Manfred Krupp zum neuen Intendanten des Hessischen Rundfunks gewählt

19.02.2016 •

Beim Hessischen Rundfunk (HR) übernimmt am 1. März 2016 Manfred Krupp das Intendantenamt. Der Rundfunkrat des HR wählte auf seiner Sitzung am 5. Februar in Frankfurt den Fernsehdirektor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt erwartungsgemäß zum neuen Senderchef. Krupp erhielt in dem 30-köpfigen Gremium 21 Ja-Stimmen, neun Mitglieder votierten gegen eine Wahl von Krupp, was somit eine Zustimmungsquote von 70 Prozent bedeutete. Von der zwölfköpfigen Findungskommission unter Leitung des HR-Rundfunkratsvorsitzenden Jörn Dulige war Manfred Krupp am 22. Dezember vorigen Jahres einstimmig zum einzigen Kandidaten für das Intendantenamt nominiert worden (vgl. MK-Meldung). Krupp begann im Jahr 1984 seine berufliche Laufbahn beim HR als Volontär. 2005 wurde er Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks.

Als Intendant des HR tritt Manfred Krupp, der am 25. Februar 60 Jahre alt wird, die Nachfolge an von Helmut Reitze, 63. Im November 2015 hatte Reitze erklärt, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig von seinem Amt zurückzutreten (vgl. MK-Meldung). Reitze verlässt Ende Februar – und damit rund zwei Jahre vor dem Ende seiner dritten Amtsperiode – die Rundfunkanstalt, deren Leitung er im Januar 2003 übernommen hatte; er tritt dann in den Ruhestand. Mit der Wahl von Manfred Krupp zum neuen HR-Intendanten kommt nun erstmals seit 1981 der Senderchef wieder aus dem eigenen Haus. Damals war Wolfgang Lehr, Justiziar und stellvertretender Intendant des HR, zum Intendanten der Rundfunkanstalt gewählt worden; Lehrs drei Nachfolger – Hartwig Kelm, Klaus Berg und Helmut Reitze – kamen jeweils von außen.

„Hessen ist unsere Legitimation“

Manfred Krupp wurde vom HR-Rundfunkrat nun für die Dauer von sechs Jahren zum Intendanten gewählt. Krupps Amtsperiode dauert damit vom 1. März 2016 bis zum 28. Februar 2022. Der Rundfunkrat legt die Dauer der Amtszeit fest, die laut HR-Gesetz zwischen fünf und neun Jahren betragen kann. Eine Amtszeit von mehr als sechs Jahren sei für ihn nicht in Frage gekommen, erklärte Krupp, der am Ende dieser Amtszeit 66 Jahre alt sein und dann in den Ruhestand treten wird.

Manfred Krupp kündigte an, er werde als Intendant „die konsequente Ausrichtung“ der HR-Programme auf Hessen fortführen: „Hessen ist unsere Legitimation und Mittelpunkt unserer Berichterstattung, dies hat sich als die richtige Strategie erwiesen und wurde mit steigenden Marktanteilen belohnt.“ Als wichtige Herausforderung bezeichnete es Krupp angesichts der „angespannten Finanzlage“, den Hessischen Rundfunk weiterhin als eigenständige und unabhängige Landesrundfunkanstalt zu erhalten. Ebenfalls wichtig sei es, „die Rolle des HR in der aktuellen Diskussion zur Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als politisch und gesellschaftlich relevanten Faktor der Meinungsbildung zu stärken und weiter auszubauen“. Im derzeitigen Wandel der Mediennutzung sieht Krupp eine weitere Herausforderung. Man müsse sich besser als bisher darauf einstellen, dass insbesondere junge Menschen unabhängig von festen Sendezeiten Medien konsumieren wollten. Krupp bot außerdem den Zeitungsverlagen eine Zusammenarbeit im Online-Bereich an.

Der Rundfunkratsvorsitzende Jörn Dulige sieht in Manfred Krupp eine Persönlichkeit, die den Hessischen Rundfunk wie kein zweiter kenne und die dem Sender bereits seit vielen Jahrzehnten verbunden sei: „Er steht für Kontinuität und kann den in den letzten Jahren erfolgreich eingeschlagenen Kurs fortführen.“ Vom zukünftigen Intendanten, so erklärte Dulige am 5. Februar weiter, erwarte man, „dass er nicht nur ein überzeugter und überzeugender Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist, sondern auch unabhängig handelt und konstruktiv mit den Gremien zusammenarbeitet“.

Verbände fordern Fernsehdirektorin

Die beiden Journalistinnen-Verbände Pro Quote Medien und Journalistinnenbund forderten den HR auf, für die Leitung der Fernsehdirektion – dieser Posten muss in den kommenden Wochen neu besetzt werden – eine Frau zu benennen. In der obersten Leitungsebene des HR sei bislang keine Frau vertreten. Die Findungskommission, an der zehn Männer und nur zwei Frauen beteiligt gewesen seien, habe keine einzige Frau als mögliche Kandidatin für das Intendantenamt in Erwägung gezogen, kritisierten die beiden Verbände.

Manfred Krupp, geboren am 25. Februar 1956 im rheinischen Troisdorf (hier wurde 1958 auch der derzeitige WDR-Intendant Tom Buhrow geboren), hat Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht in Gießen und Marburg studiert. Im Jahr 1984 kam er als Volontär zum Fernsehen des Hessischen Rundfunks nach Frankfurt. Nach seiner Ausbildung arbeitete er dort ab 1986 als Fernsehredakteur und Moderator vor allem im Bereich Regionalnachrichten. Im Jahr 1990 wurde Krupp Leiter des HR-Fernsehstudios in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. 1996 wurde er Abteilungsleiter ‘Hesseninformation’ und war damit unter anderem verantwortlich für das täglich im Dritten Fernsehprogramm ausgestrahlte Regionalmagazin „Hessenschau“. 1993 wurde Krupp zusätzlich stellvertretender HR-Fernsehchefredakteur. Anfang April 2001 rückte er dann zum Chefredakteur des Dritten Fernsehprogramms auf. Vier Jahre später wurde Krupp Fernsehdirektor des HR und im März 2010 zusätzlich stellvertretender Intendant des Senders.

19.02.2016 – MK

Print-Ausgabe 24/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren