Katholischer Medienpreis für SWR-Fernsehdokumentation „Tod vor Lampedusa“

07.08.2015 •

Den Katholischen Medienpreis erhalten in diesem Jahr die Journalistinnen Natalie Amiri, Ellen Trapp und Nataly Bleuel. Wie die Deutsche Bischofs­konferenz am 21. Juli mitteilte, werden Natalie Amiri und Ellen Trapp in der Kategorie „Elektronische Medien“ (Fernsehen, Radio, Internet) für ihre TV-Dokumentation „Tod vor Lampedusa. Europas Sündenfall“ ausgezeichnet.

Ausgangspunkt für den Film ist die Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa am 3. Oktober 2013, bei der ein Boot mit 540 Flüchtlingen vor der kleinen italienischen Insel Lampedusa kenterte. Mehr als 380 Menschen ertranken. In ihrem 45-minütigen Film zeichnen Amiri, Jahrgang 1978, und Trapp, Jahrgang 1975, die mehr als zwei Jahre dauernde Flucht von Dawit aus Eritrea nach. Er gehörte zu den Überlebenden des Schiffsunglücks. „Tod vor Lampedusa. Europas Sündenfall“ wurde vom Südwestrundfunk (SWR) produziert und am 6. Oktober 2014 im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt. 3sat wiederholt die Dokumentation am 15. September.

„Zeit“-Magazin-Reportage ausgezeichnet

In der Kategorie „Printmedien“ geht der Preis an Nataly Bleuel, Jahrgang 1967. Die Journalistin erhält die Auszeichnung für ihren Artikel „Herzenssache“, der am 15. Mai vergangenen Jahres im „Zeit“-Magazin veröffentlicht wurde. In ihrer Reportage erzählt Bleuel die Geschichte eines Elternpaares, deren 14-jährige Tochter nach einem Verkehrsunfall einen Hirntod erleidet. Für die Eltern beginnt von einem Moment auf den anderen ein Schnelldurchlauf von wenigen Stunden durch die ethischen Fragen des Lebensendes. Die Eltern stimmen schließlich zu, die Organe ihrer Tochter zu spenden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzende der Jury, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), werden die Preise am 2. November bei einem Festakt in München überreichen, die mit jeweils 5000 Euro dotiert sind. Mit dem Katholischen Medienpreis werden Beiträge ausgezeichnet, die auf das christliche Werteverständnis verweisen, das Verständnis für Menschen fördern und die das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken. Der Preis wird vergeben von der Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM).

Die Fernsehdokumentation „Tod vor Lampedusa. Europas Sündenfall“ sei ein „Plädoyer für ein Überdenken, für eine Reform der europäischen Flüchtlingspolitik“, schrieb die Jury in ihrer Preisbegründung: „Der Film gewährt auf eindrucksvolle Weise einen Einblick in die Odyssee, die viele Flüchtlinge hinter sich haben.“ Aus Sicht der Jury fördert die Dokumentation „in einer handwerklich herausragenden Art und Weise das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge“. Die beiden Autorinnen appellierten durch ihren Film an das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein.

Nataly Bleuel erweise durch die Fallerzählung in ihrer Reportage „Herzenssache“ der Debatte um Organtransplantationen einen guten Dienst, erklärte die Jury. Die Autorin zeige auf, zu welchen moralischen Zumutungen es für Angehörige komme, wenn sie der Mehrheitsmeinung „Organspende ist gut“ folgten. Gleichzeitig entgehe die Journalistin der Versuchung, die Herztransplantation grundsätzlich in Frage zu stellen. Bleuel habe „mit hoher Sensibilität und Gespür für die moralischen Dilemmata“ das Thema Organspende mehr­dimensional beleuchtet, so die Jury weiter.

Journalistisch wertvoll

Die Deutsche Bischofskonferenz teilte außerdem mit, dass die Jury noch zwei undotierte Auszeichnungen vergeben habe. In der Kategorie „Elektronische Medien“ erhält die Auszeichnung „journalistisch wertvoll“ Christian Heynen für seinen TV-Beitrag „Schnitzeljagd – Finde den Schatz von Polen“, der am 31. August 2014 im Kinderkanal (Kika) ausgestrahlt wurde. Aus Sicht der Jury fördert der Film Verständnis und Interesse mit dem Nachbarland. In der Kategorie „Printmedien“ geht die Auszeichnung „journalistisch wertvoll“ an Andreas Unger und seinen im Magazin „Stern“ veröffentlichten Text „Die Kraft der Vergebung“, der am 17. Dezember 2014 publiziert wurde. Es handele sich um eine verdienstvolle Suche nach Menschen, „die jenen verziehen haben, die ihnen schreiendes Unrecht angetan haben“, so die Jury.

Für den Katholischen Medienpreis 2015 waren 176 Beiträge eingereicht worden; in der Kategorie „Elektronische Medien“ gab es 115 Einsendungen, darunter neun im Internet veröffentlichte Beiträge. Im Segment „Printmedien“ lagen 61 Texte vor. Der Jury gehörten neben ihrem Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst noch fünf weitere Mitglieder an. Dabei handelte es sich um Andrea Rübenacker (Regionalkoordinatorin Südostasien bei der Deutsche-Welle-Akademie, Bonn), Albert Herchenbach (Chefredakteur von „Stadtgottes“, Nettetal), Stefan Kläsener (Chefredakteur beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, Flensburg), Wolfgang Küpper (Leiter der Hörfunkredaktion Religion und Kirche beim Bayerischen Rundfunk, München) und Anian Christoph Wimmer (Chefredakteur der „Münchner Kirchenzeitung“).

07.08.2015 – MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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