Online-Kooperation von RBB und „Berliner Morgenpost“

06.05.2015 •

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat eine Online-Kooperation mit der „Berliner Morgenpost“ abgeschlossen. Seit dem 8. April ist auf dem Internet-Angebot der Tageszeitung eine tägliche Kurzausgabe der RBB-Nachrichtensendung „Abendschau“ verfügbar, die „Abendschau in 60 Sekunden“. Zusätzlich können Nutzer auf morgenpost.de auch einzelne Beiträge aus der „Abendschau“ ansehen. Dazu wurde die Rubrik „Videos aus der ‘Abendschau’ des RBB“ geschaffen. Im Dritten Programm RBB Fernsehen wird täglich für das Berliner Publikum in der Zeit von 19.30 bis 20.00 Uhr das Regionalmagazin „Abendschau“ ausgestrahlt (parallel dazu ist in Brandenburg die Sendung „Brandenburg aktuell“ zu sehen).

Die „Berliner Morgenpost“ gehört seit dem 1. Mai vorigen Jahres zur in Essen ansässigen Funke-Mediengruppe, die die Tageszeitung zusammen mit weiteren Printtiteln vom Springer-Konzern gekauft hatte. In der Zusammenarbeit mit dem RBB sieht „Morgenpost“-Chefredakteur Carsten Erdmann „einen tollen Zusatznutzen für unsere User“. Das digitale Angebot der „Morgenpost“ werde „mit den besten Bewegtbild-Nachrichten der Hauptstadt“ bereichert.

Der Umgang mit Rundfunkbeitragsgeldern

RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein sieht, wie er laut einer Mitteilung der Senders erklärte, in der Kooperation „die Möglichkeit, neues Publikum für die ‘Abendschau’ beim RBB zu gewinnen“. Im „Medienmagazin“ des RBB-Hörfunkprogramms Radio Eins (Ausgabe vom 11. April) sagte Singelnstein, die „Morgenpost“ passe sehr gut zum RBB, weil sie ebenfalls „konsequent regional aufgestellt“ sei. Der Sender habe auch mit dem in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel“ und der „Berliner Zeitung“ gesprochen, erläuterte Singelnstein, außerdem mit zwei Zeitungen aus Brandenburg; deren Namen nannte er nicht.

Einig geworden sei man sich dann mit der „Morgenpost“, so der RBB-Chefredakteur weiter. Zwischen den beiden Beteiligten fließt im Rahmen der Kooperation kein Geld. Das erklärte RBB-Sprecher Volker Schreck auf MK-Nachfrage. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg und die „Berliner Morgenpost“ hatten im März bereits redaktionell miteinander kooperiert, und zwar bei dem gemeinsamen crossmedialen Projekt „Dschihad in den Köpfen“, das auf den Recherchen der drei RBB-Reporter Sascha Adamek, Jo Goll, und Torsten Mandalka sowie von „Morgenpost“-Journalist Ulrich Kraetzer basiert. Daraus entstanden ist eine unter dem Projekttitel im RBB Fernsehen ausgestrahlte Reportage, in der Wege und Motive junger Männer und Frauen aus Berlin nachgezeichnet werden, die sich radikalisieren und in die nahöstlichen Kampfgebiete in Syrien und im Irak ziehen. Online haben RBB und „Berliner Morgenpost“ noch zusätzliche Informationen zu dem Thema bereitgestellt.

Rechercheverbund von NDR, WDR und SZ

RBB-Chefredakteur Singelnstein schloss im Radio-Eins-„Medienmagazin“ weitere Projekte dieser Art mit der „Berliner Morgenpost“ nicht aus: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch zukünftig noch andere Themenfelder finden, auf denen wir gut zusammenarbeiten können.“ Singelnstein verwies ferner darauf, dass eine solche Kooperation dazu beitrage, die Kosten für die Produktion von Inhalten zu senken. Das sei „ein verantwortlicher Umgang“ mit Rundfunkbeitragsgeldern. Durch die im März eingereichte Beschwerde des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) gegen die Rechercheverbund von Westdeutschem Rundfunk (WDR), Norddeutschem Rundfunk (NDR) und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) sehe er sich nicht veranlasst, die Aktivitäten einzustellen, sagte Singelnstein.

Der Rechercheverbund von WDR, NDR und SZ, der seit Anfang 2014 vom früheren „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo geleitet wird (vgl. FK 5-6/14 und 46/14), ist in seiner institutionalisierten Ausgestaltung mit der derzeitigen Kooperation von RBB und „Berliner Morgenpost“ nicht vergleichbar. Mascolo wird für seine Tätigkeit beim Rechercheverbund von den beiden Sendern und der Zeitung jeweils über separate Verträge bezahlt. Der VPRT hatte Mitte März seine Beschwerde gegen den Rechercheverbund bei der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei eingereicht, die die Rechtsaufsicht über den WDR hat.

Aus Sicht des VPRT ist das Vorgehen von NDR und WDR nicht mit deren öffentlich-rechtlichem Auftrag vereinbar. Durch die Zusammenarbeit werde der private Wettbewerb zugunsten der „Süddeutschen Zeitung“ verzerrt. Rundfunkbeitragsgelder kämen auch der SZ zugute. Insgesamt, so die Einschätzung des VPRT, liege hier ein Verstoß gegen das Rundfunk-, das Vergabe- und das EU-Beihilferecht vor. Bis zum 17. April konnte sich der WDR zu der Beschwerde äußern. Wann die Staatskanzlei ihre Prüfung abschließt und das Ergebnis bekannt gibt, ist offen. Auch Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“, hatte im vorigen Jahr Kritik an dem Rechercheverbund geübt. Die SZ könne teure Recherchen mit NDR und WDR teilen, wodurch sie quasi mit Rundfunkbeitragsgeldern quersubventioniert werde.

06.05.2015 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren