihren RBB und dessen Publikum. Es ist für Bilanzen noch zu früh, aber sie hat dem RBB in der ARD Gewicht verliehen und den neuen Sender über Fernsehen, Radio und Internet in unserer Region fest verankert. Diese Leistung bleibt untrennbar mit ihrem Namen verbunden.“ Nun gebe Dagmar Reim, so von Kirchbach, „wieder ein Signal zum Aufbruch, diesmal sich selbst – für mich ein Anlass zu Wehmut und Dank.“

Wolf-Dieter Wolf, der Vorsitzende des RBB-Verwaltungsrats, verwies darauf, dass es Dagmar Reim sehr gut gelungen sei, den 2003 entstandenen neuen Sender finanziell zu konsolidieren. Das habe für sie wie für alle im Haus „einen außerordentlichen Kraftakt“ bedeutet. Bei der „mit Weitsicht und Sensibilität vorangetriebenen Fusion von SFB und ORB zum RBB hat Dagmar Reim mit ihrem Team Rundfunkgeschichte geschrieben“, sagte Wolf.

Ähnlich äußerte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Reim habe „die große Herausforderung der Fusion von ORB und SFB erfolgreich gemeistert“; auch in finanziell schwierigen Zeiten habe sie stets die Qualität des Programms und vor allem der journalistischen Standards im Blick gehabt. Mit der Umstellung von Redaktionen und Produktionsbetrieb auf das multimedial angelegte Zeitalter habe Reim die Grundlagen für neue, zukunftsträchtige Programmformate geschaffen. Unter ihrer Leitung hat sich der RBB „zu einem integrierenden Faktor des Zusammenwachsens von Ost und West entwickelt, der im gesellschaftlichen und politischen Leben unserer Stadt eine unverzichtbare Rolle spielt“, erklärte Müller.

14.12.2015 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren